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Wenn’s in der Ausbildung mal knirscht

OP-Ausbildungsserie Wenn’s in der Ausbildung mal knirscht

Letzter Teil der OP-Ausbildungsserie: Wer in diesem Jahr kein Glück mit dem Traumberuf ­hatte, dem bietet sich mit einer Einstiegsqualifizierung „eine Brücke in die Berufsausbildung“, rät die Agentur für Arbeit allen, die sich noch auf der ­Suche befinden.

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Auszubildende können bei privaten oder schulischen Problemen sogenannte ausbildungsbegleitende Hilfen in Anspruch nehmen.

Quelle: Steffen Schwenk

Marburg. Der Ausbildungsstart in den Betrieben des Landkreises hat begonnen oder steht demnächst vor der Tür. Der Großteil der knapp 2000 Bewerber, die sich seit Oktober vergangenen Jahres bei der Arbeitsagentur registrierten, wurden untergebracht, die meisten der rund 1600 Ausbildungsstellen besetzt.

Dennoch bleiben auf beiden Seiten in jedem Jahr Dutzende Stellen oder Ausbildungssuchende übrig. Bewerber, die sich noch umentschieden haben, im Wunschberuf nicht vermittelt oder genommen werden konnten, müssen jedoch nicht auf der Strecke bleiben – die Zeit bis zur nächsten Ausbildungssaison kann sinnvoll genutzt werden.

Arbeitsagentur bietet besondere Initiative an

Neben einem freiwilligen Jahr im sozialen oder ökologischen Bereich bietet sich unter anderem die Teilnahme an einer betrieblichen Einstiegsqualifizierung (EQ) an, um sich auf den künftigen Anlauf ins Berufsleben vorzubereiten.
Eine EQ ist ein von der Agentur für Arbeit gefördertes Langzeitpraktikum von regulär sechs bis zwölf Monaten mit dem Ziel, eine potenzielle Berufseignung zu prüfen und notwendige Voraussetzungen in der Praxis zu schaffen, erklärt Gerhard Wenz, Bereichsleiter der Arbeitsagentur.

Dieser Schritt soll zur Vorbereitung wie gleichfalls Anbahnung einer betrieblichen Ausbildung dienen. Auf der anderen Seite ermöglicht die EQ einem Betrieb, der noch nie oder für längere Zeit nicht ausgebildet hat, den Einstieg oder Wiedereinstieg in die betriebliche Ausbildung. Der potenzielle spätere Arbeitgeber hat dabei die Möglichkeit, den Kandidaten, statt in einem knappen Bewerbungsgespräch, über einen längeren Zeitraum kennenzulernen, einzuschätzen und in den Betrieb einzuführen.

Quasi ein Beschnuppern auf beiden Seiten. So erhalten auch die Wackelkandidaten, die auf dem regulären Bewerbungsweg eventuell abgelehnt werden, die Möglichkeit, Können und Lernbereitschaft vor Ort in der Praxis zu beweisen. Nicht immer sind Schulnoten und Bewerbungsschreiben alleinige Qualitätsmerkmale für einen geeigneten Lehrling, wissen die Berufsberater.

Prognose: Weniger Bewerber

„Die Einstiegsqualifizierung kann als Chance genutzt werden, oftmals machen Jugendliche im beruflichen Alltag erstaunliche Entwicklungen durch“, sagt Wenz. In der Regel beginnt eine EQ am 1. Oktober oder danach. Während des Praktikums erhalten die Jugendlichen eine Vergütung, die Agentur fördert den teilnehmenden Arbeitgeber monatlich wiederum mit 216 Euro.

Wichtig hierbei: Die EQ ist nur etwas für Betriebe, die auch ausbilden wollen und sich eine spätere Übernahme des Teilnehmers vorstellen können – kein Weg, um günstig an Langzeitpraktikanten zu gelangen, betont die Agentur. Geeignete Kandidaten sind Bewerber, die bis zum 30. September keine Stelle gefunden haben oder Jugendliche, die aktuell noch nicht für eine Ausbildung qualifiziert, lernbeeinträchtigt oder sozial benachteiligt sind.

Daneben ist eine Förderung auch für Asylbewerber mit einer Aufenthaltsgenehmigung möglich, seit Juni auch ­ohne ­individuelle Zustimmungsanfrage bei den Ausländerbehörden. „Wir wollen alle jungen Menschen mit einbeziehen, auch solche mit erschwerten Vermittlungsperspektiven“, betont Wenz. Insbesondere, da in Zukunft mit noch deutlich weniger Bewerbern zu rechnen sei.

Breustedt: Schwächere Bewerber im Auge behalten

In den nächsten Jahren werden wesentlich weniger junge Menschen auf den Markt strömen, prognostiziert die Behörde. Künftig werden die idealen „Wunschauszubildenden“ immer schwieriger zu finden sein. Da gelte es, auch die schwächeren Bewerber im Auge zu behalten, „deren Potenzial erst auf den zweiten Blick offenkundig wird“, rät auch Volker Breustedt, Leiter der Marburger Arbeitsagentur.

Doch auch wer bereits einen festen Ausbildungsplatz im Wunschberuf ergattern konnte sieht sich nicht nur mit einem spannenden Einstieg ins Berufsleben konfrontiert, sondern auch mit dem ein oder anderen Stolperstein.
Für den Fall, dass es in der Lehrzeit einmal kriselt und schulische oder private Probleme auftauchen, rät die Agentur zu ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH).

Die Betreuung der Lehrlinge, ein individueller Förderunterricht, Nachhilfe in Theorie- und Praxis sollen vorhandenen Defiziten entgegenwirken und das Potenzial der Teilnehmer verbessern. Insbesondere wenn sich die Auszubildenden überfordert fühlen und durch schlechte Noten, Lernhemmungen oder Prüfungsangst die Motivation schwindet, greifen die abH.

„Es hilft sehr, wieder mit den Mitschülern Schritt halten zu können und lässt Jugendliche selbstbewusst und leistungsstark werden“, erklärt Berufsberaterin Monika Dersch. Der Einstieg ist jederzeit nach Ausbildungsbeginn möglich. Gerhard Wenz, Bereichsleiter der Marburger Arbeitsagentur, sagt: „Menschen mit betrieblicher Ausbildung sind gefragt am Arbeitsmarkt. Deshalb bieten wir auch jetzt noch Interessierten die Chance, sich zu informieren und schnell mit Betrieben in Kontakt zu kommen.“

  • Kontakt zur Arbeitsagentur: Marburg: 
Telefon 06421/605-142, Biedenkopf: 06461/9514-27, Stadtallendorf: 06428/9300-38. Für Arbeitgeber: E-Mail: marburg.arbeitgeber@arbeitsagentur.de , Tel.: 06421/605-212 oder 0800/4555520 (kostenfrei). 

von Ina Tannert

Top 10 freie Ausbildungsstellen

Im Landkreis stehen noch 77 freie Ausbildungsstellen zur Verfügung. Die meisten Angebote gibt es in diesen Bereichen:

  • Anlagenmechaniker/in – Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik (6 Stellen)
  • Restaurantfachmann/-frau (4 Stellen)
  • Fachverkäufer/in – Lebensmittelhandwerk Bäckerei (4 Stellen)
  • Maurer/in (4 Stellen)
  • Koch/Köchin (4 Stellen)
  • Fachkraft Gastgewerbe (3 Stellen)
  • Fleischer/in (3 Stellen)
  • Hotelfachmann/-frau (3 Stellen)
  • Elektroniker/in – Energie- und Gebäudetechnik (2 Stellen)
  • Physiklaborant/in (1 Stelle)

Quelle: Agentur für Arbeit

 

 

von Ina Tannert

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