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Weniger Verkaufsfläche als geplant

Pläne fürs Gutenbergcenter Weniger Verkaufsfläche als geplant

Kleiner, aber feiner: Weil die Uni das Savignyhaus nicht aufgeben will, wird der Bauherr des Gutenbergcenters sein Projekt mit weniger Fläche realisieren. Die Sanierung des Allianzhauses soll 2014 beginnen.

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Das Filetstück in der Universitätsstraße/Gutenbergstraße in Marburg ist trist. Ein Investor will das Center umbauen; das Savignyhaus (links) soll nun doch nicht
abgerissen werden. 

Quelle: Panorama-Fotomontage: Thorsten Richter

Marburg. Eine Entscheidung der Philipps-Universität hat Auswirkungen auf die Einzelhandelslandschaft in Marburg: Die Uni wird das Savignyhaus in der Universitätsstraße nicht aufgeben, sondern möchte das Gebäude des Fachbereichs Rechtswissenschaften in den nächsten Jahren nach und nach sanieren. Ein Neubau sei endgültig vom Tisch, sagte Professorin Katha­rina Krause am Freitag im OP-Gespräch. „Wir hätten bereits im Vorfeld zu viele Kompromisse unter Zeitdruck eingehen müssen“, erklärte sie.

Der Druck sei auf verschiedenen Ebenen vorhanden: Auf der einen Seite wären da die Jura-Studierenden, die Beschäftigten und die Bibliothek des Fachbereichs, die vorübergehend an einen anderen Standort untergebracht werden müssten. Auf der anderen Seite wartet der Investor Joachim Tenkhoff seit gut fünf Jahren darauf, aus dem Filetstück Universitätsstraße/ Gutenbergstraße das Gutenbergcenter zu realisieren. Bisher hieß es stets, das Konzept hänge davon ab, ob das Uni-Gelände miteinbezogen werden kann oder nicht. Nun steht fest: Tenkhoff muss ohne das Savignyhaus und damit mit weniger Fläche auskommen.

Er hatte schon vor Monaten angedeutet, dass dies inzwischen möglich sei. Tenkhoff erklärte am Freitag, er warte die offizielle Entscheidung und die Verträge ab, signalisierte aber zugleich, dass eine „kleinere Lösung“ möglich sei.

Verschiebung der Baugrenze am Campus

Eine kleinere Lösung wäre nach Angaben von Oberbürgermeister Egon Vaupel der Umbau des sanierungsbedürftigen Allianzhauses. Im Untergeschoss, dort, wo früher eine Bowlingbahn war, wird eine Verkaufsfläche entstehen. Geschäfte kommen auch ins Erd- und erste Obergeschoss. Das Parkdeck wird dafür aufgestockt. Statt einer geplanten Verkaufsfläche von 12000 Quadratmetern könnten es nun 8000 bis 9000 Quadratmeter werden. 300 Parkplätze stünden zur Verfügung. Die jetzige Bauleit­planung lasse den Umbau des Allianzhauses zu, es sei aber besser, wenn die Stadt das Projekt bauleitplanerisch begleite. Vaupel hält ein kleineres Center für eine Aufwertung des Einkaufsstandorts. Bei einer anderen Bauleitplanung ist die Stadt Marburg bereits jetzt am Zug: Am kommenden Dienstag werden im Umweltausschuss die neuesten Pläne für den Bau des Sprachatlas auf dem Campus Firmanei erörtert. Darin finden sich Aspekte, die folgenreich für die neueste Entwicklung in Sachen Gutenbergcenter waren, weil es um den ursprünglich geplanten Neubau für die Rechtswissenschaften - das Baufeld 2 - geht: Die Stadt hat „eine geringfügige Verschiebung der Baugrenze des Baufelds 2 um 2,50 Meter“ festgelegt. Das bedeutet: Der ganze Neubau-Komplex soll etwas weniger Raum einnehmen, um Fußgängern am Pilgrimstein mehr Platz zu bieten. Denn bei der Offenlegung der Pläne hatte es Einwände gegeben, man befürchtete eine unnötige Enge. Die Universität erklärt, dass sie nicht mit weniger Platz auskommt. „Man hat letztendlich keine Spielräume für eine gute Innenarchitektur, damit sich 1500 Studierende und Beschäftigte wohl fühlen“, erklärte Krause.

Die Verschiebung der Baugrenze für den Campus Firmanei sei also ein Grund für die Entscheidung der Uni, dort auf einen Neubau für die Juristen zu verzichten. Es gibt aber noch weitere Faktoren, die die Entscheidung des Präsidiums beeinflusst hätten: Wohin mit den Studierenden, wenn das Savignyhaus an den Bauherrn des Einkaufszentrum verkauft wird und der Neubau noch nicht fertig ist? „Ich persönlich glaube, dass ein saniertes Savignyhaus auf Neubaustandard die beste Lösung ist, auch weil die Nähe zum Landgrafenhaus, dem zweiten Gebäude der Juristen, bleibt“, so Krause. Eine Gesamtsanierung des Savignyhauses werde „deutlich mehr“ als zehn Millionen Euro kosten. Krause betonte, dass im Heureka-Programm des Landes in Höhe von 440 Millionen Euro bis 2019 kein Geld vorgesehen ist. Bisher hat die Uni aus ihrem Budget eine halbe Million Euro für den Bau neuer Toiletten vorgesehen. Fest stehe, dass bei einer Sanierung auch ein Anbau ermöglicht werden müsste - denn dem Fachbereich reicht der Platz nicht aus.

Ministerium wollte Neubau für Uni-Fachbereich

Der hessische Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) ist über die Entscheidung der Marburger Uni-Spitze alles andere als glücklich. „Wir bedauern, dass sich das Präsidium der Philipps-Universität entschieden hat, zum jetzigen Zeitpunkt die Pläne für Umzug und Neubau der Rechtswissenschaften in Marburg nicht weiterzuverfolgen. Trotz intensiven Bemühens - auch seitens der Stadt Marburg und des Landes Hessen - scheint es nicht gelungen zu sein, alle Verantwortlichen der Universität von den Vorzügen eines Neubaus zu überzeugen“, erklärte Schäfer auf OP-Anfrage. Nun fange man, was die Verhandlungen über die Finanzierung angeht, wieder von vorne an, hieß es aus Wiesbaden.

von Anna Ntemiris

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