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Warten auf 94 Millionen Euro aus Berlin

Diskussion um Umgehungsstraße Warten auf 94 Millionen Euro aus Berlin

Naturschützer haben die Klage gegen den Bau der Umgehungsstraße durchs Lahntal zurückgezogen. Die neue Bundesstraße 252 scheint so nah wie nie.

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Schulterschluss der Wirtschaft für die B252-Umgehung, von links Regierungspräsident a.D. Lutz Klein, Günther Beil vom Autohaus Beil, Hettich-Geschäftsführer Uwe Kleemann, Günther Hermann vom hessischen Verkehrsministerium, Friedrich W. Jörn vom Eisenwerk

Quelle: Malte Glotz

Allendorf (Eder). Sie haben die Verantwortung für Tausende Mitarbeiter und setzen sich für eine bessere Verkehrsanbindung ein: Die Vertreter großer regionaler Firmen haben gestern gegenüber Ministerialdirigent Günther Herrmann, Leiter der Abteilung Infrastrukturmanagement im hessischen Verkehrsministerium, die Bedeutung des Straßen-Neubaus bei Münchhausen, Wetter und Lahntal hervorgehoben. Eingeladen hatte Klaus Gantner, Vorsitzender des Arbeitskreises der Wirtschaft für Kommunalfragen (AfK) und zugleich Mitglied des Verwaltungsrats der Firma Viessmann.

Er machte Günther Herrmann auch auf die lange Fahrt zu den Autobahnen aufmerksam. Mindestens 90 Minuten würden die Lastwagen benötigen. Doch nicht nur die Wirtschaft wolle die Umgehung, betonte Gantner. „Der Durchgangsverkehr belastet die Anwohner enorm.“

„Fast nichts mehr gebaut“

Die B252 durch Münchhausen, Wetter und Lahntal sei extrem belastet, sagte Gantner: bis zu 15000 Fahrzeuge rollten täglich durch die Orte. Seit Sommer ist das Planfeststellungsverfahren beendet. Rein theoretisch könnten schon im Frühjahr 2013 nächsten Jahres die Arbeiten an der 94 Millionen Euro Umgehung beginnen und zwar mit dem Bau der Brücken.

Dafür ist aber Voraussetzung, dass der Bund die Mittel bereitsteht. Immer mehr Geld würde in die Erhaltung der Straßen fließen, erklärte der Landesbeamte. „Es wird fast nichts mehr gebaut.“ Um den Baubeginn zu beschleunigen sei auch eine Vorfinanzierung durch das Land möglich, sagte Herrmann. „Das ist kompliziert, aber denkbar.“

Der NABU hat vergangene Woche seine Klage gegen die 17 Kilometer lange Trassenführung zurückgezogen.

Mit zwei Grundstücksbesitzern, die ebenfalls juristisch gegen den Bau vorgehen, solle noch diese Woche gesprochen werden, um eine Einigung erzielen, sagte Günther Herrmann. „Wir bemühen uns, unbürokratische Lösungen zu finden“, um einen Gang vor Gerichte zu vermeiden.

Das Land wird schon 2013 Ausgleichsmaßnahmen in Auftrag geben. Diese sind vorgeschrieben, weil der Bau der Umgehungsstraße einen erheblichen Eingriff in die Natur darstellt. Diese Maßnahmen muss das Land bezahlen – die Mittel stünden bereit, sagte Herrmann. Das Thema genieße auch bei Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) „erste Priorität“.

Auch im Investitionsrahmenplan sei das Bauvorhaben als „prioritäre Maßnahme“ aufgeführt. Herrmann ermutigte die Firmenvertreter, auch in Berlin initiativ zu werden. Klaus Gantner betonte, dass Bevölkerung, Wirtschaft, Landesregierung und NABU als Solidargemeinschaft ein „wichtiges Zeichen nach Berlin“ senden würden.

Eine Beteiligung der Wirtschaft am Bau lehnte er aber ab: „Wir sind ein nicht unerheblicher Steuerzahler“, sagte er. „Wir sehen den Bund in der Verpflichtung.“ Friedrich W. Jörn vom Eisenwerk Hasenclever sah dies ähnlich: „Das können wir gar nicht.“ Günther Herrmann konnte der Idee indes etwas abgewinnen: „Das liest jeder Bundestagsabgeordnete, der etwas mit Verkehr zu tun hat“, sagte er. „Das würde einschlagen wie eine Bombe.“

Sollte die Straße wirklich kommen, wäre dies das Ende eines langen Weges. „Die Planungen der Ortsumgehungen im Lahntal gehen bis auf das Jahr 1950 zurück“, sagte Gantner. In der Zwischenzeit wurden andere Verkehrsprojekte wieder verworfen: Zum Beispiel der Bau der Autobahn 100 von Bremen nach Gießen, der 1970 zu den Akten gelegt wurde. Auch der Lückenschluss der A4 zwischen Olpe und Hattenbach ist kein Thema mehr.

Schon jetzt habe die schlechte Verkehrsanbindung Konsequenzen, berichtete etwa Jürgen Binzer vom Hatzfelder Filtermedien-Hersteller Hollingsworth & Vose. Die amerikanische Konzernmutter hatte ursprünglich die Europa-Zentrale in Hatzfeld einrichten wollen, vor zwei Jahren aber in Bad Vilbel eine Zweigstelle eröffnet. 25 „gut bezahlte Arbeitsplätze“ wanderten vom Oberen Edertal nach Südhessen. Viessmann habe eine neue Energieberatungsgesellschaft in Frankfurt angesiedelt und nicht um Unternehmenssitz in Allendorf, nannte Klaus Gantner ein weiteres Beispiel. „Das sind schleichende Konsequenzen für die Region.“

von Mark Adel

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