Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Waffenhandel im Internet nimmt zu

Sicherheit: Fachkongress Waffenhandel im Internet nimmt zu

Waffen per Mausklick bestellen, aus Osteuropa per Paketdienst liefern lassen und in Deutschland umbauen, um sie weiter zu verkaufen: Das Internet lässt viel Spielraum für kriminelle Machenschaften.

Voriger Artikel
Inklusionsbetrieb „am Puls der Zeit“
Nächster Artikel
Betriebsrat fordert besseren Überblick bei Überstunden

Welche Bedrohungen bestehen in Deutschland und wie können Menschen und Gebäude  geschützt werden? Renommierte Referenten  verschiedenster Unternehmen und Institutionen  diskutierten diese Frage mit Teilnehmern der Fachtagung.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Die Statistiken bieten auf den ersten Blick keinen Grund zur Sorge. Das Bundeskriminalamt verzeichnet einen Rückgang an illegalen Waffen in Deutschland. Doch die rund hundert Teilnehmer des Kongresses „Marburger Sicherheitstag“, den am Donnerstag die Firma Sälzer gemeinsam mit Walter Ludwig, Direktion für Deutsche Vermögensberatung, ausrichtete, wissen, dass die Bedrohungslage in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat.

Seit dem Anschlag auf die Redaktion des Magazins Charlie Hebdo in Paris im Januar dieses Jahres habe er überlegt, wie man stärker das Thema aus fachlicher Sicht in den Fokus rücken könne, sagte Walther Sälzer, Inhaber der Marburger Firma, die seit mehr als 40 Jahren führend in der mechanischen Gebäudeabsicherung ist.

Sicherheitslage angespannter als vor 20, 30 Jahren

Die Firma Sälzer produziert durchschusssichere Fenster, Türen und Einfahrten unter anderem für Kunden aus Regierungen, Polizei und Justiz. „Menschenleben schützen, Werte erhalten“ lautete das Motto der Fachtagung, die Experten zu Wort kommen lässt. Es ging um Themen wie zum Beispiel Sicherungskonzepte für Industriegebäude und Privatpersonen.

Ex-Kanzleramtsminister und DVAG-Aufsichtsratschef Friedrich Bohl, er sprach bei der Tagung im DVAG-Kongresszentrum als „Hausherr“, berichtete, dass er als früherer Chef des Bundesnachrichtendienstes weiß, wie schwierig es für die Referenten sei, einerseits interessante und aktuelle Fakten sowie Beispiele zu nennen und andererseits ihre Verschwiegenheitspflicht einzuhalten.

Die Sicherheitslage sei heute angespannter als vor 20, 30 Jahren, so Bohl. Dass es bis heute zu keinem Terroranschlag in Deutschland gekommen sei, ist der akribischen Arbeit der Sicherheitsbehörden zu verdanken.

„Darknet“ ist ein Problem

Kriminaloberrat Christoph Becker (Bild rechts) vom Bundeskriminalamt berichtete, dass die Verstöße gegen das Waffenkontrollgesetz und Kriegswaffenkontrollgesetz 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 1,9 Prozent leicht zurückgegangen sind. Insgesamt gab es 31 327 Verstöße gegen das Waffengesetz in Deutschland, davon in 542 Fällen sogar im Bereich des Kriegswaffenkontrollgesetzes.

Bei zirka der Hälfte der Fälle der Straftaten unter Verwendung von Schusswaffen drohten die Täter nicht nur, sondern machten auch Gebrauch von der Waffe. Ein weiterer Großteil in diesen Fällen nutzte die illegal beschaffenen Waffen, um Menschen zu bedrohen – etwa bei einem Raubüberfall. Die Statistik sei in den vergangenen Jahren zwar leicht zurückgegangen, dennoch geht das BKA von einer größeren Dunkelziffer aus.

Online-Handel mit Waffen blüht

Das große Problem sei das sogenannte „Darknet“ – das dunkle Internet. Dort können sich Menschen anonym all das erwerben, „was das kriminelle Herz begehrt“, so Becker. Die IP-Adresse wird verschleiert, es werden verschiedene Server genutzt, sodass die Spuren im Internet verwischt werden.

So blüht der Online-Handel mit Waffen aus Ländern in Osteuropa, die im Internet bestellt und per Paketdienst nach Deutschland geliefert werden. Es gebe Täter, die sich die Waffe an die Wand hängen, aber auch solche, die Salutwaffen oder andere Waffen umbauen und weiterverkaufen. Sie werden dann europaweit mitunter für schwerste Straftaten, also auch zur Tötung von Menschen, eingesetzt.

Becker fordert einheitliche Gesetzgebung

Durch das 2013 eingeführte Nationale Waffen-Register habe man nunmehr zumindest einen guten Überblick über den legalen Schusswaffenbestand in Deutschland, so ­Becker. 550 lokale Behörden liefern ihre Daten für dieses Register, erklärt der BKA-Experte. Grundsätzlich fordert er eine einheitliche europäische Waffengesetzgebung.

Denn solange es in einigen europäischen Ländern rechtlich einfacher sei, an Waffen zu gelangen, sei es sehr schwierig für die nationalen Ermittler, Drahtzieher und Täter ausfindig zu machen.

von Anna Ntemiris

Gebäude und Menschen wirksam schützen

Sprengstoff, gezündet in Autos oder Lastern, in Menschenmengen, vor Hotels und Regierungsgebäuden, Schulen oder Kirchen: Bilder davon gehen regelmäßig um die Welt. Auf dem Marburger ­Sicherheitstag verdeutlichte­ ­Simon Trundle (Foto: Klein), Geschäftsführer der britischen ­Sicherheits-Firma Grendon ­
Design Agency, mithilfe von ­Beispielen terroristischer Angriffe aus der Vergangenheit über die wirkungsvollsten Methoden, um Attentäter erst gar nicht in die Nähe des Gebäudes gelangen zu lassen.

„Das Ziel ist es, die Detonation einer Autobombe so weit wie möglich vor dem Gebäude zu stoppen, jeder Zentimeter verringert den Druck und schützt so Gebäude und Menschen“, erklärte Trundle. Poller, Schranken oder Gräben vor Gebäuden sind nur dann effizient, wenn sie richtig angelegt sind. Oft seien Gebäude aber nicht abzuriegeln oder ein Auto schaffe es trotz Sicherheitsvorkehrungen in die Nähe. Trundle berät Unternehmen, wie Fassaden und Fensterscheiben vor Detonationen geschützt werden können. Die gute Nachricht: Deutschland habe einen der höchsten Standards weltweit in Sachen robuster Gebäudestruktur. Aber: Terroristen kennen und nutzen oft die Schwächen im System, warnt Trundle.

Auch wenn Barrieren wie Schranken vor Gebäuden vorhanden sind, könne unaufmerksames oder ungeschultes Sicherheitspersonal außer Gefecht gesetzt werden und so das Gebäude ungeschützt lassen. Trundle hat viele Länder in Europa, Nahost und Afrika bei der Gebäudeabsicherung gegen Terrorangriffe unterstützt und ist ein gefragter Experte beim Bau von Stadien wie etwa die Fußballarenen in Katar oder bei den Sportanlagen für die Olympischen Spiele in London.

von Lisa-Martina Klein

 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr