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„Vorgaben drosseln Leistungskraft“

Bilanz „Vorgaben drosseln Leistungskraft“

Die Raiffeisenbank eG ist die letzte selbstständige Genossenschaftsbank im Altkreis Marburg. Und dabei ist sie äußerst erfolgreich, wie die Bilanz des vergangenen Jahres zeigt.

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Der neue Raiffeisenbank-Vorstand: Reiner Röder (von links), Friedhelm Kemper, Bernhard Peil, Norbert Kempf, Ludwig Rein, Harald Emmerich und Walter Horn.

Quelle: Martina Becker

Fronhausen. „Ihrer Raiffeisenbank geht es gut!“ - mit diesem Satz stieg Vorstand Harald Emmerich in die Vorstellung der Geschäftszahlen für das Jahr 2013 bei der Generalversammlung in Fronhausen ein. Das Zahlenwerk der Bank stand nahezu komplett auf Wachstum. Kreditgeschäft, Bilanzsumme, Mitgliederzahl und Sponsoring wuchsen. Deutlich war der Zuwachs im Kreditgeschäft. So stieg beispielsweise das betreute Kundenkreditvolumen um 6,9 Prozent auf 206 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt wurden 680 neue Kredite mit einem Volumen von 43 Millionen Euro vergeben.

Die Bilanzsumme verzeichnete ein Plus von 3,4 Prozent auf 191 Millionen Euro. Vorstandssprecher Friedhelm Kemper sagte: „Unser konservatives, nachhaltiges Geschäftsmodell hat sich bewährt.“ Er betonte, dass die Genossenschaftsbanken die einzige Bankengruppe sei, die ohne staatliche Kredite auskäme. Zu dem guten Ergebnis hätten „ein stabiler Arbeitsmarkt, niedrige Zinsen und ein positiver Konsum mit hoher Nachfrage aus dem Ausland“ beigetragen. Zuversichtlich war der Vorstand auch für das laufende Jahr. Konjunktureinbußen befürchtet Kemper durch den wirtschaftspolitischen Kurs der neuen Bundesregierung oder geopolitische Risiken. Kritisch sah er etwa das Senken des Renteneintrittsalters. Unter dem Titel „Was uns sonst noch bewegt“, kritisierte der Vorstandssprecher die „enormen“ regulatorischen Vorgaben. „Das drosselt unsere Leistungskraft, bindet Zeit und Kosten.“

Eine Negativerscheinung der niedrigen Zinsen ist das Sinken der Sparquote. Sie ist auch bei der Genossenschaftsbank abwärts gerichtet. „Das Ersparte schmilzt“, sagte Kemper. Zur Erhaltung des Vermögens halte die Bank neue Anlagekonzepte parat, die mit dem richtigen Mix vor Vermögensverlust schützen sollen. Mit „Regionalität, Verpflichtung gegenüber den Mitgliedern, Transparenz und Vertrauen“ wolle man punkten.

Umzug in Neubau noch dieses Jahr geplant

„Nähe schafft Vertrauen“, unter dieser Prämisse steht auch das im Bau befindliche „RaiffeisenWerteHaus“ in Roth. Es soll im vierten Quartal 2014 bezugsbereit sein. Durch kurze Wege und schnelle Prozesse wolle man hier weiter bei den Firmen- und Privatkunden punkten, zudem erhoffe man sich einen Ausbau der Marktanteile im Südkreis, so Kemper.

Zum Geschäftsmodell gehört überdies ein ordentliches Maß an gesellschaftlicher Verantwortung in der Region. An Spenden und Sponsoring für Vereine und Institutionen flossen rund 30 000 Euro in 38 Maßnahmen. Die größte Einzelspende von 10000 Euro ging an den Förderverein Blaulichtfreunde Bellnhausen e.V. Mit diesem zweckgebundenen Betrag wurde für die Wehren von Fronhausen und Bellnhausen jeweils eine Wärmebildkamera angeschafft. Diese wurde bei der Generalversammlung übergeben.

Der Bilanzgewinn beläuft sich unter Berücksichtigung des Gewinnvortrages aus dem Vorjahr auf 299000 Euro. Im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat schlug der Vorstand die Ausschüttung einer Dividende von sechs Prozent vor. Das entspricht einer Summe von rund 160000 Euro. 4183 Mitglieder werden davon profitieren.

Verabschiedung von „Urgestein“ Ludwig Rein

Die Geschicke der Bank über Jahrzehnte mitgestaltet, hatte Ludwig Rein. 1982 wurde er Mitglied des Aufsichtsrates. Seit 2002 war er in Funktion des Vorsitzenden dessen „Gesicht“. Bei der Versammlung hielt er seine letzte Rede vor den Mitgliedern. Entsprechend der Satzung schied er nach 31 Jahren aus dem Ehrenamt aus. Ein letztes Mal warb er in seiner Begrüßungsansprache für die Idee des deutschen Genossenschaftswesens. Vor Jahren noch als Auslaufmodell bezeichnet, habe sich die öffentliche Meinung gewandelt - und das „bis auf höchste politische Ebenen“. „Fortschrittlich und verlässlich“ seien die heute genutzten Adjektive für Genossenschaftsbanken, so Rein. Für „engagiertes Wirken und Mitgestalten“ dankte Aufsichtsratskollege Walter Horn im Namen des Gremiums dem Ausscheidenden. Von dem „genossenschaftlichen Urgestein“ nahm auch Norbert Kempf, Abteilungsleiter des Genossenschaftsverbandes, Abschied. Er überreichte als Auszeichnung die Ehrenmedaille in Silber des Verbandes. „Sie standen über Jahrzehnte als moralische Autorität“, dankte Kempf.

n Wahlen: Zur Wiederwahl standen die Aufsichtsräte Bernhard Peil und Walter Horn. Sie wurden einstimmig wiedergewählt. Als Nachrücker für Ludwig Rein schlug der Aufsichtsrat Reiner Röder vor. Der Dreihäuser wurde von der Versammlung ins Ehrenamt berufen. Im Anschluss an die Generalversammlung wählte der Aufsichtsrat Walter Horn (Fronhausen) zum neuen Vorsitzenden und Walter Lemmer (Roth) zu seinem Stellvertreter.

von Martina Becker

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