Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Von der Schulbank auf den Chefsessel

Planspiel Von der Schulbank auf den Chefsessel

Firmenentwicklung und Marketingkonzepte: Auszubildende der Sparkasse und Schüler der Blista lösten beim Wirtschaftsplanspiel anspruchsvolle Aufgaben – bis hin zur Bilanz-Pressekonferenz.

Voriger Artikel
Neu-Models schlendern über Laufsteg
Nächster Artikel
„Morgen wird alles besser“

Die Teilnehmer des „Wiwag“-Planspiels präsentierten die Bilanzen ihrer fiktiven Firmen bei einer Pressekonferenz.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Eine Woche lang schnupperten 29 Auszubildende der Sparkasse Marburg-Biedenkopf und 13 Schüler der Carl-Strehl-Schule Unternehmensluft beim „Wiwag“-Planspiel. „Wiwag“ steht für Wirtschaftswochen AG und umschreibt eine anspruchsvolle Simulationssoftware, die den jungen Leuten betriebs- und volkswirtschaftliche Grundlagen durch die selbstständige Führung eines mittelständischen Produktionsbetriebs vermittelt.
Doch bevor die Teilnehmer loslegen konnten, stand zunächst ein wenig Grundlagenarbeit an: Die jungen Leute legten unter Betreuung ihrer Lehrer Petra Dürrschmidt und Christian Hinrichs zunächst ein Produkt fest, das sie mit ihren fiktiven Firmen herstellen wollten. Sie einigten sich auf einen Elektro-Schocker – dann gründeten sie fünf fiktive Firmen sowie eine Pressegruppe.

Das Szenario: Die neuen Firmeninhaber übernehmen ein Unternehmen in dessen zehnten Geschäftsjahr. Dann legen sie eine Unternehmensphilosophie fest – etwa, mit welchen Marketing-Kampagnen sie ihren Elektro-Schocker besser bekannt machen wollen. Außerdem flossen auch reale Wirtschaftsfaktoren, wie etwa die Wirtschaftskrise, in die Management-Simulation ein. Jeder Spiel-Tag entsprach dabei einem Geschäftsjahr, sodass die fünf Unternehmen am Freitag bei einer Bilanz-Pressekonferenz ihren „Anlegern“ die Wirtschaftszahlen präsentieren konnten.

Planspiel als „gelebte Inklusion“

Andreas Bartsch, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, sagte: „Das sieht ja schon wie bei einer echten Aktionärsversammlung aus. Es fehlen nur noch die Curry- oder Bockwürstchen“, scherzte er. Für die Azubis der Sparkasse biete das Planspiel Wiwag „die Möglichkeit, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die körperliche Einschränkungen haben, das ist eine gute Erfahrung“. Auch für die Schüler der Blista eröffne das Planspiel die Möglichkeit, hinter die Kulissen der Bank zu schauen, „das ist eine ganz gute gegenseitige Befruchtung“, so Bartsch.

Ein Unternehmen zu führen sei keine einfache Geschichte. Auch wenn es der Wirtschaft derzeit gut gehe, gebe es genügend Unternehmer, die scheiterten. „Das Gute an dem Planspiel ist, dass sich unsere Azubis mal auf den Stuhl unserer Kunden setzen“, so Bartsch.

Dr. Imke Troltenier, stellvertretende Direktorin der Blista, lobte das Planspiel als „elf Jahre gelebte Inklusion, das hat für die Blista natürlich einen ganz besonders hohen Stellenwert“. Es sei wichtig für die Schüler Erfahrungen im Übergang zum Beruf sammeln zu können.

Im Anschluss stellten die Firmenverantwortlichen ihre Bilanzen vor – und die fielen trotz gleicher äußerer Rahmenbedingungen recht unterschiedlich aus. So hatte sich die „Secure Impulse AG“ zum Ziel gesetzt, einen äußerst zuverlässigen und dennoch günstigen Elektro-Schocker herzustellen. Für „Hot Shock“ war indes klar: Man wolle auf Qualität statt Quantität zu einem günstigen Preis setzen, um Sicherheit letztendlich für alle bezahlbar zu machen.

„Laser Taser SC“ setzte ebenfalls auf niedrige Preise – und verdeutlichte den Aktionären, dass man bewusst in den ersten Jahren Verluste gemacht habe, da man eine langfristige Strategie verfolge – Gewinne seien nachrangig. Die Firma „Secu Tech“ machte sich den Smartphone-Boom zunutze und setzte auf einen Elektro-Schocker als Smartphone-Hülle. Für ihren „iShock“ hatten sie sogar ein Werbe-Video produziert.

Doch gegen die „E-Flash AG“ konnten sich die Firmen nicht durchsetzen: Dank eines Exklusivvertrags mit einer Fernsehserie und eines ausgefeilten Online-Vertriebs konnte das Unternehmen die Marktführerschaft und den höchsten Gewinn einfahren und somit das Planspiel für sich entscheiden.

von Andreas Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr