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Von Quotshausen ins Weltall

Firma Schneider exportiert Riesen-Optikmaschine Von Quotshausen ins Weltall

Das Unternehmen Schneider hat die größte Maschine in seiner Firmengeschichte hergestellt. 
Damit können Linsen mit einem Durchmesser von bis 1500 Millimetern angefertigt werden.

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Gunter Schneider (links) präsentierte mit den Entwicklern seines Unternehmens die große Optikmaschine.

Quelle: Nadine Weigel

Quotshausen. Wenn Anfang März die größte Maschine in der Firmengeschichte von Schneider das Werk in Quotshausen verlässt, wird die Polizei den Transport begleiten. Sechs Wochen soll die Reise vom Hinterland ins ferne koreanische Cheongju dauern. Dort wartet die Firma Green Optics auf die über zwei Jahre entwickelte Spezialmaschine aus dem Hinterland.

Mit einem Gewicht von 65 Tonnen, einer Länge von 3,4 Metern, einer Breite von 4,7 Metern und einer Höhe von 2,8 Metern ist die Maschine „SCG 1500“ ein Hightech-Bearbeitungszentrum für anspruchsvolle Optiken mit höchsten 
Genauigkeiten.

Das Bearbeitungszentrum dient der Herstellung von axi­alen (rotationssymmetrischen) und außer-axialen (nicht-rotationssymmetrischen) Asphären und Sphären, Teleskop­spiegeln, Freiform-Linsen sowie zylindrischen Linsen. Die Fertigung einer Linse mit einem Durchmesser von bis zu 1500 Millimetern erfolgt nonstop in 80 Stunden bei einem Materialabtrag von 40 Kilo.

In diesen 80 Stunden darf es keine Temperaturschwankungen geben, jede Veränderung wird sofort mittels umfangreicher Sensorik und Computertechnologie analysiert und durch ein komplexes Kühlsystem stabilisiert. „Bisher hat Schneider keine Maschine in dieser Superlative gebaut“, sagt Firmeninhaber und Geschäftsführer Gunter Schneider. Mit dem Bau dieser Maschine betritt Schneider das exklusive Segment zur Fertigung extremer Makrooptiken.

In Fronhausen war 
Bau nicht möglich

„Dies ist eine auf die Zukunft ausgerichtete strategische Erweiterung unseres Maschinen­portfolios in der Präzisionsoptik. Wir versuchen kontinuierlich, die Bedürfnisse des Marktes zu antizipieren, und leiten daraus zukünftige Entwicklungen ab“, erläutert der Familienunternehmer.

2,5 Millionen Euro habe die Maschine gekostet. Schneider arbeitet seit drei Jahren mit der Firma Green Optics zusammen, hat bereits 14 Maschinen in Korea installiert. Green Optics ist auf die Herstellung von großen zylindrischen Linsen, Prismen und Spiegeln für die Raumfahrtindustrie spezialisiert. Das koreanische Unternehmen will mit der Maschine aus Quotshausen Teleskopsysteme für den asiatischen Raum entwickeln. Außerdem können damit Zylinder­linsen für die neue gebogene Bildschirmtechnik (Organic-
Light-Emmiting-Diode) angefertigt werden.

Aufgrund der einzigartigen Fähigkeiten zur Herstellung von Freiform-Linsen eigne sich die SCG 1500 ebenfalls zur Herstellung eines derzeit in der Entwicklung befindlichen europäischen Teleskops (E-ELT), das mit einem Hauptspiegel mit 39 Metern Durchmesser ausgestattet ist, der aus 798 sechseckigen Spiegelelementen zusammengesetzt wird.

Im Lauf der zweijährigen Entwicklungszeit wurde Schneider immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. „Alle verwendeten Komponenten mussten neu entwickelt werden“, betont der Konstruktionsleiter Dr. Klaus Hofmann. Ursprünglich sollte die Maschine am Hauptstandort in Fronhausen gebaut werden, doch dort besitze der Boden nicht die notwendige Traglast. In Quotshausen sei diese hoch genug, um dem enormen Gewicht standzuhalten.

Sechswöchige Schiffsreise steht bevor

Die Maschine steht auf vier Füßen, die luftgefedert sind. „So können wir Bodenschwingungen, die durch vorbeifahrende Lastwagen oder Züge verursacht werden, entkoppeln“, erklärt Schneider. Optik-Ingenieure der koreanischen Firma haben bereits mehrere Tests in Quotshausen durchgeführt, berichtet Dalibor Mikulic, technischer Leiter der Präzisionsoptik, der die technische Abnahme mit Green Optics abgeschlossen hat.

Nun steht noch der Export an: Mit Teilsperrungen durch verschiedene Bundesländer geht es an den Hafen nach Hamburg. Per Schiff passiert die Maschine 
danach die Nordsee und den 
 Ärmelkanal und fährt durch den nordatlantischen Ozean sowie die Straße von Gibraltar in das Mittelmeer. Danach passiert die Schneider-Maschine den Suezkanal und das Rote Meer, fährt durch die Krisengebiete schließlich weiter nach Ostasien in die koreanische Stadt Pusan. Dann geht es auch dort mit einem Sondertransport nach Cheongju auf dem Landweg weiter.

„Problematisch ist unter anderem die limitierte Tragfähigkeit verschiedener Brücken“, sagt Schneider. Wenn die Maschine es von der Brückenstraße 
in Quotshausen über die koreanischen Brücken unbeschadet geschafft hat und die Kunden zufrieden sind, hofft er auf weitere Kundschaft. „Wir haben bereits jetzt viele potenzielle Interessenten eingeladen, sich die Maschine hier anzuschauen. Das neue Produkt erhält in der internationalen Fachwelt viel Beachtung. Wir hoffen, dass die Maschine viele Anwender überzeugen kann und damit einen Beitrag zu unserem Wachstum darstellt“, sagt Schneider.

von Anna Ntemiris

Der Transport-Weg von Quotshausen nach Cheonju ist lang und führt durch Krisengegenden. Illustration: Firma Schneider
 
Hintergrund
Das Bearbeitungszentrum der Maschine ist in der Lage, die verschiedenen Bearbeitungsaggregate für die einzelnen Schritte der Prozesskette vollautomatisch zu wechseln. Dabei werden alle Versorgungssysteme (Elektrik, Hydraulik, Kühlschmierstoff, Pneumatik und Sensorik) aktiv gekoppelt. Dadurch ist eine hochgenaue Linsenbearbeitung möglich. Eines der einwechselbaren Aggregate ist ein Messkopf, mit dem die aufgespannte Linse innerhalb der Maschine vermessen und anschließend eine optimierte Nachbearbeitung durchgeführt werden kann.
 
Die Firma
Die inhabergeführte Schneider GmbH & Co. KG mit Sitz in Fronhausen ist eines der führenden Unternehmen in der Entwicklung und Herstellung von Maschinen für die Brillen- und Präzisionsoptik. Die Gruppe hat einen Exportanteil von 95 Prozent im außereuropäischen Ausland. Weltweit beschäftigt Schneider rund 430 Mitarbeiter, davon 363 in Deutschland. Schneider hat kürzlich die W&L Coating Systems GmbH aus Reichelsheim übernommen und hat nun 13 Tochtergesellschaften.
 
 
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