Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Regen

Navigation:
Vom Zeichenbrett in die dritte Dimension

Berufsfelder im Wandel Vom Zeichenbrett in die dritte Dimension

Lerninhalte müssen stetig an die rasante technische Entwicklung angepasst werden – so auch beim Beruf des technischen Zeichners, der umfangreich modernisiert wurde.

Voriger Artikel
Glamour und Lifestyle auf dem Laufsteg
Nächster Artikel
„Neuorientierung ist kein Scheitern“

Hans-Jürgen Schneider (hinten) und Auszubildender Sam Arnavaz, der sich als einer der Ersten in dem jungen Beruf des technischen Systemplaners ausbilden lässt.

Quelle: Ina Tannert

Stadtallendorf. Insbesondere die Technik-Branche hat sich stetig an die neuen Anforderungen und den Vormarsch der technologischen Entwicklung anzupassen, einschließlich der Ausbildung des Nachwuchses.

Regelmäßig muss das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) die Ausbildungsordnungen an die moderne Entwicklung anpassen. Ein Beispiel hierbei ist der Konstruktionsbereich, dessen Berufsausbildung zuletzt im August 2011 modernisiert wurde. Der traditionelle wie überholte Beruf des technischen Zeichners musste den neuen und weiter wachsenden Kompetenzanforderungen weichen.

Aus der umfassenden Neustrukturierung wurden die beiden Ausbildungsberufe technischer Systemplaner und technischer Produktdesigner. Letzterer besteht bereits seit zehn Jahren, die Inhalte wurden jedoch ebenfalls angepasst. „Der technische Zeichner war nicht mehr zeitgemäß, es gab zu viele Sparten und Schwerpunkte“, erklärt Hans-Jürgen Schneider von „Elektroplan Schneider“ aus Stadtallendorf. Das Ingenieurbüro für Elektrotechnik, Sicherheitsplanung und technische Ausrüstung bildete 30 Jahre lang technische Zeichner aus – und jetzt technische Systemplaner.

Windows statt Winkelmaß

„Eine Spaltung der Berufe war nötig, alleine durch den umfangreichen Elektrobereich“, so der Firmenchef. Wurden früher noch einfach nur Leitungen verlegt, werde ein Gebäude heute viel eher um die Elektroinstallation herum gebaut. Technische Arbeitsfelder wie berufliche Inhalte sind heute um ein Vielfaches umfangreicher, Gleiches gilt für Arbeitsmittel.

Den früheren Platz von Zeichentisch, Lineal und Winkelmaß hat heute längst der Computer und eine meist dreidimensionale CAD-Technik eingenommen. „Das manuelle normgerechte Zeichnen am Zeichenbrett ist nun endgültig obsolet“, heißt es auch im Handbuch zur Ausbildungsordnung des BIBB.

Entsprechend haben sich die Lehrinhalte stark gewandelt. Anforderungen aus der Holz-, Maschinen- und Anlagentechnik, Heizungs-, Sanitär- und Klimatechnik, des Stahl- und Metallbaus sowie der Elektrotechnik wurden auf zwei getrennte Berufe verteilt. Zur weiteren Spezialisierung unterscheidet man in beiden Sparten verschiedene Fachrichtungen.

Nach einem Ausbildungsjahr beginnt die Spezialisierung

Für den technischen Produktdesigner wären dies Produktgestaltung und -konstruktion sowie Maschinen- und Anlagenkonstruktion. Der technische Systemplaner beinhaltet die Fachrichtungen Versorgungs- und Ausrüstungstechnik, Stahl- und Metallbautechnik sowie elektrotechnische Systeme.

Heute bestehen nur noch in den ersten zwölf Monaten gemeinsame, grundlegende Ausbildungsinhalte, bevor sich beide Berufsfelder fachspezifisch voneinander lösen. An der Neuordnung der Berufsausbildung wirkte Schneider als Bundessachverständiger selber mit.

„Früher wurde in der Schule noch gebohrt, geschliffen und mit Metall gearbeitet – das war zu nichts mehr gut“, sagt Schneider. Technische Systemplaner begleiten indes ein Bauprojekt von der Planung bis zum Ende der Bauzeit. Nach fachspezifischen Berechnungen planen sie Montageschritte, Konstruktionen und technische Einrichtungen eines Gebäudes, sind an den Arbeitsvorgängen umfangreich beteiligt. Den Hauptteil der dreieinhalbjährigen Ausbildung verbringen die Lehrlinge im Betrieb.

„Der Lehrling muss zeigen, was er alles kann“

Am Computer entwickeln sie die verschiedensten elektronischen Pläne, „als technischer Systemplaner macht man alles, vom Keller bis zum Dach, vom kleinen Haus bis zur Industrieanlage“. Besonders wichtig war dem Chef die Neugestaltung der Prüfungen innerhalb der Ausbildung. Diese gestalte sich heute deutlich individueller als früher.

Anstelle einfach ein Blatt mit vorgefertigten Aufgaben oder Zeichnungen per Griffel zu bearbeiten, müssen die Lehrlinge fachlich in der Lage sein, ein gesamtes Gebäude zu planen. Die Azubis sollen zum selbstständigen Planen, Durchführen von praxisnahen Aufgaben und eigenen Lösungsansätzen motiviert werden. „Der Lehrling muss zeigen, was er alles kann“, sagt Schneider. Handlungsfähigkeit ist dabei das Schlüsselwort.

„Elektrotechnik ist die Zukunft“, betont Schneider, der schon jetzt gewisse Aufgabengebiete durch weitere, eigenständige Fachbereiche abdecken würde. Insbesondere befürwortet er einen eigenen Berufszweig für den stark wachsenden Bereich der Sicherheitstechnik, anstelle einer bisherigen Weiterqualifizierung. „Wir brauchen den Sicherheitstechniker als Ausbildungsberuf, der Markt schreit danach.“ Das Thema will Schneider weiter vorantreiben und hofft auf eine baldige Umsetzung.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr