Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Regen

Navigation:
„Voice“-Projekt wird um zwei Säulen erweitert

Landkreis und Arbeitsagentur informieren Arbeitgeber „Voice“-Projekt wird um zwei Säulen erweitert

Wie kann es gelingen, Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren? Auch mit dem Projekt „Voice“ – darüber informierten Landkreis und 
 Arbeitsagentur bei einer Arbeitsmarktkonferenz in Stadtallendorf.

Voriger Artikel
Das Wohl der Patienten ist der Antrieb
Nächster Artikel
Sterne als Symbol der Qualität

Flüchtlinge arbeiten in einer Lernwerkstatt in Bayern – Arbeitsgelegenheiten sind aber auch ein Schwerpunkt des heimischen Projekts „Voice“.

Quelle: Sven Hoppe

Stadtallendorf. „Voice“ als gemeinsames Projekt von Arbeitsagentur und Landkreis verknüpft bei seinem Integrationsansatz die Idee, dass sich Flüchtlinge durch Arbeitsgelegenheiten und Betriebsbesichtigungen auf dem Arbeitsmarkt orientieren.

Zugleich kommt der Sprachförderung eine große Rolle zu. Und zudem sollen die Flüchtlinge auch die kulturelle Vielfalt des Landkreises kennenlernen – „wir wollen Arbeitsmarktintegration nicht losgelöst als eine ökonomische Facette sehen“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU).

Vielmehr wisse man, dass die Integration nur funktioniere, wenn sie „verzahnt ist mit dem Spracherwerb und auch mit dem Hineinwachsen in unsere Gesellschaft, mit Begegnungen, mit Erfahrungen und dem kulturellen Lernen“, verdeutlicht er vor den Unternehmern aus dem Ostkreis.

Zachow: Dafür sorgen, dass Flüchtlinge die Region stärken

Ziel sei es, den Zugang in den Arbeits- und auch in den Ausbildungsmarkt zu beschleunigen. Dazu wurde beispielsweise das Arbeitsmarktbüro für Flüchtlinge geschaffen – mit der Idee, dass die Flüchtlinge immer denselben Ansprechpartner haben – egal, ob sie gerade in die Zuständigkeit des Kreisjobcenters oder der Arbeitsagentur fallen.

Alle Bemühungen geschähen auch vor dem Hintergrund, „weil wir dafür sorgen wollen, dass die Menschen mit ihrem Potenzial auch unseren Arbeitsmarkt bereichern und die Region dadurch stärken“, so Zachow.

Wichtigster Punkt für den Zugang zum Arbeitsmarkt seien dabei Sprachkurse. Daher finanziert die Agentur für Arbeit derzeit Sprachkurse in der gesamten Region, die ersten Kurse mit rund 250 Teilnehmern seien bereits angelaufen, erläuterte Zachow auf Anfrage der OP. Er gehe davon aus, dass bis zum Jahresende weitere Kurse beginnen würden, um noch mehr Flüchtlingen die Gelegenheit für den Spracherwerb zu ermöglichen.

Sprache in der Begegnung mit Kollegen erlernen

Den üblichen Ablauf ohne 
„Voice“ beschreibt der Beigeordnete so: „Man wartet erst einmal sprachkurslos auf den Ausgang des Asylverfahrens, dann kommt der Integrationskurs, und dann beginnt man so langsam mit der Arbeitsmarktintegration.“

Doch dieses Nacheinander sei der Integration nicht förderlich, außerdem „kann man die Sprache besonders gut dort lernen, wo man im Alltag spricht: In der Begegnung mit Kollegen“. Also habe man das Angebot „Integral
Voice“ geschaffen: Die Flüchtlinge bekommen bei Integral eine Arbeitsgelegenheit, die mit einem Sprachkurs verbunden wird. Die Erfahrungen mit den ersten 30 Flüchtlingen in diesem Projekt seien sehr positiv.

Gerhard Wenz, Bereichsleiter bei der Agentur für Arbeit Marburg, ging auf die rechtlichen Hintergründe ein. Interessant sei für Arbeitgeber auch die „Einstiegsqualifizierung, um Talente zu sichten, die sich für eine Berufsausbildung eignen“.

Kurs dauert bis zu 14 Wochen

Innerhalb von sechs bis zwölf Monaten biete die Qualifizierung die Gelegenheit, Fähigkeiten und Fertigkeiten des Flüchtlings im täglichen Arbeitsprozess zu erproben. Dafür sei eine finanzielle Förderung durch Arbeitsagentur oder Kreisjobcenter möglich.

Wenz erläuterte, dass das Projekt „Voice“ noch weiter ausgebaut werden soll. So sollen beim Modul „Voice Competence“ die „Eignung und Kompetenzen von Asylbewerbern systematischer analysiert werden“, so Wenz.

Gemeinsam mit einem Bildungsträger sollen pro Jahr 500 bis 600 Personen getestet werden – zwei Wochen lang geht es um die Biografie, bis zu zwölf Wochen lang sollen Kenntnisse und Fähigkeiten erprobt werden.

„Voice Academy“ soll 
auch Alltagshilfen bieten

„Das soll nicht nur im Büro oder Schulraum stattfinden“, erläutert Wenz. Vielmehr gehe man mit den Teilnehmern in Kleingruppen auch in Ausbildungswerkstätten, „um auszutesten, was die Menschen können“. Danach, so ist sich Wenz sicher, könne man den Arbeitgebern Bewerber vermitteln.

Laut Marian Zachow soll jedoch noch eine weitere Säule zu „Voice“ hinzukommen: Und zwar die „Voice Academy“. Diese soll sich auf die Erfahrungen des Kreisjobcenters mit der „Jobakademie“ stützen: „Wie könnte man die dort gewonnenen Erfahrungen mit Bewerbungsschulung und Bewerbungsinformationen auf die spezielle Zielgruppe Flüchtlinge übertragen – das ist das Ziel“, erläutert Zachow.

Verbunden werden soll die „Academy“ mit Alltagsaspekten – etwa ein Training in der Wohnungssuche. Das Projekt werde in Kürze ausgeschrieben. Die Perspektive sei, „dass alle den Sprachkurs absolvieren, dann kommt die Kompetenzfeststellung – und dann wird das Angebot individuell aufgefächert“, so Zachow. Einige würden direkt in die Akademie einmünden, andere zunächst eine Einstiegsqualifizierung erhalten – um dann letztendlich in den Arbeitsmarkt einzumünden oder auch, um zu studieren.

von Andreas Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr