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Vince Ebert: „Schrammen sind sexy“

Volksbank Mittelhessen Vince Ebert: „Schrammen sind sexy“

Die Voraussetzung für echte Freude ist das Misslingen, meint Vince Ebert im Ernst. Nicht ernst gemeint waren seine Gags. Und die kamen bei der Mitgliederversammlung der Volksbank an.

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Vince Ebert trat am Montagabend vor fast 1500 Menschen bei der Mitgliederversammlung der Volksbank Mittelhessen in Marburg auf.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Allen, die Vince Ebert nicht aus dem Fernsehen – wie zum Beispiel aus der ARD-Sendung „Wissen vor acht“ – kennen, stellt er sich vor: „Ich bin nach Oskar Lafontaine und Angela Merkel der dritte deutsche Physiker, der im Bereich Kabarett sein Geld verdient.“ Bereits vom ersten Moment an hat der Kabarettist die Zuhörer auf seiner Seite. 1450 Menschen sind als Mitglied oder Ehrengast der Volksbank Mittelhessen in die Sporthalle im Gaßmann-Stadion gekommen, um zu hören, „Warum die Welt nicht berechenbar ist“.

Vince Ebert bringt viele humorvolle und skurrile Beispiele aus den Naturwissenschaften, um einen Bezug in den Alltag der Menschen herzustellen. Er spricht von Flusskrebsen, die ihren eigenen Nachwuchs fressen, von Tintenfischen, die zu Tuntenfischen werden, ihre Farben wechseln – „in Deutschland nennt man das Karneval“ – und von Tintenfischen, die ihre Spermien auf einem abgetrennten Arm abtrennen. „Das ist perfekt, wenn die Paarungszeit mit der Bundesliga zusammenfällt.“

Der Kabarettist Vince Ebert sprach am Montagabend in Marburg vor 1.450 Kunden der Volksbank Mittelhessen bei deren Mitgliederversammlung über Physik, Neuromarketing und die Chaos-Theorie.

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Je derber die Sprüche, desto lauter das Gelächter. Worauf er nicht eingeht, ist die Finanzwelt. Auch Politiker und andere Personen des öffentlichen Lebens zieht er nicht durch den Kakao – oder nur ganz wenig. Die zunehmende Digitalisierung dringe immer mehr in die Privatsphäre ein, bemerkt er und berichtet von amerikanischen Supermarktriesen, die anhand der Einkäufe ihrer Kundinnen noch vor diesen erkennen, ob sie schwanger seien. „Ich kaufe Weizenkorn, Zahnseide und die Zeitschrift Emma“, damit ich Rewe verwirre“, sagt er.

Daten legen sich nicht von selbst aus, so seine These. Er zitiert die „berühmte Philosophin Lady Gaga“, die bekannt habe, bereits in ihrer Kindheit an ihrer Musik-Karriere gearbeitet zu haben. Mut, Risikobereitschaft, Fleiß seien die Zutaten für den Erfolg, denke man. „Ein klassischer Statistikfehler. Denn wie viele sind trotzdem gescheitert?“, fragt der Physiker.

„Erfolglose Menschen schreiben keine Bücher“, wird er lauter und erzielt den Applaus. Vince Ebert gestikuliert mit seinen großen Händen, die seine Gags dirigieren. Er legt Sprechpausen ein, verhaspelt sich nicht. Nur einmal muss er schlucken, während er die Wasserflasche öffnet, verspricht er: „Das wird eine große Pointe“, und schon lacht das Publikum in seiner Trinkpause. Pläne sind extrem wichtig, aber sie sind nicht der Schlüssel zum Erfolg, so seine durchaus ernst gemeinte These. Wer den Kühlschrank öffne, um nachzuschauen, wie viel Bier sich dort befinde, betreibe eine Vorform von Wissenschaft.

„Lassen Sie den Freak aus sich raus“

„Wenn ich sage, da ist Bier drin, ohne ihn zu öffnen, ist das Theologie. Wenn ich nachschaue, kein Bier finde und sage, da ist Bier drin, bin ich Esoteriker.“ Und wenn der Kühlschrank abgeschlossen ist? Ebert wird bewusst kompliziert, um die Erkenntnis „Wir irren uns nach oben“ zu beweisen. Jede Theorie sei so lange richtig, bis eine bessere komme. Die effizientesten Spezies auf unserem Planeten seien Bakterien und Amöben.

„Wenig Stress, Ball flach halten“, sei die Devise. „Deswegen sterben die Dummen nicht aus“, sagt der erfolgreiche Kabarettist, der kein Erfolgsrezept nennt, weil es keins gebe. Am Ende gibt er doch ein kleines. „Die Voraussetzung für echte Freude ist das Misslingen.“ Wer Radfahren lernt, falle erst auf die Nase. „Schrammen sind sexy, Angstschweiß nie“, so Ebert.

Man solle vieles einplanen, aber sich bewusst sein, dass nicht alles gelinge und sollte sich nicht der Effizienz unterwerfen. „Wenn Sie Ihrer Frau Blumen mitbringen, ist dies nicht effizient, aber hoch effektiv“, schiebt er ein. „Lassen Sie den Freak aus sich raus“, rät er am Ende. Zum Beispiel „Aronal“ abends und „Elmex“ morgens nehmen. Den Männern ruft er zu: „Schlafen Sie mit Ihrer eigenen Frau.“

von Anna Ntemiris

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Vince Ebert in Marburg
Vince Ebert sprach in der Marburger Georg-Gaßmann-Halle vor 1.450 Zuschauern.

Diesmal war die Resonanz auf die jährliche Mitgliederversammlung der Volksbank Mittelhessen besonders groß: Rund 1.450 Besucher kamen am Montagabend in die Sporthalle des Georg-Gaßmann-Stadions, um den bekannten TV-Kabarettisten Vince Ebert zu erleben.

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