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Mit Wachstum ins nächste Jahrhundert

Viessmann-Gruppe stellt Bilanz vor Mit Wachstum ins nächste Jahrhundert

Die Viessmann-Gruppe stellte am Mittwoch auf der Messe ISH Energy ihre Geschäftszahlen vor. Im 100. Jahr der Firmengeschichte gab Nachfolger Maximilian Viessmann einen Ausblick auf die Zukunft des Familienunternehmens.

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Professor Martin Viessmann (Mitte) übergab im Sommer den Führungsstab an Joachim Janssen (rechts) und seinen Sohn Maximilian Viessmann, der zunächst die Digitalisierung verantwortet, bevor er in vierter Generation das Unternehmen führt.

Quelle: Anna Ntemiris

Frankfurt. „Es ist sehr warm hier, oder?“, fragt Maximilian Viessmann zu Beginn der Pressekonferenz im Hotel Maritim vom Podium aus ins Publikum. Die Journalisten lachen, dass ein Heiztechnikhersteller diese Frage stellt. „Maximilian, was wolltest du damit sagen?“, fragt sein Vater, der Präsident des Verwaltungsrats, Professor Martin Viessmann rhetorisch.

Das Klima der Pressekonferenz bleibt wohlig warm. Aus Sicht der Unternehmensspitze aus Allendorf/Eder gibt es schließlich gute Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr zu vermelden. Viessmann hat den Umsatz um 1,4 Prozent auf 2,25 Milliarden Euro gesteigert, der Absatz wuchs um 2,8 Prozent. „Und das, obwohl der deutsche Heizungsmarkt mengenmäßig um 2 Prozent geschrumpft ist, weltweit um 3 Prozent“, sagt Joachim Janssen, Chef der Viessmann-Gruppe. Er spricht von einem Modernisierungsstau in Deutschland. Es werden zu wenige Heizungsanlagen erneuert, um die Klimaziele der Bundesregierung halten zu können.

In Deutschland stieg der Umsatz bei Viessmann um 5 Prozent, im Ausland ging er dagegen um fast 2 Prozent zurück, auch aufgrund der anhaltend schwierigen Branchensituation in Russland, erklärt Janssen.

Der Auslandsanteil am Gesamtumsatz betrug 54 Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter stieg in der Gruppe um 3 Prozent auf rund 12 000. Angaben zum Gewinn macht das Unternehmen grundsätzlich nicht.

„Erstmals können die Alten von den Jungen lernen“

Viessmann hat seine Investitionen auf 130 Millionen Euro erhöht, das entspreche 6 Prozent vom Umsatz. Ein Schwerpunkt war das Forschungs- und Entwicklungszentrum „Technikum“ in Allendorf / Eder, das am 12. April von Bundeskanzlerin Angela Merkel offiziell eröffnet werden soll.

„Oberstes Ziel ist, ein eigenständiges und unabhängiges Familienunternehmen zu bleiben“, sagt Martin Viessmann (63). Dazu müsse man das Unternehmen an die digitale Zukunft anpassen. Vor einem Jahr hatte er das Amt des Chief Executive Officers (CEO) nach 37 Jahren an Joachim Janssen übergeben. Sohn Maximilian (28) übernahm – befristet bis Ende 2017 – das Amt des Chief Digital Office. Er ist also für die Digitalisierung verantwortlich und bereitet sich auf die spätere Führung des Unternehmens in vierter Generation vor.

„Unsere Kunden sind nahezu alle Familienunternehmen. Ich habe den Kunden auf der Messe gesagt, dass wir als Familienunternehmen gut vorbereitet sind, wenn wir die digitale Kompetenz der nachwachsenden Generation nutzen. Erstmals können die Alten von den Jungen lernen und nicht umgekehrt“, so Martin Viessmann.

Im Gespräch mit der OP ergänzt er, dass nicht nur die Technik sich stetig verändert, sondern auch ein „kultureller Wechsel“ stattfindet. In seiner Generation sei es zum Beispiel verpönt gewesen, Fehler zu machen. Heute komme derjenige weiter, der das Risiko eingehe, Fehler zu machen und von diesen zu lernen.

Digitale Transformation läuft in drei Schritten ab

„Wir sparen jede Menge Zeit durch die Digitalisierung“, so Maximilian Viessmann. „Zu guter Letzt geht es darum, mehr Geld zu verdienen“ – und der Kunde spare Geld, wenn er energieeffiziente Produkte habe.

Strom werde zum wichtigsten Energieträger, sagt das Unternehmen. Innovativste Form der Kraft-Wärme-Kopplung, die Wärme- und Stromerzeugung verbindet, sei die Brennstoffzellenheizung, die Viessmann unter anderem auf der Messe präsentiert.

Die digitale Transformation plant Viessmann in drei Schritten: Alle internen Prozesse werden digitalisiert, zum anderen werden digitale Produkte und Geschäftsmodelle mit Nähe zum Kerngeschäft entwickelt.

Ein Beispiel ist das Joint Venture mit BMW namens „Digital Energy Solutions“, an dem der Heiztechnik-Spezialist und der Autobauer seit einem Jahr jeweils zu 50 Prozent beteiligt sind. Das ungewöhnliche Bündnis soll dafür sorgen, dass die Stromkosten von Betrieben schrumpfen. BMW bringe seine Erfahrungen mit Elektroautos ein.

Und drittens setzte Viessmann auf Investitionen in neue Geschäftsfelder, in Venture Capital Fonds. Es gehe darum, Start-up-Unternehmen für eine gewisse Zeit in der Wachstumsphase zu unterstützen. Angaben zur Höhe dieser Beteiligungen machte Viessmann nicht.

von Anna Ntemiris

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