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Im Lager läuft fast alles automatisch

Ferrero Im Lager läuft fast alles automatisch

Das Stadtallendorfer 
Ferrero-Werk ist mit mehr als 4800 Mitarbeitern der weltweit größte Produktionsstandort für Süßwaren. Das erfordert eine aufwändige Logistik in den Hochregallagern.

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Auf Schwerkraftrollen kommen die Paletten im neuen Hochregallager C an, ehe sie von Gabelstaplern auf Lkw verladen werden.

Quelle: Ferrero

Stadtallendorf. Allein bis zu 11,9 Millionen Mon-Chéri-Pralinen und 694.000 Nutella-Gläser sowie andere Süßwaren werden in der Stadtallendorfer Süßwarenfabrik pro Tag hergestellt. Damit die gelagert werden und pünktlich zu den Kunden kommen, muss jede Palette zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein. Zum Beispiel sollen am Montag wieder bundesweit die Mon-Chéri-Pralinen in den Läden stehen, erklärt Markus Hewecker, der bei Ferrero als Head of Warehousing für die Logistik zuständig ist. Dafür müssen viele Lastwagen nach Stadtallendorf fahren – am Spitzentag des vergangenen Jahres waren es mehr als 750.

Wie das funktioniert, darüber informierten sich am Dienstag Mitarbeiter der Stadtallendorfer Stadtverwaltung mit Bürgermeister Christian Somogyi sowie Abteilungsleiter und Logistik-Spezialisten der Bundeswehr mit dem Standortältesten und stellvertretenden Kommandeur der Division Schnelle Kräfte, Brigadegeneral Gert Gawellek. Dabei bekamen sie auch einen Einblick in das neue Hochregallager C, das im März fertiggestellt wurde und seither Schritt für Schritt in Betrieb genommen wird. „Das Thema Logistik ist auch für die Stadt und die Bundeswehr wichtig“, sagte Somogyi.

In den drei Lagern des Stadtallendorfer Standorts und beim Verladen in die Lkw läuft inzwischen fast alles automatisch. Auf Rollenbahnen und Kettenbändern fahren Paletten mit Kinder-Schokolade, Nutella und anderen Produkten auf zwei Ebenen durch die Lager mit ihren insgesamt 110.000 Stellplätzen. Elektrohängebahnen bringen sie durch ein Zwischengeschoss, eine vollautomatische Verladeeinrichtung fördert die Kühlproduktpaletten in 
Lkw, die sie ins Kühllager fahren.

Computersystem steuert die Paletten durchs Lager

Es wirkt fast wie in einem Rangierbahnhof – nur ohne Lokführer, denn die Paletten finden computergesteuert ihren Weg, rund um die Uhr überwacht von bis zu fünf Technik-Mitarbeitern an den Monitoren des Leitstandes. Das Computersystem sorgt aber nicht nur dafür, dass die produzierte Ware für 15 Stunden ins –1 Grad kalte Vorkühlsystem kommt, dass sie einen Platz im Lager bekommt und von dort wiederum zu den Lastwagen gebracht wird. Es steuert auch den optimalen Ablauf für die Lkw, die die Waren abholen, damit der Lkw möglichst rasch das Werksgelände wieder verlassen kann.

Dazu registriert sich der Fahrer zunächst an einem Selbst-Check-In-Terminal, erklärt Karl-
Heinz Feußner (Industrial Relations bei Ferrero). Dann bekommt er eine Mitteilung aufs Mobiltelefon, dass er zu einem bestimmten Tor fahren soll. Dort wird die Ware eingeladen. Die Mitarbeiter, die die Ware mit dem Gabelstapler in den Lkw bringen, wissen ebenfalls dank des Computersystems, was sie in welcher Reihenfolge in das Fahrzeug laden sollen. Schließlich bekommt der Lkw-Fahrer automatisch seinen Lieferschein und kann das Werk wieder verlassen.

Die Lkw bringen in der Mitte Deutschlands die Waren direkt zu den Kunden, also zum Beispiel Supermarkt-Ketten. Waren für die anderen Regionen Deutschlands werden zunächst auf Ferrero-Regionallager verteilt.

Autobahn 49 ist für Ferrero und Bundeswehr wichtig

Das Stadtallendorfer Lager ist multifunktional, erklärt Hewecker: Das Lager enthält sowohl Süßwaren als auch Verpackungen auf Euro- und Industrie-Paletten. Für die verschiedenen Produkte gibt es flexible Temperaturzonen von –5 bis +17 Grad.

Beeindruckend in dem 40 Meter hohen und 80 Meter langen neuen Hochregallager C sind aber vor allem die Regalbediengeräte – quasi Aufzüge, die sich auf Bahnen auch noch horizontal bewegen –, die jede Palette genau an ihren Ort bringen. 12.800 Stellplätze für Ware und 16.000 für Verpackung enthält das Lager. Riesige Maschinen – so genannte Pre-Sorter – sortieren Paletten aus allen drei Lagern zusammen.

Schließlich rollt die Palette über Schwerkraftrollen bis kurz vor die Lkw-Tore. Auf großen Monitoren stehen alle notwendigen Informationen für die Mitarbeiter, die mit Gabelstaplern die Paletten in die Lkw verladen.

Pro Jahr verlassen fast 2,5 Millionen Paletten das Werk. Für die Besucher von Bundeswehr und Verwaltung waren es interessante Einblicke, wie Somogyi und Gawellek betonten. „Wir haben auch Gemeinsamkeiten“, betonte Gawellek, „das Thema Planung und Führung ist für uns wichtig, aber auch der Weiterbau der A 49 betrifft uns ebenso wie Ferrero.“ Dem stimmte Feußner zu: „Wir wachsen zwar auch ohne die A 49, aber sie wäre für uns sehr wichtig.“

von Stefan Dietrich

Mitarbeiter von Bundeswehr und Stadtverwaltung wurden unter anderem von Karl-Heinz Feußner (Mitte) durch den Betrieb von Ferrero geführt. Foto: Stefan Dietrich
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