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Verhaltener Frühjahrsaufschwung im Mai

Arbeitsmarkt Verhaltener Frühjahrsaufschwung im Mai

Der lange Winter hat sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar gemacht. Positive Effekte gab es deshalb erst mit Verspätung.

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Marburg. „Die Konjunktur gibt derzeit keine deutlichen Signale auf dem Arbeitsmarkt, auch nicht hier im Landkreis“, sagte Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit Marburg. Fast überall ist in Hessen die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Im Landkreis fiel diese Tendenz jedoch nur abgeschwächt statt. 6135 Menschen waren im Mai im Agenturbezirk Marburg arbeitslos gemeldet - 28 mehr als noch vor einem Jahr.

Deutlicher Anstieg in Biedenkopf

„Wir hatten im März heftige Verluste durch die kalten Temperaturen. Jetzt haben sich diese saisonalen Effekte verspätet in den Zahlen für den Mai niedergeschlagen. Dies ist aber keine echte Belebung“, sagte Breustedt. 310 arbeitslose Menschen gab es im Landkreis im Mai im Vergleich zum Vormonat weniger.

Dabei gibt es jedoch über den Kreis verteilt Unterschiede. Während die Arbeitslosigkeit in der Hauptagentur in Marburg verglichen mit dem Mai 2012 abnahm (minus 2,4 Prozent), stieg sie in den Geschäftsstellen in Stadtallendorf (plus 0,7 Prozent) und Biedenkopf (plus 7,6 Prozent) an. „In diesen Bereichen haben wir einen hohen Anteil in der Produktion, etwa in der Zulieferindustrie für Autos. Die schwächelnde Konjunktur macht sich dort direkt bemerkbar“, sagte Breustedt.

Besondere Sorge bereitet dem Leiter der Marburger Agentur für Arbeit der hohe Anstieg der Bezieher von Arbeitslosengeld I.394 Menschen mehr als im Vorjahresmonat zählen zu diesem Kreis, was einen Anstieg von 17,7 Prozent bedeutet. „Es ist wie eine Bugwelle, die dann in neun bis zwölf Monaten auf das Kreisjobcenter zurollt“, sagte Breustedt. Dann nämlich würden diese Menschen Empfänger von Arbeitslosengeld II („Hartz IV“).

Handlungsbedarf sieht Breustedt auch bei der hohen Anzahl von Arbeitslosen mit Migrationshintergrund. Nach Befragungen der Arbeitsagentur ist ein Drittel (515 von 1545) der Arbeitslosen im Ausland geboren oder hat dort familiäre Wurzeln. „Wir müssen dringend etwas tun, damit diese Menschen frühzeitig integriert werden“, sagte Breustedt. Grundlage müsste dabei flüssige Deutsch-Kenntnisse sein. „Sprache darf kein Hindernis sein, um eine Arbeitsstelle zu finden. Wir müssen deshalb schon bei Kindern mit einer entsprechenden Förderung anfangen, damit diese Menschen nicht in 15 Jahren in der Arbeitslosenstatistik auftauchen.“

Verstärkt unterstützen will die Agentur für Arbeit die Altersgruppe der 15- bis 25-Jährigen, von denen im Mai 644 im Kreis arbeitslos waren (Zuwachs von 3,5 Prozent zu Vorjahresmonat). Dafür werden ab dem 1. Juli zwei zusätzliche Mitarbeiter beschäftigt, die sich speziell um diese Gruppe kümmert. Ein Ziel dabei: Die 517 nicht-besetzten Ausbildungsstellen mit den „unversorgten“ 794 Interessenten für einen Ausbildungsplatz zusammen zu bringen. „Es ist teilweise erschreckend, wie spät manche aktiv werden“, sagte Breustedt. Zeugnistag sei nicht gleich Bewerbungstag. Dabei hätten Interessenten im Moment so gute Chancen, wie schon lange nicht mehr. „Der Markt hat sich gewendet, und die Chancen sind größer geworden“, sagte Breustedt.

Zehn Prozent weniger Langzeitarbeitslose

Die Bereitschaft der Betriebe, Kompromisse einzugehen, sei deutlich größer geworden. Aber dies müssten auch die Bewerber an den Tag legen. „Man sollte sich bei der Berufswahl nicht zu 100 Prozent auf eine Schiene versteifen, sondern auch schauen, welche ähnlichen Berufszweige auch in Frage kommen könnten.“

nDas Kreisjobcenter registrierte im Mai 3509 Langzeitarbeitslose. Das sind zwar 39 mehr als im Vormonat, aber 366 weniger als im Vorjahresmonat, was einem Minus von rund zehn Prozent entspricht. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger im Kreisgebiet liegt bei 2,7 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie sich auf 3,0 Prozent belaufen.von Andreas Arlt

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