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Verein baut „Brücken zurück ins Leben“

Arbeit und Bildung Verein baut „Brücken zurück ins Leben“

Beim Festakt 
zu 30 Jahren „Arbeit und Bildung“ am Montag in Marburg hielt Thüringens Minister­präsident Bodo Ramelow die „Geburtstagsrede“. Denn er war 1986 eines der Gründungsmitglieder des Vereins.

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Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke), Gründungsmitglied von „Arbeit und Bildung“, hielt den Festvortrag zum 30-jährigen Bestehen des Vereins.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Rainer Dolle, Geschäftsführer des Vereins, verdeutlichte zunächst: „Das Komische war, dass wir immer nur Zweiter waren: Der zweite Sozialbetrieb Deutschlands, der als familienfreundlich ausgezeichnet wurde, die zweite Integrationsfirma in Deutschland oder das zweite Recyclingkaufhaus – wir hatten immer nur Silber.“ Doch dass die Angebote von „Arbeit und Bildung“ für die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft doch Gold wert sind, das machte Bodo Ramelow deutlich.

„Wir hatten vor der Gründung den ersten großen Anstieg an Jugendarbeitslosigkeit – und wir haben als Gewerkschafter gesagt, dass wir doch nicht tatenlos zusehen können, wie die Jugendlichen keinen Ausbildungsplatz bekommen“, erinnert sich Ramelow zurück. Das sei zum großen Teil der Verdienst von Käte Dinnebier gewesen.

Die Idee sei es gewesen, das alte Gaswerk zu einem überbetrieblichen Ausbildungszentrum umzufunktionieren – gegen die Widerstände der Arbeitgeber, die sich alleine für die Ausbildung zuständig gesehen hätten. DGB und Volkshochschule hätten damals zunächst eine Arbeitsgemeinschaft gegründet – aus der dann 1986 der Verein „Arbeit und Bildung“ hervorgegangen sei.

Mit der Vereinsgründung „wussten wir nicht, welche Verantwortung wir hatten – wir hatten nur einen verrückten Dolle ( Foto: Schmidt), der gesagt hat, das geht“. In Gießen habe es bereits das „Zentrum für Arbeit und Umwelt Gießen“ gegeben, an dem man sich zunächst orientierte.

Die erste Idee: Den Sperrmüll nicht komplett im Müllwagen verschwinden zu lassen, sondern ihn zuvor nach Wertstoffen zu durchsuchen, um diese dann „wieder der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen – die Idee von integrierter Arbeit war geboren, und auch die Erkenntnis, dass man Werte im Müll entdecken kann“, so Ramelow.

Doch er wisse auch, dass Dolle mit seinem Team in den vergangenen 30 Jahren „bestimmt 20 Mal neu erfinden musste. Denn das, was wir als Gründungsidee mit einem sehr eingeschränkten Bereich hatten, musste sich multipel entwickeln.

Dabei mussten immer wieder neue Ansätze gefunden werden“. Mittlerweile sei „Arbeit und Bildung“ fest verwurzelt und vernetzt. Ramelow bezeichnete den Verein als Institution, die „im idealen Sinne Brücken baut – für Menschen, die Hilfe brauchen“. Denn wer den Erfolg nicht im Rucksack mit sich trage, werde an die Seite gedrängt.

Ramelow: Aus dem Baby ist eine Persönlichkeit geworden

Für den Ministerpräsidenten sei es „unerträglich, dass wir in einem der reichsten Länder der Welt nicht in der Lage sein sollen, diejenigen mitzunehmen, die nicht auf der Sonnenseite sind“. Daher sei „Arbeit und Bildung“ ein „so zentrales Instrument, um Brücken zurück ins Leben zu bauen für Menschen, die wir unterhaken wollen, um ein aktiver Teil der Gesellschaft zu sein – und nicht ein abgehängter Teil“.

Es sei wichtig, „dass wir über die Gesellschaft reden, in der wir leben und in der wir leben wollen“. Mit „Arbeit und Bildung“ habe man ein Instrument, das auf diese Fragen immer wieder Antworten liefere. „Aber den Diskurs erspart uns der Verein nicht“, so Ramelow.

Er sei „stolz, dass aus dem Baby, bei dem wir nicht genau wussten, was es werden wird, eine stolze, erwachsene Persönlichkeit geworden ist“, sagte Ramelow. Mit der „Hartz-IV-Logik“ wäre er dann einverstanden, „wenn zum Fordern auch das Fördern so intensiv gekommen wäre, dass gleichzeitig der gesetzliche Mindestlohn in das Regulativ eingebaut worden wäre – damit gleiche Arbeitsverhältnisse nicht gegeneinander ausgespielt werden“, sagte Ramelow.

Vor diesem Hintergrund seien 960.000 Leiharbeiter nicht hinnehmbar, denn: „Nach den europäischen Standards haben wir gleichen Lohn bei gleicher Arbeit am gleichen Arbeitsplatz zu garantieren“ – diese Logik werde nicht mehr eingehalten.

von Andreas Schmidt

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