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Verband geht gegen falsche Sterne vor

Hotelbetriebe in der Kritik Verband geht gegen falsche Sterne vor

Das ZDF hatte jüngst 
darüber berichtet, dass zahlreiche Hotels ihre Sterne-Klassifizierung zu unrecht tragen. Auch in Marburg hat der Gaststättenverband Dehoga daher Hoteliers abgemahnt.

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So, wie auf diesem Foto, sollte es sein: Eine gültige Plakette. Doch nicht jeder Hotelier nimmt es so genau.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Sterneklassifizierung, wie sie Hotels verwenden, basiert in Deutschland auf einem Klassifizierungssystem, das der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) eingeführt hat. Aus diesem Grund dürfen Hotels in Deutschland auch nur mit den Sternen werben, wenn ihnen diese vom 
Dehoga verliehen wurden.

So weit die Theorie. Doch 
Recherchen der Redaktionen von ZDF Zoom und Frontal 21 haben ergeben: Jedes vierte 
Hotel wirbt mit falschen Sternen – oder mit abgelaufenen Klassifizierungen. Denn auf den „Lorbeeren“ kann sich ein Hotel nicht ausruhen: Die Sterne werden nur für einen gewissen Zeitraum verliehen. Danach muss sich das Hotel erneut klassifizieren lassen.

Diese Klassifizierungen, die je nach Bundesland und Größe der Hotels bis zu 2000 Euro kosten, sind jeweils für drei Jahre gültig. Danach müssen sie von den Hoteliers kostenpflichtig erneuert werden. Die beiden Redaktionen untersuchten 1000 Hotels in 10 Städten – mit dem Ergebnis, dass 251 nicht offiziell klassifiziert waren. Entweder, die Sterne waren nicht mehr gültig oder die Hoteliers vergaben sich selbst gleich „Fantasiesterne“.

Für den Dehoga ein schwerer Schlag: „Die Hotelklassifizierung in Hessen ist für 
Gäste ein verlässlicher Wegweiser mit Blick auf zu erwartende Standards in der klassifizierten Hotellerie“, teilt der Landesverband Hessen mit.

Auch Hoteliers im Landkreis erhielten Abmahnungen

Man überprüfe bereits seit Jahren die hessische Hotelbranche auf rechtmäßige und ordnungsgemäße Verwendung der Hotelsterne. Im Rahmen einer öffentlich gemachten Offensive habe der Verband bereits in der Vergangenheit die Missstände in 164 konkret bekannt gewordenen Fällen unlauterer Sterne­werbung angeprangert und 
gezielt verfolgt.

Die Bilanz – von 164 zu Unrecht mit Sternen werbenden Hotels wurden nach mehrfachen Abmahnungen durch den Verband 40 Betriebe offiziell klassifiziert. Weitere 34 Hotels hätten die Werbung mit Sternen eingestellt. Sieben Betriebe seien mangels Uneinsichtigkeit der Zentrale für unlauteren Wettbewerb gemeldet worden, die die Rechtsverfolgung vor Gericht übernahm. Fünf der abgemahnten Betriebe seien zwischenzeitlich geschlossen worden. Die weiteren Verfahren werden aktuell persistent verfolgt.

Auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf waren zehn Hoteliers abgemahnt worden, wie Pressesprecher Sebastian Maier auf Anfrage der OP mitteilt. Drei Hoteliers hätten daraufhin die Werbung mit Sternen eingestellt, die anderen hätten sich erneut klassifizieren lassen. Um welche Häuser es sich handelte, wollte Maier nicht mitteilen.

Das Hotel Bellevue in Wolfshausen ist mit vier Sternen klassifiziert – und das sei eine „wichtige Entscheidung“, wie Marion Horn auf Anfrage der OP erklärt. „Viele Gäste schauen nach den Sternen, es ist für sie eine Entscheidungshilfe“, sagt sie zu den Beweggründen, warum sie ihr Haus alle drei Jahre neu klassifizieren lässt.

Natürlich sei die Klassifizierung teuer – „aber wir merken immer wieder, dass die Kunden auch im Internet bei Buchungsportalen auf die Sterne schauen – weil sie dann einfach eine höhere Erwartung haben“, sagt Horn. Letztendlich mache sich die Klassifizierung auch bei Buchungszahlen bemerkbar. Dass manche Betriebe Schindluder mit den Sternen treiben, dafür hat sie kein Verständnis.

Eigenmächtige Vergabe 
von Sternen nicht zulässig

Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Dehoga Hessen, erläutert: „Wir beobachten die Hotellandschaft intensiv, auch im Web, und zwar regelmäßig. Wir geben jedem die Gelegenheit zum Mitmachen, am Ende aber fällt eine klare Entscheidung nach den Maßgaben des Wettbewerbsrechts, unabhängig von einer Mitgliedschaft im Verband.“

Vielen Hoteliers sei offensichtlich nicht klar, dass eine eigenmächtige Vergabe von Sternen in Deutschland wettbewerbsrechtlich unzulässig sei.

Zu den Vorwürfen, dass immer noch zu viele Beherbergungsbetriebe nicht gültig klassifiziert seien und dennoch mit Sternen werben, hält Wagner fest: „Bei über 2000 Hotels in Hessen und einer hohen Fluktuation vor 
allem in den Ballungsgebieten bleibt es eine dauerhafte Herausforderung, stets zügig und konsequent zu reagieren.“

Der Verband sei daher auch froh über Mitteilungen und Meldungen Dritter. Aktuell werde eigens eine Task-Force eingesetzt, um dem Sternemissbrauch noch offensiver zu begegnen.

Zudem habe man turnusmäßig Dutzende Hotels angeschrieben, deren Klassifizierung ausgelaufen sei. Die zur Durchsetzung der Standards notwendigen Abmahnungen werde der Verband intensivieren – damit die Sterne für Gäste weiterhin eine verlässliche Entscheidungsgrundlage böten. „Darüber hinaus erwarten alle ordentlich klassifizierten Hotels den Werterhalt ihrer eigenen Klassifizierung“, so Wagner.

von Andreas Schmidt

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