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Vaupel: Ikea ist Gefahr für Einzelhandel

Schwedischer Möbelriese Vaupel: Ikea ist Gefahr für Einzelhandel

OB Vaupel fordert, dass der künftige Ikea in Wetzlar keine Produkte anbietet, die auch in den Innenstädten verkauft werden. Er warnt vor einer Verödung der Zentren.

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Im deutschen Möbelmarkt sieht Ikea noch Chancen, seinen Umsatz zu vergrößern. Neue Standorte für Filialen zu finden erweist sich jedoch als schwierig. In Wetzlar war Ikea jedoch erfolgreich.Foto: Heiko Wolfraum

Quelle: Heiko Wolfraum

Marburg. Die Nachricht, dass Ikea nach Wetzlar kommt, ist für Marburgs OB Egon Vaupel (SPD) nicht ganz neu: Vor einer Woche habe ihm sein Wetzlaer Kollege, OB Wolfram Dette, auf dem Städtetag in München von den Plänen berichtet. Er habe sich zur Verschwiegenheit verpflichtet, so Vaupel. Jetzt, nachdem Ikea die Pläne öffentlich vorgestellt hat, erklärt Vaupel auf Anfrage der OP: „Grund zur Euphorie habe ich nicht“. Ein Ikea könne dem Einzelhandel in der Region schaden, fürchtet er. Längst sei Ikea ein „Komplettversorger“, der nicht nur Möbel und Einrichtungsgegenstände anbiete. „Dort werden Kindergeburtstage gefeiert, dort gehen Familien essen und dort werden auch Waren verkauft und gekauft, die es auch im heimischen Einzelhandel gibt“, erklärt Vaupel. Er werde daher fordern, dass im neuen Markt keine „innenstadtrelevanten Produkte“ verkauft werden.

Gießen bewertet Ansiedlung als positiv

Soll Ikea also keine Kerzen in Wetzlar verkaufen? „Ja, zum Beispiel“, sagt Vaupel und betont, dass die Stadt Marburg dies weder einfordern noch beschließen könne. Nach Marburg hätte Ikea nicht kommen können, denn hier sei keine entsprechende Fläche dafür vorhanden. Außerdem passe die Warenpalette des Möbelriesen nicht zu einer „Hauptstadt des fairen Handels“ wie es Marburg sei. Vaupel ist aber nicht nur Marburgs Stadtoberhaupt, sondern auch Aufsichtsratschef des Regionalmanagements Mittelhessen. In diesem Verein ziehen Kommunen und Wirtschaftsvertreter an einem Strang. In dieser Funktion sehe er tatsächlich auch eine positive Nachricht für den Wirtschaftsstandort Mittelhessen. „Zwei Herzen schlagen in meiner Brust“, so Vaupel.

Sommerland sieht Profit-Chancen

Vaupels kritische Aussagen zu Ikea sind vor dem Hintergrund interessant, dass die Gießener Rathauschefin Dietlind Grabe-Bolz (SPD) zu einer durchweg positiven Bewertung kommt: Die Gießener Oberbürgermeisterin spricht in einer Mitteilung von einem „Gewinn für die Verbraucher in der Region Mittelhessen“ und einer „Chance für eine neue und enge Zusammenarbeit mit der Stadt Wetzlar“. Auch wenn sie es lieber gehabt hätte, wenn sich die schwedische Möbelfirma für Gießen entschieden hätte, so könne die Ansiedlung in Wetzlar den Standort Mittelhessen stärken. Positiv äußert sich auch der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Lahn-Dill, Andreas Thielmann: Ein bedeutendes Zentrum mit überregionaler Anziehungskraft könne in Wetzlar entwickelt werden.

Der Möbelhändler Frank Sommerlad, Geschäftsführer der Sommerlad-Gruppe, findet die Ansiedlung von Ikea in Wetzlar positiv, „da durch die Stärkung des Möbelstandorts Mittelhessen der Kaufkraftabfluss Richtung Rhein/Main oder Kassel vermindert wird.“ Da Sommerlad ein alternativer Möbelanbieter mit anderen Produkten sei, können wir von einem Neubau nur profitieren.

von Anna Ntemiris

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