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Unternehmer kauft Schlachthof-Gelände

Kaufpark Wehrda Unternehmer kauft Schlachthof-Gelände

Nach der Einstellung des Schlachtbetriebs in Wehrda hatte sich auch die Politik um eine Rettung des Schlachthofs bemüht - vergeblich. Denn das Gelände ist schon verkauft.

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Ein Viehtransporter hält am Schlachthof im Kaufpark Wehrda: Das Gelände ist verkauft, der Zerlegebetrieb und auch der Fleischmarkt sollen jedoch laut Viehverwertungsgenossenschaft fortgeführt werden.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Ende Februar hatte der Marburger Schlachthof die Schlachtung eingestellt. Der Betreiber des Schlachthofs, die Marburger Viehverwertungsgenossenschaft, konnte den Betrieb wegen eines immensen Kostendrucks, geringerer Schlachtzahlen und nötigen Investitionen in Millionenhöhe nicht mehr aufrechterhalten, sagten die Verantwortlichen damals im Gespräch mit der OP. Sie betonten jedoch, dass der Fleischverkauf und der Zerlegebetrieb ebenso in Wehrda bestehen bleiben sollten, wie auch das Angebot für die Veterinärmediziner aus Gießen, für die der Schlachthof Teil ihrer Ausbildung ist. Zudem sollten keine betriebsbedingten Kündigungen erfolgen.

Das Einstellen des Schlachtbetriebs hatte auch die Politik auf den Plan gerufen: So hatte das Marburger Stadtparlament einem Dringlichkeitsantrag zugestimmt. „Die angekündigte Einstellung des Schlachtbetriebs in Marburg ist ein Rückschlag für Bemühungen, regionale Produkte und kurze Transportwege zu erreichen“, heißt es in der Begründung des gemeinsamen Antrags von CDU, SPD und Grünen, dem auch alle anderen Fraktionen und Stadtverordnete zustimmten. Der Magistrat solle unter anderem prüfen, welche Möglichkeiten er sehe, die Schließung des Schlachthofs zu verhindern.

Auch im Kreistag war die Einstellung des Schlachtbetriebs Thema. Dort mutmaßten SPD und CDU schon, dass der Schlachthof bereits verkauft sei und somit Fakten geschaffen worden seien.

Name des Investors noch nicht bekannt

Nun scheint es so, als wären alle politischen Bemühungen tatsächlich vergebens. Denn laut Informationen der OP ist der Schlachthof tatsächlich verkauft. Ulrich Zick, Vorstandsmitglied der Viehverwertungsgenossenschaft, sagte der OP: „Fakt ist, dass es natürlich einen Interessenten für so ein Gelände gibt.“ Der Interessent sei „sehr konkret“, einen Namen werde er jedoch nicht nennen. „Und bisher ist noch kein Geld geflossen“, so Zick ausweichend. Den Verkauf wolle er noch nicht letztendlich bestätigen, sagte jedoch auf Nachfrage: „Fakt ist auch: Wenn es zum Verkauf kommt, ist man sich auch über den Betrag einig.“

Zick fügte hinzu, dass das weitere Vorgehen derzeit nicht mehr „im Handlungsspielraum“ der Genossenschaft liege. Er gehe davon aus, „dass das Ganze jetzt noch von anderer Stelle geprüft“ werde.

Die Genossenschaft wolle den Zerlegebetrieb und auch den Fleischverkauf „so, wie es im Moment aussieht, in jedem Fall aufrechterhalten. Dann würden wir uns möglicherweise andere Räume schaffen, dafür haben wir genügend eigene Gebäude“, so Zick.

Denkbar sei etwa der Verkauf auf dem „Maxhof“ in Cölbe-Bernsdorf, dem Stammsitz der Genossenschaft.

Vaupel bestätigt Verkauf

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) bringt indes mehr Licht ins Dunkel: „Der Verkauf ist mir bekannt“, sagt er im Gespräch mit der OP. Es habe nach Bekanntwerden der Einstellung des Schlachtbetriebs ein „hochspannendes Gespräch“ mit allen Beteiligten gegeben: Von Landrätin Kirsten Fründt über das Regierungspräsidium, den Kreisbauernverband „und alle, die in irgendeiner Form mit dem Schlachthof zu tun haben“, so Vaupel.

Dabei sei schnell klar geworden, dass die Schlachthofbetreiber „für die Zukunft nicht zu 100 Prozent sagen konnten, dass der Betrieb auch aufrechterhalten wird.“

Man wolle sich aber bemühen, den Zerlegebetrieb zu halten. „In dem Gespräch wurde auch deutlich, dass Stadt und Landkreis in der Diskussion zur Rettung zu kurz gegriffen ist. Es ist eher eine Fragestellung, die auf Ebene des Regierungspräsidiums weiter mit allen Beteiligten diskutiert werden muss.“ Denn man wolle eine regionale Erzeugung.

„In diesem Zusammenhang habe ich dann nach dem Gespräch auch erfahren, dass das Gelände, auf dem der Schlachthof steht, bereits den Besitzer gewechselt hat“, sagt Vaupel.

Er sehe in dem Verkauf auch ein perspektivisches Signal, denn: „Der Verkauf des Geländes hat in erster Linie keine Auswirkungen auf den Zerlegebetrieb. Aber perspektivisch müssen wir uns entscheiden, wie wir uns in Schlachthof- und in Zerlege-Fragestellungen in der Region weiterentwickeln wollen.“

von Andreas Schmidt

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