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Industrie und Bau beflügeln Konjunktur

IHK-Klimaindex Industrie und Bau beflügeln Konjunktur

Die Herbstumfrage der IHK zeigt: Die Geschäfte laufen weiter auf hohem Niveau. Vor allem der Fachkräftemangel bereitet den Unternehmen 
jedoch Sorgen.

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Gerüstbauer bei der Arbeit: Vor allem die Baubranche ist weiter stark im Aufwind.

Quelle: Boris Roessler

Marburg. Die Wirtschaft im Bezirk der IHK Kassel-Marburg läuft weiter auf hohen Touren. Der IHK-Klimaindex liegt bei 125,4 Punkten und verliert somit einen Punkt gegenüber der Sommer-Umfrage. „Die Wirtschaft im Bezirk der IHK Kassel-Marburg befindet sich in einem stetigen und breit angelegten Aufschwung“, sagt Oskar Edelmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK.

Vor allem die Industrie präsentiert sich im Herbst sehr stark: Dort stieg der Gesamt-Klimaindex im vergleich zum Sommer um fast sechs Zähler auf 130,2 Punkte. Im Vorjahr stand die Industrie noch bei 114,9 Punkten. „Das sind ganz starke Werte“, kommentiert Edelmann. Dementsprechend bewerten 50 Prozent der befragten Unternehmen ihre Lage als gut, 43,3 Prozent als befriedigend. Gut ein Viertel der Industriebetriebe erwartet, dass sich ihre Lage auch zukünftig weiter gut entwickeln wird, knapp 64 Prozent stufen die zukünftige Entwicklung als gleichbleibend ein.

Unternehmen wollen Investitionen steigern

„Die Industrie will auch wieder deutlich mehr investieren, als in den vergangenen Monaten. Das sieht richtig gut aus“, sagt Edelmann.

Fast ein Drittel der Unternehmen planen, ihre Investitionen auszuweiten, mehr als die Hälfte will die Investitionstätigkeit auf dem bisherigen Niveau zumindest halten. Bei den Gründen für die Investitionen gaben gut zwei Drittel der Unternehmer an, damit ihren Ersatzbedarf zu decken. Für ein Drittel stehen die Investitionen direkt im Zusammenhang mit Produktinnovationen.

Starker Wirtschaftstreiber ist auch weiterhin das Baugewerbe. Gut zwei Drittel der befragten Unternehmen in dieser Branche sind mit der gegenwärtigen Lage zufrieden – ein Plus zum Vorjahr um satte 16 Prozent. Der Rest der Unternehmer ist mit dem Geschäft zufrieden.

Für die Zukunft rechnen 8,3 Prozent sogar noch mit einem besseren Geschäft, 83,4 Prozent erwarten eine zumindest gleichbleibende Entwicklung. Der Gesamt-Index der Branche steigt im Gegensatz zum Sommer um fast 7 Zähler auf 129,1 Punkte. „Dies ist ein sehr gutes Ergebnis, da in der Regel im Herbst von der Bauwirtschaft ein vorsichtigeres Signal ausgeht, da der Winter vor der Tür steht“, sagt Thomas Rudolff, Geschäftsführer Kommunikation bei der IHK.

Gastronome sind pessimistisch

Die positive Stimmung beim Großhandel ist jedoch weitestgehend verpufft: Hatten im Sommer noch 57,1 Prozent der befragten Unternehmen ihre Lage als positiv bewertet, sind es im Herbst nur noch 25 Prozent. Dass sich das Geschäft zukünftig besser entwickeln wird, denken nur noch 18,8 Prozent – bei der vorherigen Umfrage waren es noch 42,9 Prozent. Der Index der Branche fällt um 34,2 Punkte auf 111,8 Punkte ab. „Dafür haben wir keine vernünftige Erklärung“, sagt Oskar Edelmann.
Der Einzelhandel verliert indes nur leicht – von 118,4 auf 116,6 Punkte. Dort erwarten 21,9 Prozent ein besseres Geschäft – was wohl vor allem im Hinblick auf die Umsätze zu Weihnachten zu sehen ist.

Auch die Gastronomie geht von einer schlechteren zukünftigen Lage aus: Nur 16,7 Prozent erwarten ein besseres Geschäft, im Sommer waren es noch 50 Prozent mehr gewesen. Mit der aktuellen Situation sind aber gut 61 Prozent sehr zufrieden, ein Drittel ist immerhin noch zufrieden. „Hier muss man einfach sagen, dass bei der letzten Umfrage Rekordwerte erzielt wurden“, sagt Edelmann. „Die jetzigen Werte sind schlechter, aber immer noch gut.“

Sorgen bereitet den Unternehmern vor allem der Fachkräfte­mangel: 51,1 Prozent der Befragten gab an, dass dies das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens in den kommenden zwölf Monaten sei. Derzeit offene Stellen hätten 50 Prozent schon seit mehr als zwei Monaten nicht besetzen können, weil das passende Personal fehle.

Fachkräftemangel als konjunkturelles Risiko

Das führe bei 75,9 Prozent der Unternehmen zu einer Mehrbelastung der vorhanden Belegschaft, 52,1 Prozent gaben an, durch die fehlenden Fachkräfte ihr Wachstumspotenzial nicht ausschöpfen zu können. 44 Prozent der Unternehmen gaben an, deswegen Aufträge ablehnen oder ihr Angebot einschränken zu müssen. In der Konsequenz fordern die Unternehmer, dass die berufliche Bildung gestärkt werden müsse – etwa durch eine Berufsorientierung an Gymnasien oder eine Stärkung der Berufschulen. Auch müsse die Qualität der Schulabgänger verbessert werden.

Oskar Edelmann sagt dazu: „Die Unternehmen in unserem IHK-Bezirk wollen die Beschäftigung weiter erhöhen.“ Mit der abermaligen Verbesserung ihres Beschäftigungssaldos zeigten sich die Unternehmen weiter einstellungsbereit – „und das, obwohl bereits die letzten Jahre deutlich Beschäftigung aufgebaut wurde. Gleichzeitig ist wiederholt der Fachkräftemangel als größtes konjunkturelles Risiko benannt worden.“

Gleichwohl erwarte die IHK ein solides Wachstum von zwei Prozent. „Unsere Region ist stark industriell geprägt und international gut aufgestellt. ,Made in Marburg‘ und ,Made in Nordhessen‘ haben einen guten Ruf in der Welt.“

von Andreas Schmidt

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