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Unternehmer geben Markt an Tegut ab

Handel Unternehmer geben Markt an Tegut ab

Zehn Jahre führten Manuel Weitzel und Nikolai Moos selbstständig und unabhängig vom Unternehmen aus Fulda den Tegut-Markt in der Stadtmitte. Nun steigen sie aus dem Geschäft aus.

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Nikolai Moos (links) und Manuel Weizel leiteten zehn Jahre als selbstständige Unternehmer den Tegut-Markt in der Universitätsstraße. Der geplante Umbau des Allianzhauses sei ein Zeitpunkt, an dem man an seine Grenzen komme.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Auch wenn die Verträge noch nicht unterschrieben seien, stehe fest: Zum 1. Juli nimmt Tegut den Markt in der Universitätsstraße zurück. Seit zehn Jahren führten ihn die beiden selbstständigen Unternehmer Manuel Weitzel und Nikolai Moos völlig unabhängig von der Fuldaer Lebensmittelkette. „Aus unserer Sicht wird es nun Zeit, diesen Standort an Tegut/Migros zurückzugeben“, sagt Manuel Weitzel - nicht ohne Wehmut.

„Es ist wichtig, dass ein finanziell starker Partner die Geschäfte in Fulda in die Hand genommen hat, um das Unternehmen Tegut und hoffentlich auch die Stadtmitte in Marburg, neu zu beleben“, erklärt der Kaufmann. „Wir haben in den vergangenen vier Jahren Verhandlungen geführt und haben uns jetzt einigen können.“, berichtet er. Für Weitzel waren die vergangenen vier Geschäftsjahre auch geprägt durch viele Diskussionen um die Zukunft des Einkaufszentrums in der Universitätsstraße. Dort will ein privater Investor das Gutenbergcenter errichten. „Der offene Disput hat dem Geschäftsumfeld in der Stadtmitte geschadet.

Man wollte sicherlich Gutes tun, hätte aber sensibler vorgehen müssen“, so Weitzel an die Adresse der Marburger Politiker. Vielen sei vielleicht nicht bewusst gewesen, dass so manche Aussage auch Mitarbeiter betroffen gemacht habe. Weitzel gibt ein Beispiel, um die Sensibilität der Thematik zu verdeutlichen: „Als es hieß, das Gebäude wird abgerissen, hat so mancher nicht bedacht, welche Sorgen Mitarbeiter damit verbinden“. Vielleicht sei schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt zu viel öffentlich diskutiert worden, fügt er hinzu. „Für uns Führungskräfte war es während der öffentlichen Debatte um die Zukunft des Allianz-Hauses nicht immer einfach, das Personal zu motivieren und zu halten“, so Weitzel.

1700 Quadratmeter, 3000 Kunden

In Spitzenzeiten hätten 3000 Kunden und bis zu 86 Angestellte täglich den Laden mit 1700 Quadratmeter Fläche betreten. Inzwischen habe er weniger Kunden und weniger Personal. Im vergangenen Jahr arbeiteten noch 64 Männer und Frauen bei Weitzel und Moos, jetzt seien es noch 37. „Wir sind als Selbstständige an unsere Grenzen gelangt“, so Weitzel.

Tegut-Sprecherin Stella Kircher erklärte, dass das Unternehmen aus Fulda alle Mitarbeiter übernehmen werde. Beschäftigte, deren befristete Verträge in letzter Zeit ausgelaufen seien, seien nicht übernommen worden, so Weitzel. Tegut wird künftig höchstwahrscheinlich mehr als 37 Angestellte für die Fortführung des Marktes benötigen, zum Teil werde Personal auch von externen Dienstleistern herangezogen. „Wir hatten nur eigene Leute beschäftigt“, sagt Weitzel.

Die Marburger Unternehmer gehen davon aus, dass das Konzept fortgeführt wird - das erklärten auch Tegut-Vertreter. Die Post und der Kiosk werden bleiben. Die Bäckerei werde künftig von Schäfer‘s Backstuben aus Biedenkopf weiterbetrieben. Noch unklar ist, ob das Café, das Weitzel und Moos bereits geschlossen haben, weiter betrieben wird. „Wir suchen noch nach einem Geschäftspartner und könnten uns auch eine Alternative zu einem Café vorstellen“, so Kircher. Tegut wird im Markt zudem eine Selbstbedienungs-Backstation einrichten. Die Sprecherin erklärte, dass das Unternehmen als Mieter langfristig am Standort bleiben will. Der Mietvertrag läuft bis 2015 und könne optional bis 2020 verlängert werden. „Wir führen bereits Gespräche mit dem Investor“ , so Kircher.

Über ihre persönlichen Zukunftspläne schweigen Weitzel und Moos. „Wir blicken auf erfahrungsreiche zehn Jahre zurück und nehmen diesen Mehrwert mit in neue Aufgaben, die wir nach einer kleinen, schöpferischen Pause angehen werden und bestimmt auch wieder im, oder auch teils, im kaufmännischen Bereich liegen werden“, so Weitzel.

von Anna Ntemiris

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