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Unternehmenslehre als Schulfach

Wirtschaftsabend Unternehmenslehre als Schulfach

Beim Wirtschaftsabend diskutierten Unternehmer aus der Region und der hessische Wirtschaftsminister über verschiedene Themen. Sie forderten zum Beispiel, dass in den Schulen Ökonomie im Lehrplan stärker verankert werden sollte.

Marburg. Unternehmer und Wirtschaftsvertreter aus der Region diskutierten mit dem hessischen Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) über Themen, die ihnen am Herzen lagen. Zu diesem Wirtschaftsabend hatte die Sektion Marburg des Wirtschaftsrates Deutschland eingeladen. Der CDU-nahe Wirtschaftsrat feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Stefan Oberhansl, Vorsitzender der Sektion Marburg, moderierte das Gespräch. Dr. Andreas Ritzenhoff, Inhaber und Geschäftsführer der Firma Seidel, sprach den Wettbewerb mit China an. „In China wird sehr strategisch an bestimmten Wirtschaftszweigen gearbeitet. Wer in Deutschland mit chinesischen Unternehmen konkurriert, hat Pech gehabt“, so Ritzenhoff.

„Wenn die Chinesen permanent subventioniert werrden, erwarten wir von den Regierenden, dass Sie uns schützen“, so der Unternehmer an den Minister. Rentsch kennt die Problematik, hat eine klare Meinung: „Schutzzölle bringen wenig. Der Austausch von Waren hat immer zwei Seiten“. Deutsche Unternehmen können nicht billiger sein. Bei diesem Wettbewerb im Preis können wir nicht mithalten, außer wir sind besser“, so Rentsch. Der Minister, der mit Oberhansl und anderen Wirtschaftsvertretern aus der Region schon mal gemeinsam in China war, erklärte, dass Deutschland mit Qualität und Forschung punkten könne. Zur Infrastruktur in Hessen sagte der Minister, dass die Situation insgesamt gut sei. Hessen hat den größte Flughafen und den größten Hauptbahnhof Deutschlands, die meisten Autofahrer aller Bundesländer fahren durch Hessen, und es gibt hier renommierte Wissenschaftsstandorte, so die Beispiele. „Uns fehlen Milliarden für Investitionen in den nächsten Jahren“, sagt Rentsch. Ob für Wasserstraßen, den Ausbau des Schienen- oder Autoverkehrs - das Land schaue hier auch auf den Bund. Die A 44, die teuerste deutsche Autobahn, die wir je gebaut haben - mit 30 Millionen Euro pro Kilometer, werde 2021/2022 fertig sein. Beim Thema Straßenausbau kritisierte Rentsch, die Verbandsklagen. In vielen Fällen hätten die örtlichen Naturschützer oder Gruppen keine Einwände gegen Projekte, die Klagen kämen aber von den Bundesverbänden, wie etwa dem BUND. „Die Verbandsklage ist von ihrer Idee her überholt“, so der Minister. Heute hätten auch kleine Ortsverbände die Möglichkeit sich zu informieren oder Einwände zu erheben, da sei die Klage aus Berlin nicht nötig.“ Und die örtlichen Verbände haben ohnehin das Know-How“.

Facharzt: Keine Ahnung von Geschäftsführung

Wie könne man die Wirtschaftskompetenz von jungen Menschen stärken?, fragten Zuhörer. Andere schlugen vor, Fächer wie Unternehmenslehre in Lehrpläne an Schulen und Universitäten aufzunehmen. „Ich habe Angst, dass wir wieder einen Crash benötigen, um die Denke zu ändern“, so Rentsch. Ein Facharzt erklärte, er wisse nicht, wie er eine Praxis führen sollte - medizinisch schon, aber er habe keinerlei Kenntnisse in Geschäftsführung. Rentsch stimmte ihm zu: Für den Weg in die Selbstständigkeit gäbe es in Deutschland wenig Expertise. Mehrere Teilnehmer plädierten dafür, eine Bildungsoffensive zu starten, damit mehr junge Menschen Verständnis für Wirtschaftsthemen bekommen und keine Angst vor der Selbstständigkeit haben.

Beim Thema Energiewende forderte der FDP-Politiker ein europäisches Modell: Wasserkraft sollte mehr im Norden, Sonne im Süden und „Wind, wo er weht“ genutzt werden. Der Bund müsste zudem die Energiewende besser organisieren, sagte Rentsch, da spreche er auch die FDP in Berlin an.

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