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Unternehmen können von Start-ups lernen

Symbiose zwischen Gründern und Konzernen Unternehmen können von Start-ups lernen

Wie können Gründer und gestandene Unternehmer voneinander profitieren? Das zeigte ein Vortrag von Professor Rüdiger Kabst, der auf Einladung der Wirtschaftsförderung des Kreises in Marburg sprach.

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Professor Rüdiger Kabst (rechts) – hier mit Dr. Frank Hüttemann von der Wirtschaftsförderung des Landkreises – verdeutlichte die Bedeutung von Gründern für Unternehmen.

Quelle: Landkreis

Marburg. Vor rund 15 Jahren war der Konzern „Nokia“ absolut führend auf dem Handymarkt. Zu dieser Zeit hätte wohl niemand für möglich gehalten, dass dieses Unternehmen im Jahr 2015 nicht nur seine Spitzenposition verloren hat, sondern von der Konkurrenz regelrecht abgehängt wurde. Wie konnte der einstige Handy-Riese so an Boden verlieren?

Professor Rüdiger Kabst von der Universität Paderborn meint die Antwort zu kennen: „Nokia hat nicht quer gedacht und sich auf seinen Lorbeeren ausgeruht. Es hat die Markttauglichkeit des Smartphones von Apple unterschätzt.“

Dass Start-ups solche Fehler verhindern können, war Kabsts These bei seinem Vortrag „Innovationsgeschwindigkeit und Unternehmergeist – Wie Gründende und gestandene Unternehmen voneinander profitieren“ im Technologie- und Tagungszentrum (TTZ) in Marburg. Der Referent war von der Stabsstelle Wirtschaftsförderung des Landkreises Marburg-Biedenkopf eingeladen worden.

Großkonzerne seien nicht zu Produktrevolutionen in der Lage, da sie nicht „quer denken“ würden, so Kabst. Sie würden sich auf die Weiterentwicklung ihrer Produkte fokussieren. Es sei lediglich eine Produktevolution möglich.
Anders Start-ups: „Solch dynamische Kleinunternehmen haben im Gegensatz zu den Großkonzernen den Vorteil, dass sie nicht an organisationale Strukturen gebunden sind, sondern völlig unabhängig mit cleveren Ideen Revolutionen auf dem Markt bewirken können“, erklärte Kabst. So warb er für eine Integration von Start-ups in Großkonzerne.

Höchste Aufmerksamkeit während Vortrag

Das untermauerte er mit Beispielen. So hatte das Unternehmen Bosch in einem Pilotprojekt eine Reihe von Stellen für Gründer geschaffen. Zunächst waren diese jedoch derart mit den hausinternen Sicherheitsauflagen, dem Controlling und dem Berichtswesen befasst, dass zu wenig Zeit und Energie für die eigentlichen Innovationen blieb. Bosch habe daraus gelernt und diese „Auflagen“ auf ein Minimum reduziert.

Kabsts Theorie ist keine Einbahnstraße. Auch der Konzern sei für Gründer ein wichtiger Partner: „Großunternehmen sind in Sachen Vertrieb top und haben das nötige Kleingeld und die Infrastruktur, um Start-ups, die das Unternehmen in Sachen Innovation voranbringen, zu finanzieren.“

Wenn man es richtig anstelle, sei es eine „Win-win-Situation“ – eine Symbiose zum Vorteil beider Seiten. Während des 90-minütigen Vortrags hätte man im Vortragsraum eine Stecknadel fallen hören können – ein starkes Indiz dafür, wie gebannt die 45 Zuhörer den Ausführungen des Wirtschaftswissenschaftlers folgten.

Kabsts Referenzen in Sachen Unternehmensgründung sind eindrucksvoll: Neun Jahre lang hatte er einen Lehrstuhl an der Universität Gießen inne und prägte die dortige Gründerszene wesentlich mit. Momentan ist er Lehrstuhlinhaber für International Business an der Universität Paderborn, Leiter des Technologietransfer- und Existenzgründungs-Centers sowie Vorsitzender des Forschungsrats des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn und berät unter anderem die Commerzbank sowie die Bosch GmbH in Sachen Innovation.

von Benjamin Kaiser

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