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Unternehmen gehen in die Datenwolke

Internet Unternehmen gehen in die Datenwolke

Auch kleinere Unternehmen lagern ihre Daten aus - in eine vernetzte Rechnerlandschaft im Internet. Das ist das Prinzip von Public Cloud.

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Die Datenverarbeitung, Verwaltung und Speicherung kostet Betriebe Zeit und Geld. Wenn sie ihre Daten per Mausklick in den virtuellen Aktenschrank auslagern – im Internet, sparen sie. Fotocollage: Vera Lehmann, Bilder: pixelio (Gerd Altmann und Rudolpho Du

Marburg. „Wir müssen uns um keinen Computer kümmern“, sagt Thomas Assmann, Geschäftsführer der Zennio Deutschland GmbH. Der Hersteller für Sensoren und Systemgeräte für Gebäudeautomation hat zwei Standorte - in Bad Endbach und im spanischen Toledo. Seit drei Monaten holen die insgesamt 58 Mitarbeiter aus Bad Endbach und Toledo ihre Daten aus der Public Cloud.

Bei einer Public (öffentliche) Cloud nutzen Anwender IT-Leistungen wie beispielsweise Software für Buchhaltung oder Speicherplatz übers Internet - und nicht über ein Netzwerk mit eigenem Rechenzentrum (das wäre eine Private Cloud).Dass insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen durch ihre Datenauslagerung in Public Cloud-Systeme Geld sparen, liegt daran, dass einzelne Dienste einzeln gebucht werden können. Man kann Firmenhandys verwalten, Kundendateien erstellen oder Rechnungen schreiben. Gezahlt wird pro Nutzer - die Dienstleistung sei oft niedriger als die Telefonrechnung - aber auch hier hängen die Preise vom Umfang ab.

Nach Angaben der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG beziehen zehn Prozent der deutschen Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern Dienstleistungen über die sogenannte Public Cloud. Bei den größeren Firmen sind es weit mehr.

Unternehmer spart Servicekosten

Mit Cloud-Anwendungen wollen Betriebe Zeit und Geld sparen: Handwerker, die ihre Bestellungen oder Kundenbetreuung regeln, beauftragen externe IT-Dienstleister, die ihre Daten in der Wolke lagern. Die Betriebe ersparen sich dadurch nicht nur Aktenberge aus Papier, sondern auch Installationen, Downloads, Schulungen der Mitarbeiter, Geräte- und Materialkosten. Das Bad Endbacher Unternehmen spart nun pro Jahr allein an Servicekosten für die Software und die Computer 15000 Euro, sagt Assmann. Auch um Lizenzen für Programme und Software brauche er sich nun nicht mehr zu kümmern, all dies macht der Public-Cloud-Anbieter.

Auch wenn immer mehr kleinere und mittelständische Unternehmen ihre Systeme umstellen, wissen sie noch zu wenig über diese moderne Technologie beziehungsweise haben noch Berührungsängste, stellen Experten wie Gottfried Vossen, Professor für Wirtschaftsinformatik in Münster, fest.

Viele sind unsicher, ob ihre bestehenden EDV-Systeme mit dem Speichersystem im Netz zusammenpassen, hinzu kommen Angst vor Kontrollverlust der eigenen Informationen oder Missbrauch der Daten.

Innenministerium startet Sicherheitskampagne

Die jetzt vor Kurzem gestartete Initiative „Deutschland sicher im Netz“, die unter der Schirmherrschaft des Bundesinnenministeriums steht, will daher solche Ängste abbauen und Unternehmen über Cloud-Lösungen informieren. Mit einem Test können Mittelständler zum Beispiel individuelle Empfehlungen für ihre Datensicherheit erhalten.

Die EU-Agentur für Internetsicherheit weist in einer aktuellen Studie auf Chancen und Risiken von Cloud Computing hin: Die Chancen, von Kostenersparnis bis hin zur sicheren Lagerung der Daten etwa bei einem Brand, stehen Sicherheitsbedenken entgegen. Gesundheits- oder Versicherungsdaten in der Wolke sind laut EU-Agentur „bedenklich”.

Fazit von Professor Udo Helmbrecht, Geschäftsführender Direktor der EU-Agentur: Die öffentliche Cloud biete ein sehr hohes Maß an Verfügbarkeit von Leistungen und sei am kostengünstigsten.

„Dennoch sollte sich ihre Nutzung zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf nicht heikle und unbedenkliche Anwendungen beschränken(…)”, so Helmbrecht weiter.

Kerstin Burfeindt von der Marburger weclapp GmbH, eine von fast 30 Tochtergesellschaften des Konzerns 3U, rät Betrieben, dass sie sich zusichern lassen, dass die Cloud-Dienstleistung, die sie in Anspruch nehmen, in Deutschland liegt. Denn, auch wenn das Internet keine Grenzen kennt, so gelten in Deutschland Regelungen nach dem Bundesdatenschutzgesetz - ein Missbrauch ist also strafbar. Datensicherheit, Zertifizierungen, unabhängige Überprüfungen seien in Deutschland vorhanden.

„Rechenzentrum sollte in Deutschland sein“

Das Marburger Unternehmen Weclapp erhielt das Gütesiegel Cloud-Newcomer 2012 und betreut Kunden aus ganz Deutschland. „Unsere Daten sind im eigenen Rechenzentrum, damit unterliegen wir den deutschen Datenschutzbestimmungen.Das sind die strengsten weltweit”, erklärt Burfeindt.

„Egal ob deutscher oder ausländischer Anbieter: Wichtig ist, dass das Rechenzentrum in Deutschland steht und jährlich TÜV-zertifiziert wird“.

Für wen sich die Datenwolke besonders eignet? „Cloud-Software ist keine branchenspezifische, sonst wäre es keine öffentliche, sondern eine private”, erklärt Burfeindt. Jedes Unternehmen, das Daten verwalte, kann also auf der Wolke Platz nehmen.von Anna Ntemiris

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