Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
„Unsauberes Arbeiten“ endet in Prozess

Arbeitsgericht „Unsauberes Arbeiten“ endet in Prozess

Um insgesamt etwa 20000 Euro stritten sich ein ehemaliger Inhaber eines Marburger Blumengeschäfts und seine ehemalige Angestellte vergangene Woche vor dem Gießener Arbeitsgericht.

Gießen. Aufgrund mangelnder schriftlicher Nachweise wurde die Forderung einer ehemaligen Angestellten eines Marburger Blumengeschäftes von Arbeitsrichter Hans Gottlob Rühle abgewiesen. Der Fall sei nach dem Pingpong-Prinzip abgelaufen, erklärte er diese Entscheidung. Auf einen Vorwurf von der einen Seite, sei einer von der anderen gefolgt. Und wieder zurück. Gegenüber standen sich dabei zwei Parteien, die sich gegenseitig beschuldigten, einander Geld zu schulden.

Nachdem die langjährige Mitarbeiterin eines Marburger Blumengeschäfts im April 2011 ihr Arbeitsverhältnis beendet hatte, reichte sie Klage gegen den Besitzer des Ladens ein. Er schulde ihr knapp 15000 Euro Gehalt. Der Besitzer wiederum, der das Geschäft erst Anfang des Jahres 2010 von seinem Großvater übernommen hatte, stellte daraufhin einen Antrag auf 6500 Euro, die die Klägerin ihm noch zu zahlen hätte. Weitere gegenseitige Vorwürfe wurden im Laufe des Verfahrens formuliert - unter anderem ging es um ein Konto, das mit einer fünfstelligen Summe im Minus lag.

Als der Großvater alters- oder auch „eher umsatzbedingt“, wie Rühle vermutete, sein Geschäft an seinen Enkel abgab, liefen die Geschäfte schlecht. Der Enkel weilte berufsbedingt in Norddeutschland, später in Afghanistan. Während dieser Zeit wurde das Geschäft von der Klägerin betreut. Diese hatte den Laden mehrere Jahrzehnte mit den Großeltern gemeinsam betrieben, die vergangenen zehn Jahre war sie gemeinsam mit der Großmutter Gesellschafterin des Blumenladens gewesen.

Als der Enkel das Geschäft übernahm, zogen sich die Großeltern formell aus den Belangen zurück. Tatsächlich übernahm der Großvater aber weiterhin die Buchhaltung, die Großmutter hielt gemeinsam mit der Klägerin ein Geschäftskonto, über das weiterhin die Einnahmen abgewickelt wurden. Der Enkel managte aus der Ferne. In Absprache mit dem Großvater entnahm die Klägerin jeden Monat der Kasse ihr Gehalt, den Rest zahlte sie auf das Konto ein. So die Schilderungen während der Gerichtsverhandlung.

In ihrer Klage beansprucht die Klägerin nun eine Zahlung von knapp 15000 Euro für sich, die sie an Gehalt zu wenig bekommen habe. Der Enkel wiederum behauptete als Geschäftsinhaber, seine Angestellte habe sich sogar mehr Geld genommen als ihr zustehe und forderte 6500 Euro zurück.

Rühle warf beiden Parteien unsauberes geschäftliches Arbeiten vor, „bei dem es sehr schwierig sei, es aufzudröseln“. Weil die Klägerin keinen Nachweis über den Kontoverkehr und somit keinen Beweis für fehlendes Geld liefern konnte, wurde die Klage abgewiesen. Dem Antrag des Beklagten auf eine Zahlung von 6500 Euro durch die Klägerin wurde stattgegeben, bis die Klägerin den Nachweis erbringt. Sei das der Fall, müsse neu verhandelt werden, so Rühle.

von Kristina Gerstenmaier

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft