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"Uns wurde das Genick gebrochen"

Arbeitsmarktzahlen "Uns wurde das Genick gebrochen"

Die Arbeitslosenquote im Landkreis ist binnen eines Monats von 4,4 auf 5,1 Prozent gestiegen. "Wir stagnieren auf einem guten Niveau", versucht Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit, die Lage zu deuten.

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Marburg. Nein, die Zahlen, die Volker Breustedt, Leiter der Agentur für Arbeit, vorstellen muss, lassen nicht Raum für Optimismus. „Wir können von der Entwicklung, die wir konjukturell festgestellt haben, kein wirklich positives Bild vom Arbeitsmarkt zeichnen“, räumt Breustedt ein. Die aktuellen Zahlen untermauern seine Aussage. 6531 Menschen waren im Januar im Agenturbezirk Marburg arbeitslos gemeldet.

Das sind 129 mehr als im Januar 2012. Das fatale an der Situation: vorerst ist keine Besserung in Sicht. „Wir haben 401 neue Stellen gemeldet bekommen.“ Das sind 14,7 Prozent weniger als vor einem Jahr und 24,3 Prozent weniger als im Dezember 2012.

Entlassungen nach dem Weihnachtsgeschäft

„Der Stellenmarkt ist eher mager, es gibt einfach in weiten Teilen nichts mehr“, erklärt Breustedt. Besonders auffallend an den Zahlen für Januar 2013: es sind vermehrt schlecht ausgebildete Männer, die ihre Arbeit verloren haben. Der Zuwachs an männlichen Arbeitslosen liegt bei 6,7 Prozent.

Insgesamt 2207 Menschen meldeten sich im Januar arbeitslos. 36 Personen mehr als im Januar 2012. Von ihnen waren 1398 Menschen zuvor erwerbstätig. Fast doppelt so viele wie im Dezember (698).

Viele seien extra für das Weihnachtsgeschäft eingestellt worden oder waren in ohnehin krankenden Branchen wie der Lebensmittelherstellung (394), der Metallverarbeitung (202) oder bei Zulieferbetrieben beschäftigt, erklärt der Leiter der Agentur für Arbeit Marburg. „Durch die hohe Zahl an Neukunden wurde uns das Genick gebrochen. Man hat uns die Tür eingerannt. Die Arbeitsagentur hat durch den Kundenzustrom an der Wand gestanden. Aber wir wissen, wo die Tür ist“ so Breustedt weiter. Die Tür, um Menschen wieder in Lohn und Brot zu verhelfen, soll durch gezielte Ausbildung aufgestoßen werden. Dazu setzt der Leiter der Agentur für Arbeit Marburg auf die enge Zusammenarbeit mit den Betrieben. „Unsere Aufgabe ist, dass wir Fachkräfte basteln“, erklärt er. Die Betriebe nennen die Anforderungen, die sie künftig an Facharbeiter stellen, die Mitarbeiter der Agentur für Arbeit suchen dann potenzielle Arbeitskräfte, die sich in den Betrieben aus- und fortbilden lassen. Die Kosten hierfür übernimmt die Agentur für Arbeit. „Diese spezielle Ausbildung innerhalb der Betriebe ist unsere Königsdisziplin. Das hat eine gute Übernahmequote. Aber wir stehen bei den Unternehmen auf der Matte. Klinken putzen ist hier das A und O.

Breustedt beobachtet, dass die Unternehmen der Region zurückhaltender geworden sind. Zahlreiche befristete Verträge sind im Januar ausgelaufen, Arbeitsverhältnisse wurden nicht verlängert. Und die Aussichten auf eine Verbesserung der angespannten Situation ist laut Breustedt nicht in Sicht. „Wir haben gerade eine prognostizierte Steigerung des Bruttoinlandprodukts von 0,3 Prozent. Um eine Beschäftigungssteigerung auszulösen braucht man mindestens eine Steigerung von drei Prozent. Erst dann fängt der Markt an zu brummen. Und in der Zone sind wir noch lange nicht.“ 1317 Personen konnten ihre Arbeitslosigkeit abmelden. 45 Personen (3,3 Prozent) weniger als im Vorjahr. „Das, was wir an Stellen reinbekommen haben, haben wir mit viel, viel Schweiß wieder besetzten können. Wir nutzen jede Möglichkeit. Arbeitsvermittlung passiert nicht nur vor Ort sondern läuft auch über die Grenzen des Landkreises hinaus.“

KreisJobCenter meldet rückläufigen Trend

Auch das KreisJobCenter hält sich mit Positivmeldungen zurück. Aktuell registriert das KreisJobCenter 3709 Langzeitarbeitslose, das sind 278 mehr als im Vormonat, aber 155 weniger als im Vorjahresmonat. „Wir hätten gerne den Trend zurückgehender Arbeitslosenzahlen bestätigt, allerdings ist ein leichter Anstieg in den Wintermonaten durchaus üblich. Es ist nachvollziehbar, dass Unternehmen sich bei Neueinstellungen zum Jahreswechsel zurückhaltend zeigen“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Dr. Karsten McGovern. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger im Kreisgebiet liegt bei 2,7 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie sich auf 2,9 Prozent belaufen. Insgesamt befanden sich zum Stichtag 1729 Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen.

von Marie Lisa Schulz

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