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Uniklinikum Marburg: Frühchen an Keiminfektion gestorben

Klebsiella oxytoca-Infektion Uniklinikum Marburg: Frühchen an Keiminfektion gestorben

Am Uniklinikum Marburg ist ein extrem früh geborener Zwilling gestorben. Bei dem Frühchen war die Infektion mit Klebsiella oxytoca nachgewiesen worden. Auch bei vier Mitarbeitern wurde der Keim gefunden.

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Die winzig kleine Hand und ein Fuß eines Frühgeborenen in einem Brutkasten. 

Quelle: Wolfgang Kumm, dpa

Marburg. Die genaue Todesursache eines extrem früh geborenen Zwillingskindes steht noch nicht fest, erklärte am Montag Professor Jochen Werner, der ärztliche Geschäftsführer des Marburger Universitätsklinikums. Die Zwillinge waren in der 24. Schwangerschaftswoche geboren worden. Das verstorbene Mädchen wog bei der Geburt nur 480 Gramm, so Werner. Bei dem Frühchen war die Infektion mit Klebsiella oxytoca nachgewiesen worden. Nach Angaben des Gesundheitsamts handelt es sich bei dem Erreger um einen weitverbreiteten, nicht meldepflichtigen Darmkeim.

Auch bei dem Geschwisterkind, einem Jungen, sei der Keim nachgewiesen worden, er lebt aber. Wahrscheinlich litten beide Frühchen zusätzlich an einer Stoffwechselerkrankung, so Werner.  Das UKGM habe nach dem Tod des Frühchens alle Kinder und Mitarbeiter der Station untersucht. Es seien keine weiteren Kinder erkrankt oder gefährdet, betonte das Klinikum. Ein Experte des Gesundheitsamts erklärte, dass das Klinikum transparent gehandelt habe. Nach jetzigem Kenntnisstand gehe er nicht davon aus, dass fehlerhaft gehandelt worden sei. Die Behörden und das UKGM erwarten für Dienstag weitere Ergebnisse aus Untersuchungen. Vor allem wollen sie die Übertragungswege finden.

Keim ist bei Erwachsenen harmlos

Die zwei Frühchen infizierten sich in der Marburger Intensivstation für Frühgeborene mit einem Keim, der bei gesundenen Erwachsenen harmlos ist. Doch mit der Infektion mit Klebsiella oxytoca – so heißt der Darmkeim – sanken ihre Überlebenschancen. Denn die Geschwister waren viel zu früh auf die Welt gekommen, wogen bei der Geburt weniger als 500 Gramm und litten an einer Stoffwechselerkrankung. Das Mädchen, es wog 480 Gramm, verstarb am 31. März, berichtete Professor Jochen Werner, der ärztliche Geschäftsführer des Universitätsklinikums.
Der Junge mit einem Geburtsgewicht von 360 Gramm überlebte, er werde derzeit mit Antibiotika behandelt.

Das UKGM hatte gestern kurzfristig zu einer Pressekonferenz eingeladen, um den Tod des Frühchens mitzuteilen. Die genaue Todesursache sei allerdings noch unklar, betonte Werner. Man habe unmittelbar nach dem Todesfall mit der Untersuchung des Vorfalls begonnen. Klebsiella oxytoca sei ein weitverbreiteter, nicht meldepflichtiger Darmkeim. Der Keim weist üblicherweise keine besonderen Resistenzen gegen Antibiotika auf, sodass man gegen ihn medikamentös vorgehen könne. 

„Es ist kein multiresistenter Krankenhauskeim“,  betonte Werner. Wie sich die beiden Frühgeborenen ansteckten, sei noch unklar. Der Erreger wurde bei den anderen Neugeborenen der Intensivstation nicht nachgewiesen. Auch die Mitarbeiter der betroffenen Station seien untersucht worden: Bei vier Beschäftigten sei der Erreger festgestellt worden. Eine Person sei in der besagten Zeit aber gar nicht in der Nähe der Geschwister gewesen, so Werner auf Anfrage der OP. Ob die drei Mitarbeiter die Kinder angesteckt haben? Dazu konnte Werner gestern noch keine Angaben machen.

Weitere Ergebnisse für heute erwartet

Es müsse zunächst geklärt werden, ob es sich um den gleichen Keim-Typ handele. Dr. Martin Just, Fachdienstleiter Gesundheitsaufsicht und Infektionsschutz des Gesundheitsamtes im Landkreis, erklärte, dass mehrere Übertragungswege denkbar seien. Er sehe derzeit keinen Fehler beim Uni-Klinikum. Auch betonte er, dass das Klinikum frühzeitig und freiwillig die Behörden eingeschaltet habe. „Das Klinikum hat transparent gehandelt“, so Just. Es stehen noch weitere Untersuchungsergebnisse aus, die für heute erwartet werden.

Die ­Frühgeborenen-Station, auf der derzeit rund acht ­Frühchen medizinisch betreut werden, könne wie bisher arbeiten. Das erkrankte Frühgeborene liege allerdings allein in einem Raum.

Jeder Tag, jedes Gramm zählt bei Frühchen fürs Überleben
  • Rund 50 Frühgeborene unter 1 500 Gramm kommen im Schnitt pro Jahr im Uni-Klinikum in Marburg zur Welt. 
  • In Deutschland werden laut Statistik jährlich etwa 8 000 Kinder vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren. 
  • Erst ab der 22. Woche gibt es eine Überlebenschance. Die „Grauzone“ liegt zwischen 22 und 24 Wochen.  Die Überlebenschancen von Frühgeborenen stiegen in den vergangenen Jahren. Jeder Tag, jedes Gramm Körpergewicht ist dabei entscheidend. Dennoch gibt es viele Risiken: So sind unreife Frühchen besonders anfällig für Infektionen. Ihnen fehlt das gute Immunsystem, das andere Neugeborene von der Mutter bekommen.
  • Die Händedesinfektion des Klinikpersonals sei besonders wichtig, hatte Professor Rolf Felix Maier, Direktor der Marburger Kinderklinik, in einem OP-Bericht zum Thema Frühchen erklärt. Entscheidend für das Überleben und die Entwicklung der Frühchen sei eine Geburt in einem spezialisierten Perinatalzentrum, wie es dies am Uni-Klinikum in Marburg gibt. von Anna Ntemiris

von Anna Ntemiris

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