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Ungenutztes Ideenpotenziale in Firmen

Studie Ungenutztes Ideenpotenziale in Firmen

Neue Ideen sind in Unternehmen erwünscht, aber die eigenen Mitarbeiter oder Kunden werden in Innovationsprozesse noch zu wenig eingebunden. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie zum Management von Ideen.

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Marburg. Am Anfang steht die Idee. Doch bis aus einem kreativen Gedanken ein neuer Prozess wird, vergeht viel Zeit. Wie man neue Ideen schnell und effektiv im Unternehmen umsetzt, will gelernt sein. Fachleute sprechen von Ideenmanagement. Und das könnte im Land der Ideen, in Deutschland, besser sein.

Das Institut für Technologie- und Innovationsmanagement der Philipps-Universität Marburg hat unter der Leitung von Professor Michael Stephan zusammen mit dem Arbeitskreis Ideenmanagement der Industrie- und Handelskammer, Abteilung Innovationsberatung, eine empirische Studie zum Management von Ideen im deutschsprachigen Raum durchgeführt. Ziel der Studie war es herauszufinden, wie Unternehmen mit dem Ideenpotenzial ihrer Mitarbeiter umgehen. Insgesamt haben sich 730 Unternehmen an der Befragung beteiligt, für 193 Teilnehmer liegen vollständige Datensätze vor. Die Studie soll noch fortgesetzt werden, Unternehmen können am zweiten Teil der Studie noch teilnehmen.

„Die Ergebnisse der Studie zeigen auf den ersten Blick ein positives Bild: Die überwiegende Mehrheit der befragten Unternehmen pflegt zwar einen systematischen Umgang mit den Ideen ihrer Mitarbeiter, aber viele Potenziale bleiben unausgeschöpft“, erklärt Stephan. So verstehen die meisten Unternehmen Ideenmanagement als das bloße Einsammeln von Ideen. Insgesamt zeige sich, dass Unternehmen sehr unterschiedlich an die Organisation und Ausgestaltung ihres Managements von Ideen herangehen. Auch das Erfahrungsspektrum der Unternehmen ist sehr breit gestreut.

Kreativitätsworkshops bringen Aktivität

Die Unterschiede im Entwicklungsstand drücken sich auch in den unterschiedlich hohen Beteiligungsquoten - Anzahl der Ideen pro Mitarbeiter - aus. Der kleinste Wert in der Stichprobe beträgt 0,0, der Maximalwert dagegen 8,75 Ideen pro Mitarbeiter. Der Durchschnittswert in der Studie liegt bei 0,84 Ideen je Mitarbeiter. Wie wichtig ist den Unternehmen ein systematisches Management von Ideen? Auf informeller Ebene wird dem Management von Ideen sehr viel Unterstützung zuteil.

Zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) beurteilen die Unterstützung durch das Top-Management als durchweg positiv. Etwa gleich viele Unternehmen verfügen auch über ein definiertes Budget für das Ideenmanagementsystem. „Erstaunlich ist, dass diese Unterstützung kaum Niederschlag in den Zielvereinbarungen der Manager findet“.

Ein Fazit der Studie: In den meisten Unternehmen herrscht eine passive Sicht im Management von Ideen vor. 74,2 Prozent der Befragten geben an, dass mit ihrem Ideenmanagementsystem vordergründig die vorhandenen Ideen der Mitarbeiter eingesammelt werden sollen. Lediglich ein Drittel versucht, zum Beispiel über Kreativitätsworkshops, aktiv dazu beizutragen, dass Mitarbeiter ihre Ideen äußern.

In den meisten Unternehmen stehen die internen Mitarbeiter und Führungskräfte im Mittelpunkt des Ideenmanagementsystems. Der Experte rät dazu, auch Anregungen von ehemaligen Mitarbeitern, Kunden oder Lieferanten mit einzubeziehen, um die Firma weiterzuentwickeln. Wenige greifen laut Studie bisher systematisch auf die Ideen ihrer Kunden (33 Prozent) und Lieferanten (29,7 Prozent) zurück. Die Ideen von ehemaligen Mitarbeitern finden bei fast drei Viertel der Unternehmen keine Beachtung. „Hier wird ganz offensichtlich Kreativitätspotenzial verschenkt.“ Ein weiterer Rat, den die Fachleute geben: Das System zum Management von Ideen sollte im Unternehmen nicht isoliert betrachtet werden, sondern an Abteilungen wie zum Beispiel am Qualitätsmanagement. „Schnittstellen heben Verbundpotenziale zwischen den Systemen.“

Ein positives Bild zeige die Analyse des Vorgehens bei der Bearbeitung der eingereichten Ideen. Fast die Hälfte der Firmen unterscheide zwischen „kleinen“ und „großen“ Ideen mit Auswirkungen auf die inhaltliche Ausgestaltung der Ideenprüfung und -bewertung. Insgesamt ist die Einbindung der Fachabteilungen bei der Prüfung von großen Ideen deutlich ausgeprägter. Die ökonomisch geringere Bedeutung der kleinen Ideen schlägt sich in einer „schlankeren“ Prüforganisation nieder - die Unternehmen dosieren damit ihren Prüfaufwand.

von Anna Ntemiris

Hintergrund

Diese empirische Studie stellt nach Angaben der Verfasser die bislang umfangreichste Befragung zur Praxis des Managements von Ideen im deutschsprachigen Raum dar. 

In der Analyse des Managements von Ideen betritt die Studie konzeptionelles sowie empirisches Neuland zu vielen Facetten der betrieblichen Ausgestaltung des Managements von Ideen wusste man bislang nichts oder nur sehr wenig. Die Studie soll auch Handlungsempfehlungen für Verbände und Politik geben. Das Thema Management von Ideen wurde bei Industrie- und Handelskammern und Verbänden bislang eher als Unterthema des Innovations- oder Qualitätsmanagements betrachtet, heißt es.

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