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Und plötzlich steht die Welt kopf

Verkehrssicherheitstag an der KSM Und plötzlich steht die Welt kopf

Schüler für den Straßenverkehr sensibilisieren – darauf lag das Augenmerk des Verkehrssicherheitstags an den Kaufmännischen Schulen Marburg (KSM).

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Marie Urff (von rechts) und Andreas Borisow stützen sich auf dem Fahrzeugdach ab, Lars Jockel von der Verkehrswacht erklärt, wie sie sich aus der Lage befreien können.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Marie Urff und Andreas Borisow steigen auf dem Schulhof der KSM in ein Auto, schnallen sich an. So weit nichts Besonderes. Doch der Wagen ist ein Überschlag-Simulator – als die Schüler im Wagen sitzen, entriegeln Herbert Klein und Lars Jockel von der Verkehrswacht zwei Haltebolzen, holen kurz Schwung – und drehen den Wagen auf den Kopf.

Kurzes Kreischen schallt aus dem Wageninneren, dann öffnen die Verkehrswachtler die Türen: Die Insassen haben sich mit Händen oder Ellenbogen auf dem Dach abgestützt, hängen im Sicherheitsgurt.

Jockel und Klein zeigen ihnen nun, wie sie sich aus dieser Lage befreien können: Erst die Füße aufs Dach bringen – und danach das Gurtschloss öffnen und aussteigen. Denn wenn das Gurtschloss vorher geöffnet wird, drohen mitunter schwere Halsverletzungen.„Das war eine witzige Erfahrung“, sagt die 18-jährige Marie Urff. Sie hofft, dass sie nun im Ernstfall weiß, wie sie sich aus einem überschlagenen Fahrzeug befreien kann.

Wenige Meter weiter sitzt Can Kasikara auf einem „Gurtschlitten“: Er ist auf einem Autositz angeschnallt, der Schlitten beschleunigt bis auf elf Stundenkilometer – und kommt dann durch einen „Aufprall“ zum Stehen. „Ich hatte es mir zwar schlimmer vorgestellt“, sagt der 17-Jährige, „aber den Aufprall habe ich doch deutlich gespürt.“

Startschuss fiel bereits vor 15 Jahren

Genau darum ging es beim Verkehrssicherheitstag, den die KSM alle zwei Jahre veranstalten. „Wir haben knapp 2000 Schüler, die alle im führerscheinfähigen Alter sind“, erläutert Schulleiter Siegmar Günther. „Und natürlich haben wir auch die Klientel, die am Wochenende gerne auf die Walz geht – wir beklagen fast jedes Jahr einen Schüler, der durch Verkehrsunfall ums Leben kommt“, so Günther.

Dieses Jahr sei dies bisher zum Glück noch ausgeblieben. „Mit dem Tag wollen wir den Schülern Grenzen aufzeigen – die Grenzen der Physik und die des Körpers“, erläutert der Schulleiter.

Vor diesem Hintergrund unterstütze man die Initiative des Projektkoordinators Andreas Dittmann, der vor 15 Jahren den Startschuss für die Aktion gegeben habe. Dass der Aktionstag nicht bei allen Schülern eine Verhaltensänderung hervorrufen wird, dessen ist sich der Schulleiter durchaus bewusst. „Aber zumindest kann es zu einem Innehalten und zum Nachdenken kommen“, sagt er. Und ist sich sicher: „Das selbst Erleben ist entscheidend.“

Bei Laser-Messung erwacht der Jagdinstinkt

Auch Stadträtin und Schuldezernentin Kerstin Weinbach (SPD) sieht in dem Aktionstag „ein wichtiges Thema gerade für die Altersspanne der jungen Erwachsenen, die sich zum ersten Mal motorisiert in den Verkehr begeben“. Man wisse aus der Gehirnforschung, dass „die Fähigkeit zur Risikoeinschätzung erst mit 25 Jahren abgeschlossen ist, daher ist es wichtig, immer wieder empfindungsnah darauf hinzuweisen, was passieren kann“.

„Empfindungsnah“ erlebten die Schüler nicht nur Überschlag oder Aufprall, sondern auch mittels Rauschbrille, welche Auswirkungen Alkohol hat. Das konnten sie auch im Fahrsimulator feststellen.

Und bei der Geschwindigkeitsmessung mit der Polizei gegenüber der Schule sei laut Andreas Dittmann „bei einigen Schülern sogar der Jagdinstinkt erwacht“. Informationen gab es zudem zum Thema Führerscheinerwerb und -verlust oder Versicherung ebenso, wie zu der Aktion „Verkehrssicher in Mittelhessen“ von der Polizei.

Auch informierte der Tüv unter dem Motto „Tiefer, breiter, härter“ zu technischen Veränderungen an Autos und deren Folgen für die Verkehrssicherheit. Und im „Sehmobil“ eines Optikers konnten die Schüler einen Sehtest absolvieren.

von Andreas Schmidt

 
  Can Kasikara beim Aufprall mit dem Gurtschlitten. Foto: Andreas Schmidt
 
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