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Unbekannte Berufe in der Gießerei

Arbeitskreis SchuleWirtschaft Unbekannte Berufe in der Gießerei

15 verschiedene Ausbildungsberufe bietet die Firma Fritz Winter an. ­Darüber informierten sich gestern bei einer Werksbesichtigung ein Dutzend Lehrer und zwei Schüler.

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Viele Arbeiten sind bei Fritz Winter automatisiert – deshalb braucht das Unternehmen zum Beispiel Gießereimechaniker.

Quelle: Willi Schuhmacher

Stadtallendorf. Das ­flüssige Eisen sieht aus wie ein dünner Lavastrom. 1 600 Grad heiß ist das Material, wenn es hell leuchtend aus dem Kupolofen kommt. Mit großen Gießstaplern wird es zur Veredelung gebracht, damit es exakt den richtigen Kohlenstoff- und Siliziumanteil bekommt, ehe es in der Formanlage gegossen wird. Was sonst nur Mitarbeiter von Fritz Winter zu sehen bekommen, bestaunen diesmal ein Dutzend Lehrer und zwei Schüler bei einer Werksbesichtigung.

Gießerei-Bereichsleiter Firat ­Saritekin und der stellvertretende Betriebsrats-Vorsitzende Norbert Genth zeigen der Gruppe des Arbeitskreises SchuleWirtschaft, welche Ausbildungsmöglichkeiten es bei Winter gibt. Das Wummern und Zischen von Maschinen ist überall zu hören, es riecht nach Eisengießerei. Dennoch ist hier ­heute vieles anders als auf dem alten Bild, das heute noch in der Werkstatt hängt.

Foto: Tobias Hirsch

„Ein Gießerei-Arbeiter musste starke Arme haben und große, schwere Kästen heben“, sagt Sebastian Höhn, der bei Winter für Personalentwicklung zuständig ist. Heute sind viele Aufgaben in der Gießerei automatisiert. Roboter pressen zum Beispiel ein Sandgemisch für die Kerne und Formen, in die das Eisen für Bremsscheiben gegossen wird. Der Sand wird anschließend wiederverwertet. Auch das Einfüllen des Eisens in die Formen erledigen Maschinen. Und schmutzig ist es im Werk heutzutage auch nicht mehr.

Haupt- und Realschüler werden gerne genommen

In der Nähe des flüssigen Eisens ist es so heiß wie direkt vor einem großen Grill. „Verkokele ich mir da meine Haare?“, fragt eine Lehrerin besorgt. In der Kabine, von der aus die Mitarbeiter die Prozesse steuern, ist es dagegen angenehm klimatisiert. Auf Monitoren sehen sie, was draußen vor sich geht und ob die vom Kunden gewünschten Parameter eingehalten werden. Eine Aufgabe, die zum Beispiel ein Gießerei-Mechaniker ausführen kann.

„Der Beruf des Gießerei-Mechanikers ist nicht so bekannt“, bedauert Saritekin. „Die Interessenten rennen uns nicht die Bude ein“, hat auch Genth festgestellt. „Aber wir ­machen intensive Werbung.“ Auch den Beruf des Maschinen- und Anlagenführers, der in der automatisierten Produktion benötigt wird, kennen viele Jugendliche nicht. Oder den technischen Modellbauer, dessen Arbeit die Grundlage für die Gussformen bildet.

Daneben bildet Winter in den beiden Stadtallendorfer Werken mit ihren mehr als 3 500 Mitarbeitern unter anderem Industrieelektriker, Elektroniker, Mechatroniker, Industriemechaniker, Werkzeugmechaniker, Zerspanungsmechaniker, Fachinformatiker und ­Industriekaufleute aus. Auch Hauptschüler sind bei Winter gern gesehen, betont Höhn: „Haupt- und Realschüler sind uns die allerliebsten. Sie passen gut in die technischen Berufe und arbeiten gerne praktisch.“

„Lehrer bekommen Beratungskompetenz“

Seinen Mitarbeitern bietet das Unternehmen viele Weiterbildungen und sogar die Möglichkeit zu Auslandsaufenthalten an. Immerhin beliefert Fritz Winter fast weltweit Auto- und Nutzfahrzeughersteller mit Bremsscheiben, Motoren- und Hydraulikteilen. „Tag für Tag fahren Teile von Fritz Winter an Ihnen vorbei“, sagt Höhn.

Den Trend zur Elektromobilität sieht er gelassen, auch wenn dadurch Gussteile in Autos wegfallen könnten. „Klar werden sich Tätigkeiten verändern“, meint er. „Aber die Hallen, durch die Sie gelaufen sind, haben sich auch in den vergangenen zehn Jahren schon verändert.“
„Ihre Schüler sind unsere zukünftigen Auszubildenden“, sagt Höhn zu den Lehrern.

Genau das ist auch aus Sicht der Pädagogen das Ziel der Betriebsbesichtigungen, erklärt Rainer Hoffarth, der an der Adolf-Reichwein-Schule unterrichtet. „Lehrer bekommen dadurch eine ganz andere Beratungskompetenz.“
Zudem können Lehrer auch Schüler mitbringen, die sich gezielt über einzelne Unternehmen informieren wollen.

So wie Samet Akim aus Stadtallendorf und Alex Tschernezki aus Kirchhain. Die beiden 16-Jährigen waren bereits bei der „Nacht der Gießereiberufe“ in dem Werk, wollen aber noch mehr erfahren. „Ich will Elektroniker werden und mich hier bewerben“, erklärt Alex. Samet will eigentlich Mechatroniker für Kältetechnik werden – das gibt es bei Winter nicht. Beide Schüler sind sich aber nach der Besichtigung einig: „Es hat sich schon gelohnt.“

von Stefan Dietrich

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