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Umbruch in Marburger Hotelbranche

Rosenpark gibt Sterne ab Umbruch in Marburger Hotelbranche

Die historische Universitätsstadt zieht Touristen und Tagungsgäste aus aller Welt an. Während die Stadt die Ansiedlung weiterer Hotels forcieren möchte, kämpft die Branche um volle Auslastung.

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Der „Vila Vita Rosenpark“ startet umfangreiche Sanierungsarbeiten und plant ein neues Gastronomie-Konzept.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Marburgs Hotelbranche wird sich verändern. Das einzige 5-Sterne-Hotel in der Region, das „Vila Vita Rosenpark“, 
soll grundlegend saniert werden, bestätigte Hoteldirektor Simon Hunger der OP.

Spätestens mit Abschluss der Sanierungen im Mai 2017 werde sich der „Rosenpark“ unter der Geschäftsführung von DVAG-Chef Andreas Pohl nicht mehr als Sterne-Hotel klassifizieren lassen.

Der Grund: Viele Tagungs- und Businessgäste, etwa aus der Pharmabranche, dürfen im Zuge neuer Firmenkodexe nicht mehr in Luxushotels übernachten. Dabei wolle man genau diese Kunden erreichen und weiterhin Fünf-Sterne-Standard bieten. „Wir wollen aber keinen Prunk und Protz“, so Hunger. Während der umfangreichen Bauarbeiten soll der Hotelbetrieb eingeschränkt weiterlaufen.

Auch Mario Pick, Geschäftsführer der Welcome Hotels, erklärt, dass das Gastgewerbe außerhalb der Hochsaison durchaus Kapazitäten habe. Dass die Stadt Marburg nun die Ansiedlung weiterer Hotels forciere, könne er daher nicht nachvollziehen.

Laut Statistik nehmen die Touristenzahlen in Marburg kontinuierlich zu. „Aber eine volle Hotel-Auslastung in der Stadt gibt es etwa dreimal im Jahr“, so Pick. Gerüchte, wonach die Hotel-Gruppe verkauft worden sei, dementierte er. Als Anteilseigner überprüfe die Haus Cramer Gruppe jedoch ihr Portfolio, sagte er. Ein Ergebnis sei offen.

Standard statt Sterne

Leichtigkeit statt Luxus: Das Fünf-Sterne-Superior-Hotel „Rosenpark“ baut nach und nach das Haupthaus und die Residenzen um. Zudem setzt die Eigen­tümerfamilie Pohl auf ein neues Ambiente. „Der Rosenpark wird der Rosenpark bleiben“, sagt Simon Hunger, der seit Anfang des Jahres das Fünf-Sterne-
Superior-Hotel leitet.

Das über die Region hinaus bekannte Hotel war sozusagen das erste Flagg­
schiff des verstorbenen DVAG-Gründers Dr. Reinfried Pohl und seiner Ehefrau Anneliese. Dennoch wird sich für die Gäste und Mitarbeiter in den nächsten Wochen einiges grundlegend verändern. Der 1999 gebaute „Rosenpark“ wird sich nicht mehr als Sterne-Hotel klassifizieren, dennoch aber seinen hohen Standard anbieten, erklärt Hunger.

Die Gründe sind pragmatisch: „Die Urteile der Online-Bewertungsportale spielen mittlerweile eine wichtige Rolle“, die Sterne seien vielen Gästen nicht mehr das Wichtigste. Und zudem erlauben es viele Unternehmen ihren Führungskräften 
nicht mehr, auf Dienstreisen in Luxushotels zu übernachten. Daher habe man sich zuletzt mit der Klassifizierung selbst im Wege gestanden, formuliert es Hunger vorsichtig. Das neue Konzept sei noch nicht in trockenen Tüchern, man überlege sich zum Beispiel, sich als „Privathotel“ zu bezeichnen. Schließlich gehört der „Rosenpark“ den Pohl-Erben, Geschäftsführer ist der DVAG-Vorstandsvorsitzende Andreas Pohl.

All das, was ein Fünf-Sterne-Hotel auszeichne, und darüber hinaus werde der Rosenpark weiterhin bieten, sagt Hunger. „Wir bleiben im Herzen Gastgeber, auch wenn wir uns keine Sterne mehr anhängen“, so der 39-Jährige. Eine 24-stündige Besetzung der Rezeption sowie modernste Ausstattung sei heute nunmal kein Luxus mehr, sondern selbstverständlicher Komfort. Die Hotelbranche habe sich verändert, der Kunde wolle hohe Standards – verbunden mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit. Dies soll sich auch in der Auswahl der Möbel und Innenausstattung widerspiegeln. „Wir werden 
weniger bunte Röschen haben“, sagt Hunger.

Italienische Küche 
für jedermann

Die ersten Bauarbeiten haben bereits begonnen, ab Februar soll es richtig losgehen. Wasser- und Elektroleitungen sowie Internettechnologie werden erneuert. Die komplette Sanierung der Zimmer und Appartements werde häuserweise vorgenommen. In hinteren Haus 6 finden derzeit bereits die ersten Bauarbeiten statt. 110 der 190 Zimmer sollen nach jetzigen Planungen während der Sanierungsphase 
belegbar sein, sagt Hunger. Schließlich wolle man beispielsweise die Vermögensberater, die sich im benachbarten DVAG-Congresszentrum weiterbilden lassen, als Übernachtungsgäste halten.

Die auffälligste Veränderung ist im Haupthaus geplant. Ab Mai werden das Rondell, die Rezeption und das Restaurant umgestaltet. Die Hotelbar, die sich bisher auf der Ebene des Empfangs befand, soll ins obere Stockwerk ziehen. Das eher rustikale Restaurant „Zirbelstube“ bleibt erhalten, der edlere „Rosenkavalier“ wird geschlossen. Stattdessen wolle man den Gästen künftig eine „einfache italienische Küche“ anbieten. Das Restaurant soll nicht nur für Hotelgäste, sondern für die breite Öffentlichkeit eine gute Adresse werden. Zudem habe die Vila-
Vita-Gruppe bereits mit dem „Esszimmer“ in unmittelbarer Nähe und dem „Waldschlösschen“ in Dagobertshausen eine gehobene Küche.

Während des Umbaus des Hotelrestaurants werde den Gästen nur Frühstück angeboten, ein Shuttleservice nach Dagobertshausen sei in Planung. Ein Teil der fast 130 Angestellten und Auszubildenden wird laut Hunger während der Umbauarbeiten andernorts oder in den anderen vier Hotels der Vila-Vita-Gruppe tätig sein. Patissier Eric Lehr wird zum Beispiel für zwei Monate in Portugal beim Zwei-Sterne-Koch Hans Neuner in die Lehre gehen, berichtet 
Hunger.

Angaben zur Investitionssumme machen die Besitzer nicht. Von einer zweistelligen Millionensumme ist auszugehen. Hunger erklärt, dass die Pläne noch nicht abgeschlossen seien. Auch der Name für das neue Restaurant sei noch nicht gefunden. Dass die Gerüchteküche in Marburg langsam anfängt zu brodeln, weiß der gebürtige Schwabe. Er hat in der Gastronomie von der Pike auf gelernt.

von Anna Ntemiris

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