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UKGM reagiert mit Sieben-Seiten-Brief

"Spiegel"-Bericht: "Krank hinein, krank heraus" UKGM reagiert mit Sieben-Seiten-Brief

Unter dem Titel „Krank hinein, krank heraus“ berichtet der „Spiegel“ auf drei Seiten über geschädigte Patienten und die Situation des UKGM. Die Mitarbeiter erhielten nun eine siebenseitige Stellungnahme der Geschäftsführung.

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Der Artikel im Spiegel 7/2014: "Krank hinein, krank heraus"

Quelle: Scan aus dem "Spiegel"

Marburg. Schlaganfall nach der Katheter-Untersuchung: Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet in der aktuellen Ausgabe über Patienten, die nach ihren Angaben am Universitätsklinikum in Gießen falsch behandelt worden waren. Das Magazin schreibt über Fälle aus zurückliegenden Jahren, unter anderem über Hannelore E., die nach einem Eingriff in Gießen an den Rollstuhl gebunden sei. Die Frau befinde sich im Rechtsstreit mit dem UKGM, heißt es.

Das Magazin zitiert unter anderem eine Ärztin vom Bündnis „113“ in Marburg. Sie ist der Ansicht, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern ein Grundsatzproblem herrscht: Seit der Privatisierung des Uni-Klinikums sei „ein eklatanter Einbruch in der Gesundheitsversorgung“ festzustellen.

Diese Ansicht ist nicht neu, neu ist auch nicht die Dokumentation, die der „Spiegel“ vorlegt: So wird aus einem internen Brandbrief des Personalrats vom Februar 2013 zitiert, in der dieser erklärte, dass hochqualifiziertes Personal abwandert und die Geschäftsführung des UKGM Neueinstellungen bei freiwerdenden Stellen verhindere.

Geschäftsführung widerspricht "pauschaler Verurteilung"

Die Geschäftsführung des UKGM reagierte am Montag mit einem siebenseitigen Info-Brief, den alle Mitarbeiter in Gießen und Marburg erhalten haben. „Der pauschalen Verurteilung der medizinischen und pflegerischen Versorgungsqualität im UKGM widersprechen wir voller Überzeugung, da kein Zweifel an Ihrer bestmöglichen und sehr verantwortungsbewussten und zugewandten Arbeit für unsere Patientinnen und Patienten besteht“, heißt es in dem Brief, den die sechs Geschäftsführer unterzeichnet haben.

Die im „Spiegel“ genannten Patientenfälle seien der Geschäftsführung nicht vorgelegt worden, sodass diese keine Stellung habe beziehen können. Die UKGM-Spitze hat in ihrem internen Info-Brief die Fragen der Spiegel-Redakteure und die Antworten angehängt. UKGM-Sprecher Frank Steibli sagte auf Anfrage der OP: „Wir haben den Fall von Hannelore E., der einzigen im Artikel namentlich offen genannten Patientin, recherchiert und können dazu Folgendes sagen: Zurzeit gibt es noch kein gerichtliches Verfahren. Unsere Haftpflichtversicherung überprüft derzeit die Vorwürfe der Familie. Sollte es zu einem gerichtlichen Verfahren kommen, werden externe Gutachter sich den Fall genau ansehen und bewerten.“

Mitarbeiter am UKGM wundern sich unterdessen über die mit dem Info-Brief ausführliche Reaktion des UKGM. Wenn doch der „Spiegel“ nichts Neues ausgegraben hat, warum mache dann das Klinikum so viel Wind um die Sache, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Ein Marburger Personalratsmitglied habe inzwischen erklärt, dass der interne Brief aus dem Jahr 2013 ohne Wissen des Gremiums an die Medien weitergeleitet worden sei. Nach unbestätigten Informationen der OP soll nun aus Kreisen des Personalrats gar eine Gegendarstellung erwogen werden.

Die aktuelle bundesweite Aufmerksamkeit ist dem UKGM ein Dorn im Auge. „Im vergangenen Jahr war es aus unserer Sicht (...) gelungen, die politische Debatte zu beruhigen, (...), heißt es. Im hessischen Landtag wird das UKGM aber demnächst wieder auf der Tagesordnung stehen. Der Stichtag naht: Die hessische Landesregierung hat dem Rhön-Konzern noch bis zum 28. Februar 2014 Zeit gegeben, um die moderne Partikeltherapieanlage in Betrieb zu nehmen. Wenn Rhön das Ultimatum erneut verstreichen lasse, sollte das Land nun gegen den Konzern klagen, fordert die hessische SPD-Fraktion in einem Antrag.

Partikeltherapie: Der Stichtag naht

Die SPD fordert zudem, dass Marburger Wissenschaftler die Regie für die moderne Krebsbehandlung durch die Partikeltherapie übernehmen. „Die Anlage wurde aus hessischen Steuergeldern finanziert. Daher muss die medizinische und wirtschaftliche Leitung am Universitätsklinikum Gießen und Marburg angesiedelt sein“, sagt Dr. Thomas Spies, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, im OP-Gespräch.

Hintergrund ist, dass das Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum als Kooperationspartner für die Inbetriebnahme im Gespräch ist. Die SPD wolle vermeiden, dass das Marburger Projekt von Baden-Württemberg aus gesteuert werde. UKGM-Geschäftsführer Martin Menger hatte Mitte Januar erklärt, Rhön-Klinikum AG und Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum bereiteten gemeinsam die Zulassung und den Betrieb des Partikeltherapiezentrums auf den Lahnbergen vor.

Die moderne Anlage ist im Besitz der Firma Siemens, die sich zum Thema PTZ nicht äußert. Das UKGM hält sich ebenfalls bedeckt. Die Gespräche befinden „sich mit allen Beteiligten in einer entscheidenden Phase“, erklärte UKGM-Sprecher Steibli.

von Anna Ntemiris

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