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UKGM plant Ärzte-Zentrum auf den Lahnbergen

Rhön-Klinikum AG UKGM plant Ärzte-Zentrum auf den Lahnbergen

Das vom Rhön-Konzern betriebene Universitätsklinikum in Marburg will einen Gesundheitscampus als neues Diagnostik- und Ambulanzzentrum errichten, bestätigte die UKGM-Geschäftsführung der OP.

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Das Uni-Klinikum Marburg wird seit zehn Jahren von der Rhön AG betrieben.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Spitze des UKGM hat bereits erste Pläne für die Errichtung eines Ärzte-Zentrums auf den Lahnbergen in Marburg in Auftrag gegeben. Ähnliches sei auch am Standort Gießen geplant. Dies bestätigte der Marburger UKGM-Geschäftsführer Dr. Gunther Weiß auf Anfrage der OP.

Seitdem die OP vor zwei Wochen berichtete, dass der Rhön-Konzern die ambulante Flächenversorgung in Marburg am Universitätsklinikum ansiedeln möchte, ist die grundsätzliche Diskussion über die Entwicklung des UKGM wieder aufgeflammt.

Vor diesem Hintergrund erklärte Weiß am Dienstagabend vor heimischen Wirtschaftsvertretern, dass jetzt „wichtige Weichenstellungen“ vorgenommen werden müssten, um die Unterfinanzierung des Klinikums zu beseitigen.

So soll am UKGM ein Gesundheitscampus als neues Diagnostik- und Ambulanzzentrum errichtet werden. Erste Ideenskizzen liegen vor, Beschlüsse, Kostenrechnungen oder gar Verträge gibt es noch nicht, erklärte Weiß (kleines Foto: Richter) im Gespräch mit der OP.

Er sprach von 20 bis 30 Arzt-Praxen, die auf den Lahnberge eröffnet werden könnten. Die niedergelassenen Fachärzte würden mit dem UKGM zusammenarbeiten. Mit neuer Struktur in der Ambulanz und Diagnostik könne der UKGM-Standort Marburg wirtschaftlicher betrieben werden, sagt der Geschäftsführer.

Die Privatisierung des Universitätsklinikums vor zehn Jahren war rückblickend betrachtet für die Region Marburg „kein Glücksfall“, für den Standort Gießen allerdings schon. Zu dieser Bewertung kommt Dr. Gunther Weiß, Geschäftsführer des UKGM in Marburg. Vor Mitgliedern des Arbeitskreises für Kommunal- und Wirtschaftsfragen (AfK) spricht er am Dienstagabend deutliche Worte.

„Er geht sehr offen mit Themen vor, die, retrospektiv betrachtet, keine glückliche Entscheidung waren“, sagt Thomas Janssen, Pharmaserv-Geschäftsführer und Vorsitzender des AfK am Ende der Veranstaltung.

Zuvor ist es ganz still im Raum, wenn Weiß Sätze sagt wie: In Gießen trieben die Klinikdirektoren den Prozess der Privatisierung und Fusion voran „und Rhön darf dabei sein“. Gießen ging die Fusion mit einer schlechteren Ausgangslage als Marburg ein, der Investitionsstau wurde mit der Privatisierung aufgelöst, sagt Weiß.

Auch gebe es in Gießen Fortschritte wie die elektronische Patientenakte oder W-Lan, „von denen wir träumen können“. Die Struktur der Fusion sei „ein echter Geburtsschaden“, so Weiß. „Vielfältige Wechselbeziehungen zwischen den unterschiedlichen Vertragspartnern sind teilweise bis heute Ursache für noch nicht erreichte Abstimmungen.“

Auf Fachkongressen würden ihm Kollegen mitteilen: „Gut, dass es euch gibt. Deswegen wird es kein zweites privatisiertes Klinikum in dieser Struktur geben“. Von 34 Uni-Kliniken in Deutschland sei und bleibe das UKGM die einzig privat betriebene.

Gesundheits-Campus:

Um die Entwicklung am Standort Marburg nun zu „gestalten“, könnten neue Ideen helfen, sagt Weiß und gibt den Wirtschaftsvertretern Beispiele. Derzeit zähle das UKGM zu viele Notfallpatienten, 70.000 im Jahr. Viele dieser Patienten seien eigentlich kein Fall für den Notdienst. Wenn das Klinikum dort weiterhin solch eine große Zahl behandele, „gehen wir kaputt“.

„Wir müssen sortieren“, so Weiß. Ein Lösungsansatz wäre die Errichtung eines Gesundheits-Campus auf den Lahnbergen. Das Prinzip sei andernorts, etwa in Hamburg, erfolgreich: Niedergelassene Fachärzte siedeln ihre Praxen am UKGM an. Diese Ärzte sind für Diagnostik und Ambulanz zuständig, können ihre Praxen auch abends und am Wochenende öffnen. Die Nähe zur stationären Aufnahme wäre da, und die Praxis-Ärzte könnten auch Untersuchungen für das UKGM übernehmen.

Die Vermeidung von Fehlverteilungen und Fehlbetreuungen sei ein weiteres Ziel. Auf Anfrage der OP erklärt Weiß, dass das Projekt nicht gleich umgesetzt werden könnte, vielleicht erst in zwei Jahren. Der Vorstand habe am Dienstag grünes Licht gegeben. Erste Illustrationen gibt es bereits, das Gesundheitszentrum könnte neben der Kopf-Klinik gebaut werden. Die nächste Konkretisierung werde im Sommer erfolgen. Allerdings gibt es laut Weiß bereits Anfragen von Ärzten, die ihre Praxis auf den Lahnbergen eröffnen wollen.

Ärztevereinigung kündigt Widerstand an

Für den Rhön-Sitz Bad Neustadt gibt es ein Konzept für einen Gesundheits-Campus. Die Übertragung des Konzepts auf den Standort Marburg wurde in einer Ausschusssitzung des Rhön-Aufsichtsrats nach Informationen der OP bereits erörtert. Die OP hatte vor zwei Wochen exklusiv berichtet, dass Aufsichtsratschef Eugen Münch die weitere Existenz von Marburg nur in der Schaffung ambulanter Strukturen mit dem Ziel, die ambulante Flächenversorgung weitgehend zu übernehmen, sieht.

So steht es in einem internem Aufsichtsratsprotokoll. Die Ärztevereinigung „Prima“ kündigte Widerstand an. Man werde die Patientenströme nicht auf die Lahnberge lenken, hieß es. Die UKGM-Spitze betont, dass sie in den nächsten Tagen und Wochen mit den Klinik­direktoren und niedergelassenen Ärzten über gemeinsame Wege sprechen will. Strukturen sollten zum Wohle der Patienten verbessert werden, heißt es.

Das Partikeltherapiezentrum auf den Lahnbergen wird im Oktober die ersten Patienten aufnehmen. Die Heidelberger Uni-Klinik ist Mehrheitsgesellschafter des Zentrum. Rund tausend Krebspatienten aus ganz Deutschland werden laut Weiß pro Jahr erwartet.

 Die Gebäude der Zahnklinik am Ortenberg sind alt, eine Sanierung sei nicht vorgesehen, sagt Weiß auf Anfrage. Er wünscht sich einen Neubau mit 3400 Quadratmetern auf den Lahnbergen.

 Das UGKM in Marburg hat entgegen der Ankündigung und nach öffentlicher Kritik nun doch alle elf Azubis, die das Examen bestanden und eintreten wollten, übernommen.

von Anna Ntemiris

 
Geschäftsbericht
Die Patientenzahlen am UKGM steigen leicht. Auf den Stationen wurden im vergangenen Jahr 46 281 Menschen behandelt, im Vorjahr waren es 45.752. Ambulant sind es mehr als 152.000 Patienten. Das UKGM schloss das Jahr 2014 laut Rhön-Bilanz mit einem Ergebnis von Minus 5,6 Millionen Euro. Im Jahr 2013 hatte das UKGM noch einen Gewinn von fast zwei Millionen Euro erzielt.
 

Mitarbeiter bestimmen Vertreter für Rhön-Aufsichtsrat

Am 12. Mai können mehr als 4000 Mitarbeiter am UKGM Marburg, die Delegierten für die Wahl der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG wählen. Für Marburg müssen 24 Delegierte gewählt werden. Zur Wahl treten 2 Listen an: Die Liste 1 Marburger Bund und Liste 2 Verdi. Die gewählten Delegierten werden am 2. Juni in Bad Neustadt die sechs Arbeitnehmersitze im Aufsichtsrat wählen. Die Marburger und Gießener Delegierten haben doppeltes Stimmrecht.

Für den Standort Marburg werden sich Björn Borgmann und Bettina Böttcher (beide Verdi) um einen der Plätze im Aufsichtsrat bewerben. Für die Liste Marburger Bund wird dies aller Voraussicht nach Dr. Franz-Josef Schmitz sein, teilt Michael Kroll, Vorsitzender des Betriebswahlvorstandes mit. Die Aufsichtsratsvergütung der Verdi-Leute muss „bis auf eine Aufwandsentschädigung“ an die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung abgeführt werden, teilt Verdi mit, ohne Zahlen zu nennen.

Zurzeit sind im Kontrollgremium von Rhön unter anderem Georg Schulze-Ziehaus von Verdi Hessen sowie die UKGM-Betriebsratsvorsitzenden Bettina Böttcher aus Marburg und ihr Gießener Kollege Klaus Hanschur. Laut Rhön-Geschäftsbericht 2014 erhielt Schulze-Ziehaus für seine Tätigkeit im Aufsichtsrat insgesamt 119.000 Euro, Böttcher 78.000 und Hanschur 70.000 Euro.

Die Rhön AG teilte jetzt mit, dass der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende und Firmengründer Eugen Münch erneut vom Unternehmen zur Wahl in den Aufsichtsrat nominiert worden ist. Die neu bestellten Aufsichtsratsmitglieder werden während der Aktionärsversammlung am 10. Juni ihren Vorsitzenden wählen. Zudem soll der Aufsichtsrat dann von bislang 20 auf 16 Mitglieder verkleinert werden.

von Anna Ntemiris

 
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