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UKGM hofft auf Millionen-Investitionen

Kliniksverkauf UKGM hofft auf Millionen-Investitionen

Einer der größten Deals im umkämpften Krankenhausmarkt betrifft auch das UKGM - aber die beteiligten Konzerne Rhön und Fresenius beschränken sich auf blumige Worthülsen zur Erklärung.

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Das UKGM bleibt Teil des Rhön-Konzerns.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Im Universitätsklinikum auf den Lahnbergen und am Ortenberg gab es am Freitag vor allem ein Thema: den Verkauf eines großen Teils der Rhön-Kliniken an Fresenius. Viele Mitarbeiter fürchten, dass der Verkauf auch Auswirkungen auf ihren Arbeitsplatz hat. Die Rhön-AG ist zu 95 Prozent Eigner des UKGM.

In einer „Mitarbeiterinformation“ teilte der Rhön-Vorstandsvorsitzende Dr. Dr. Martin Siebert mit, auf Grundlage eines Netzwerkvertrages werde die „neue Rhön“ künftig eng mit der Fresenius-Tochter Helios Kliniken GmbH kooperieren und das Konzept der „Netzwerkmedizin“ umsetzen. Den Beschäftigten versprach Siebert eine „sichere Zukunftsperspektive“.

Verdi verlangt Standort-Garantien

„Netzwerkmedizin“ ist ein Stichwort, das sowohl den Rhön-Gründer Eugen München als auch Fresenius-Chef Ulf M. Schneider seit Jahren umtreibt. Schon bei der gescheiterten Übernahme der Rhön AG durch Fresenius im vergangenen Jahr ging es beiden strategisch darum, ein enges Versorgungsnetzwerk aufzubauen: Innerhalb einer Stunde soll jeder Patient in einem Krankenhaus von Helios oder Rhön sein. Zu dem Konzept gehören auch gemeinsame Aus- und Weiterbildungsprogramme sowie gemeinsame Forschungsprojekte.

Gemeinsam hatten Rhön und Fresenius außerdem die Idee einer Zusatzversorgung auf den Weg gebracht. Wer sie abschließt, wird künftig in den 117 Krankenhäusern von Rhön und Helios vom gesetzlich Versicherten zum Privatpatienten hochgestuft. Praktiziert wird das schon in den jetzigen 74 Standorten der Helios-Gruppe.

Die Gewerkschaft Verdi verlangt nach der Übernahme eines Großteils der Rhön-Kliniken durch den Medizinkonzern Fresenius Regeln zur Sicherung der Standorte. Es sei zu befürchten, dass der Kaufpreis von mehr als drei Milliarden Euro vor allem von den Beschäftigten erwirtschaftet werden müsse. „Das bedeutet höhere Arbeitsverdichtung und mehr Druck auf die Löhne“, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler. Verdi will sofort Verhandlungen mit Fresenius aufnehmen, „um den Arbeitnehmern bei Rhön und Helios Sicherheit und Schutz zu geben“.

Zu den Auswirkungen auf das UKGM gab es am Freitag keine oder bestenfalls schwammige Aussagen. UKGM-Vorstand Martin Menger ließ mitteilen, das UKGM werde „einen kräftigen Schub nach vorne bekommen, durch den Mittelzufluss aus der Transaktion weitere Investitionen vornehmen können und gestärkt aus dieser Veränderung hervorgehen“.

Landesregierung: Verkauf stärkt Möglichkeiten für Investitionen

Zur Investitionssumme äußerte sich Rhön nicht. Über die ­Zukunft der Partikeltherapieanlage in Marburg - ob diese nun für Patienten in Betrieb genommen wird oder abgebaut wird - hieß es erneut nur lapidar: „Die Gespräche laufen“.

Die Hessische Landesregierung teilte nach zwei drängenden Nachfragen der OP folgende Stellungnahme mit: „Die Rhön Klinikum AG konzentriert sich mit ihrer Neuausrichtung erklärtermaßen auf Spitzenforschung und universitäre Forschung. Durch den Verkauf der Kliniken ändert sich nichts an den Besitzverhältnissen der AG. Er stärkt aber die Möglichkeiten des Unternehmens für Investitionen.

Das Land befindet sich in konstruktiven Gesprächen mit Rhön und UKGM und erwartet, dass dies so bleibt. Im Übrigen sieht das Land diese Entwicklung in der Linie dessen, was Rhön-Vorstandsvorsitzender Siebert, bei der Hauptversammlung im Juni in Frankfurt gesagt hat, dass nämlich UKGM im integrierten Gesundheitsnetzwerk der Rhön Klinikum AG mittelfristig die Rolle eines medizinischen Drehkreuzes übernehmen solle.“ Soweit der stellvertretende Sprecher der hessischen Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann, Jörg Kilian.

Gefragt hatte die OP die Landesregierung nach den Auswirkungen des Verkaufs auf die Entwicklung der Patientenversorgung, auf die Entwicklung von Forschung und Lehre an der Philipps-Universität und für die Zukunft der Partikeltherapie. Auch Fragen der OP nach den Mitwirkungsmöglichkeiten des Landes beim Verkauf der Rhön-Kliniken und in Zukunft blieben unbeantwortet.

Verdi und der Betriebsrat des UKGM äußerten sich am Freitag nicht zu ihren Erwartungen an die Zukunft des UKGM.Fortsetzung von Seite 1

von Anna Ntemiris und Till Conrad

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