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UKGM bietet allen Mitarbeitern Aufhebungsverträge und Abfindung an

Stellenabbau am Uniklinikum UKGM bietet allen Mitarbeitern Aufhebungsverträge und Abfindung an

Das UKGM bietet jetzt allen Mitarbeitern an, sich über die Möglichkeit eines Aufhebungsvertrags zu informieren und bietet Abfindungen an. Der Betriebsrat ist empört, fürchtet, dass ein Personalabbau droht.

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 Aufhebungsverträge statt Stellenabbau: Das UKGM lockt Mitarbeiter mit Abfindungen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Marburger Geschäftsführung des UKGM hat im Intranet alle Mitarbeiter über „das Verfahren einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses durch Aufhebungsvertrag mit der Möglichkeit einer Abfindung“ informiert. Ob Ärzte, Pfleger oder Techniker, ob Jung oder Alt: Alle können das Angebot wahrnehmen, heißt es indirekt in dem Schreiben.

Wer Interesse hat, muss sich allerdings schnell entscheiden: Das Angebot für eine Abfindung gilt nur, wenn der Aufhebungsvertrag bis Ende des Jahres abgeschlossen werde. Der Betriebsrat fürchtet, dass auf diesem Wege ein Personalabbau vorangetrieben werden soll. „Wir machen unsere Mitbestimmung geltend und fordern die Geschäftsführung auf, die Informationen aus dem Intranet herauszunehmen“, sagt Betriebsrat Björn Borgmann.

Betriebsrat spricht von Skandal

„Es herrscht große Unruhe unter den Beschäftigten“, sagt er. Offiziell heißt es vom UKGM: Für die Zahlung einer Abfindung sei entscheidend, ob durch die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Personalkosten im nächsten Jahr gespart werden können, indem die jeweilige Stelle nicht nach besetzt werde. Auf Nachfrage der OP erklärte UKGM-Sprecher Frank Steibli, dass das Angebot nur für jene gelte, die ohnehin darüber nachdenken, ihren Job aufzugeben.

Björn Borgmann, Betriebsrat am UKGM, spricht von einem Skandal. Mit einem scheinbar harmlosen Angebot setze die Geschäftsführung des Marburger UKGM Mitarbeiter unter Zeitdruck. So mancher, der jetzt im Rentenalter oder kurz davor sei, könnte möglicherweise ohne Not den vom UKGM angebotenen Aufhebungsvertrag unterschreiben. Doch Borgmann warnt vor dem „Lock-Angebot“.

Die UKGM-Personalabteilung hat alle Mitarbeiter darüber informiert, dass sie ab sofort ihre Stelle aufgeben können, wenn sie ihren Vertrag auflösen. Eine Abfindung sei möglich. Je nach Einzelfall wolle man sich bei der Höhe der Abfindung an einem Betrag von einem Jahr orientieren. Das mag kurz vor Weihnachten verlockend klingen, sagt Borgmann.

Steibli: Angebot nichts Ungewöhnliches

Doch wer beispielsweise schon 40 Jahre im Dienst sei, habe ohnehin eine hohe Abfindung verdient. Und außerdem müsse jeder genau prüfen und sich rechtlich beraten lasse, welche Rentenansprüche er dann hat. „Allerdings hat die Geschäftsführung eine Frist gesetzt, man soll bis Ende des Jahres den Aufhebungsvertrag abgeschlossen haben. Das ist Druck“, sagt Borgmann. Außerdem habe die UKGM-Spitze nicht klar erklärt, welche Gruppen mit diesem Informationsschreiben angesprochen werden.

„Wenn es uns wirtschaftlich schlecht geht, will man nun per Abfindung die belohnen, die gehen? Das Ganze ist lächerlich“, so Borgmann weiter. Im Schreiben, das der OP vorliegt, heißt es: „Beschäftigte aller Dienstarten können diese Möglichkeit nutzen. Zudem steht sie allen Altersgruppen offen und wendet sich nicht nur an rentennahe Jahrgänge.“ Auf Nachfragen der OP erklärte UKGM-Sprecher Frank Steibli am Freitag, dass das Informationsschreiben eigentlich nichts Ungewöhnliches sei.

„Es ist nur ein Angebot an jene, die ohnehin schon darüber nachdenken, ihr Arbeitsverhältnis am UKGM zu beenden.“ Und weiter heißt es: „Wir haben immer wieder Mitarbeiter, die das Haus verlassen wollen und nach einer Abfindung fragen.“ Daher könne er nicht sagen, wie viele Antworten erwartet werden. Ob es in den vergangenen Tagen bereits Mitarbeiter gab, die das Angebot angenommen haben, wollte Steibli nicht sagen: „Jeder Mitarbeiter wird individuell betreut. Weitere Aussagen können wir derzeit noch nicht machen.“

Kreistag und Parlament sorgen sich um das UKGM

Das genau wurmt den Betriebsrat. Er spricht von einem Stellenabbau durch die Hintertür. Derzeit habe der Betriebsrat keinerlei Überblick über die Auflösungsverträge. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund befürchtet, dass es bei dem geplanten Abbau von 44 Stellen nicht bleibt. Das UKGM hatte angekündigt, dass im nächsten Jahr 44 Stellen nicht wieder besetzt werden – so viele werden durch Fluktuation wegfallen, betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. Das bestätigte Steibli am Freitag erneut.

Der kaufmännische Direktor des UKGM am Standort Marburg, Dr. Gunther Weiß, hatte Anfang der Woche Informationen der OP bestätigt, dass 44 Stellen eingespart werden sollen, davon etwa 20 im Pflegedienst. Weiß begründete dies mit der unbefriedigenden wirtschaftlichen Entwicklung. In den ersten neun Monaten des Jahres seien in Marburg 1,9 Millionen Euro Verlust gemacht worden. Der Standort Gießen erwirtschaftete im gleichen Zeitraum dagegen ein Plus von 5 Millionen Euro.

Auch das Stadtparlament und der Kreistag befassten sich am Freitag mit dem Thema UKGM.

von Anna Ntemiris

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