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UKGM: Lösung ohne Streik möglich

Klinikum UKGM: Lösung ohne Streik möglich

Verdi rückt von seinen Forderungen nach mehr Lohn und der Einbindung der Reinigungskräfte in die UKGM Service GmbH nicht ab. Morgen soll es einen Streik geben. Die Arbeitgeberseite kritisiert dies scharf.

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Morgen werden Beschäftigte am Uni-Klinikum streiken. Das Klinikum erklärt, dass mehrere Operationstermine verschoben werden müssen. Die Patientenversorgung sei sichergestellt.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Mit „Unverständnis“ und „Kopfschütteln“ über Zeitpunkt und Ausmaß reagierte die Geschäftsführung des UKGM auf die Ankündigung der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi), morgen beide Standorte des Universitätsklinikums zu bestreiken. Verdi will Druck auf die laufenden Tarifverhandlungen für die rund 6500 nicht-ärztlichen Beschäftigten am UKGM und der UKGM-Service GmbH machen (die OP berichtete).

„Die Verhandlungen sind auf gutem Wege und liefen bisher in einer konstruktiven Atmosphäre. Wir kommen auch ohne diese Zwangsmaßnahmen zu einer Lösung“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Martin Menger. Die Gespräche seien weder ins Stocken geraten noch in einer Sackgasse. Weitere Verhandlungstermine sind für Freitag und für den 19. April vereinbart. Man werde alle Mitarbeiter auffordern, diesem Streik fernzubleiben. „Wir werden alles dafür tun, auch an diesem Tag unseren Patienten eine optimale Versorgung zu bieten. Hierzu ist es jedoch erforderlich, eine nicht unerhebliche Anzahl von Patienten, die leider teilweise schon langfristig für eine Operation vorgesehen sind, auf andere Termine umzubestellen. Die damit verbundenen Unannehmlichkeiten bedauert die Geschäftsführung sehr“, erklären Professor Werner Seeger, Ärztlicher Geschäftsführer, und sein Stellvertreter, Professor Jochen A. Werner, in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Zwischen UKGM und Verdi werde es im Vorfeld dieser Protestformen zu verbindlichen Vereinbarungen kommen, die gewährleisten, dass alle Kliniken, Stationen und Ambulanzen für den medizinischen Alltagsbetrieb gut gerüstet seien, ergänzte Menger.

Angesichts der „wirtschaftlich aktuell sehr angespannten Situation“ und eines negativen Jahresergebnis 2012 sei die Verdi-Forderung von rund zehn Prozent nicht finanzierbar. „Wir wollen ein Gesamtpaket schnüren“, sagte Menger, und nannte neben den Lohn- und Gehaltsfragen einige Punkte zum Gesundheitsschutz, zu altersgerechten Arbeitsplatzbedingungen und zu Umstrukturierungen von Abläufen und Prozessen. Die Verdi-Forderung belaufe sich auf rund 23 Millionen Euro an ­zusätzlichen Personalkosten. Durch die Verbindung von Sockelbeträgen und prozentualen Erhöhungen der Löhne und Gehälter komme man laut Menger auf eine Gesamtforderung von rund zehn Prozent. Menger forderte Kompromissbereitschaft, um die Konsolidierung voranzubringen.

Marita Kruckewitt von ­Verdi Mittelhessen erklärte, man wolle weiterverhandeln und sei an einer Einigung interessiert. ­Verdi fordert unter anderem eine Erhöhung der ­Entgelttabellen um einen Sockelbetrag von 150 Euro und um weitere vier Prozent linear. Die rund 6500 ­nicht-ärztlichen Beschäftigen am UKGM sind ­beispielsweise Mitarbeiter des Pflege- und Funktions­dienstes, der Verwaltung, der Technik, des medizinisch-technischen Dienstes, des klinischen ­Hauspersonals sowie des Wirtschafts- und Versorgungsdienstes.

Außen vor bleiben die Mitarbeiter der Reinigungsgesellschaften, denn diese sind Tochterunternehmen des Klinikums-Betreibers Rhön. Verdi kritisiert, dass die Beschäftigten dort zu Billiglöhnen arbeiten und fordert die Einbindung des Personals in die UKGM Service GmbH, damit es nach Tarif bezahlt wird.

Verstoß gegenMindestlohnbestimmungen

Unterdessen wurde gestern bekannt, dass ein Ex-Geschäftsführer der Reinigungsgesellschaft, Wolfgang Kunz, wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft sitzt. Ihm wird vorgeworfen, Sozialversicherungsbeiträge vorenthalten und veruntreut zu haben. Zudem sei gegen Mindestlohnbestimmungen verstoßen worden. Die Schadenshöhe bewege sich im „niedrigen Millionenbereich“. Beweise dafür sind laut Handelsblatt im September 2011 bei einer bundesweiten Razzia sichergestellt worden.

Die OP berichtete Ende September 2011 von Zollfahndern am Klinikum. Ein Rhön-Sprecher erklärte damals auf Anfrage der OP, dass man dem Ermittlungsergebnis gelassen entgegensehe, da man davon überzeugt sei, jederzeit rechtskonform gehandelt zu haben.von Anna Ntemiris

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