Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
UKGM-Arzt wendet sich gegen Befristung

Arbeitsgericht UKGM-Arzt wendet sich gegen Befristung

Bei einer Aufhebung eines befristeten Arbeitsverhältnisses vor Gericht geht es in der Regel um den Befristungsgrund. Am Freitag jedoch wurde einzig und allein über die Dauer einer Befristung gestritten.

Marburg. Der Kläger war bereits mehrere Jahre in verschiedenen Städten als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistenzarzt tätig gewesen. Er arbeitete befristet an mehreren deutschen Kliniken, zuletzt am Uniklinikum Marburg. Von 2004 bis Anfang 2012 war er in der molekularbiologischen Abteilung des UKGM befristet angestellt. Dann wurde das Arbeitsverhältnis beendet.

Vor dem Gießener Arbeitsgericht wandte sich der Arzt gegen die Befristung seines letzten Arbeitsverhältnisses in Marburg. Er begründete seine Klage damit, dass die Befristung die gesetzliche Maximaldauer überschritten habe und damit unzulässig sei. Die Auflösung des befristeten Vertrages 2012 sei demnach ungesetzlich gewesen. Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz sieht regulär eine zulässige Höchstdauer zur Befristung von 12 beziehungsweise 16 Jahren vor. Diese Zeit setzt sich aus 6 Jahren vor der Promotion des Wissenschaftlers und 6 Jahren danach sowie 2 Jahre pro vorhandenem Kind zusammen. Der Kläger hat zwei Kinder. Der Vertreter des beklagten Landes Hessen widersprach. Die insgesamt verbrachte Arbeitszeit im wissenschaftlichen Bereich läge unter 16 Jahre. Zudem könne er als Mediziner durch zusätzliche gesetzliche Vorschriften insgesamt bis zu 18 Jahren befristet beschäftigt werden. Streitpunkt der Verhandlung war unter anderem eine fünfmonatige Anstellung des Klägers an einem saarländischen Klinikum. Dort war er als Arzt beschäftigt und nicht beim Land angestellt. Es lag keine wissenschaftliche Tätigkeit vor, so der Beklagtenvertreter. Daher würde die Zeit, in der er dort beschäftigt war, nicht unter das zuständige Wissenschaftsgesetz fallen und könne der umstrittenen Höchstdauer nicht hinzugerechnet werden.

Richter Hans Gottlob Rühle wies die Klage zurück. Er erläuterte, dass die Höchstbefristungsdauer nicht überschritten worden sei. Die Monate am Klinikum im Saarland zählten nicht zu der Gesamtzeit. Der Kläger war dort als Angestellter, nicht als wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigt. Zudem läge in diesem Fall eine Sonderregelung vor. Auf den Mediziner können verlängerte Fristen von neun Jahren, nicht von den üblichen sechs Jahren, angewandt werden, wenn er eine Weiterbildung in Anspruch nimmt. Dies war laut Gericht der Fall. Laut Gesetz muss der Mitarbeiter dafür im Bereich Medizin tätig oder selber Mediziner sein. Dies trifft beides auf den Kläger zu. „Dies ist ein Sonderprivileg des Fachbereichs Medizin“, so der Richter.von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Wirtschaft