Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 9 ° Regen

Navigation:
UKGM: 44 Arbeitsplätze fallen weg

Standort Marburg schreibt hohen Verlust UKGM: 44 Arbeitsplätze fallen weg

Die Wogen schlagen wieder einmal hoch beim Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM). Die Geschäftsleitung bestätigt, dass rund 44 Arbeitsplätze wegfallen sollen.

Voriger Artikel
„Der Meister ist die Elite im Handwerk“
Nächster Artikel
Auszubildende lernen die OP kennen

Beim UKGM auf den Lahnbergen plant die Geschäftsleitung den Abbau von 44 Vollzeitstellen.

Quelle: Foto: Thorsten Richter

Marburg. Etwa 20 davon sollen in der Pflege gestrichen werden, bestätigten der kaufmännische Geschäftsführer Dr. Gunther K. Weiß und der Ärztliche Geschäftsführer Professor Jochen A. Werner. Die „Anpassung“ solle über natürliche Fluktuation erreicht werden, sagten beide. Betriebsbedingte Kündigungen seien ausdrücklich nicht geplant. „Dies ist auch gar nicht möglich, weil die Standorte Gießen und Marburg zusammengenommen in diesem Jahr einen Gewinn erwirtschaften werden“, sagte Weiß.

Weiß begründete dies mit der unbefriedigenden wirtschaftlichen Entwicklung des UKGM am Standort Marburg. In den ersten neun Monaten des Jahres seien in Marburg 1,9 Millionen Euro Verlust gemacht worden. Zum Vergleich: Der Standort Gießen erwirtschaftete im gleichen Zeitraum ein Plus von 5 Millionen Euro.

Weiß führt die unterschiedliche Entwicklung an beiden Standorten unter anderem darauf zurück, dass einige Kliniken wie die Orthopädie (hier haben einige Oberärzte Marburg verlassen) weniger Patiuenten behandelt haben, aber auch darauf, dass in Marburg Patienten mit durschnittlich weniger schweren Erkrankungen behandelt werden als in Gießen. Die Erstattung durch die Krankenkassen richtet sich auch nach der Schwere der Erkrankung der Patienten.

Weiß: Derzeit 70 Stellen mehr als vor einem Jahr

„Wir müssen an einigen Stellschrauben drehen“, sagte Weiß. Betriebsbedingte Kündigungen schloss er aber ausdrücklich aus. Der Betriebsrat befürchtet dagegen eine „Salamitaktik“. Die Geschäftsleitung versuche lediglich, Stellenabbau ohne Sozialplan und Interessensausgleich durchzusetzen, sagte der Stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Demper.

Weiß berichtet zudem, dass im Moment umgerechnet etwa 70 Vollzeitkräfte mehr am UKGM beschäftigt sind als noch vor einem Jahr – davon entfällt mehr als die Hälfte auf die Pflege. Gründe sind die Eröffnung der Palliativstation im Sommer und die Erweiterung der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Der Betriebsrat spricht in einem Informationsblatt an alle Beschäftigten im Vorfeld der heutigen Betriebsversammlung von der Gefahr betriebsbedingter Kündigungen und beklagt, dass Auszubildende und Schüler keine Übernahmezusage mehr erhalten.

Neben der möglichen Stellenreduzierung steht die Umsetzung eines neuen Pflegekonzepts im Mittelpunkt der Auseinandersetzung: Vor allem soll es, so erläutert Professor Werner, zu einer zielgerichteten Belegung der Betten auf der Intensivstation und der IMC-Station (für Patienten, die keiner intensivmedizinischen Behandlung bedürfen, aber intensiv mit ihren Vitalfunktionen überwacht werden müssen) kommen. Viele dieser Betten seien oft mit Patienten belegt, die eine solche intensive Betreuung nicht benötigen.

Pflegestationen sollen gestärkt werden

„Wir wollen neue medizinische Belegungskriterien erarbeiten“, sagt Professor Werner. Der Betriebsrat übersetzt das mit „massiver Reduktion von IMC-Betten“ und „erheblicher Abbau von Intensivbetten“. Stattdessen soll eine Pflegestufe „Pflege plus“ eingesetzt werden, sagt Professor Werner.

Eine Art „IMC light“, gedacht für Patienten, deren Vitalfunktionen nicht überwacht werden müssen, die aber, etwa nach Operationen, leicht verwirrt sind und mehr als die übliche Betreuung auf einer Normalstation benötigen. In dieses neue Pflegekonzept gehört auch die angedachte „Sitzwache“ durch nicht examinierte Kräfte in einigen Spezialstationen.

Drittens sollen die Pflegestationen als Zentren für die Behandlung und Betreuung von Patienten gestärkt werden – Hol- und Bringdienste beispielsweise sollen hier angebunden werden. „Patienten sollen nicht auf irgend einem Flur abgestellt werden und keiner kümmert sich um sie“, sagt Dr. Weiß. Der Betriebsrat sieht in diesen Plänen eine scheibchenweise Umorganisation und fordert sein Mitspracherecht ein.

Zur Not will er vor dem Arbeitsgericht eine Einigungsstelle durchsetzen, sagte der Stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Demper. Auf einer Betriebsversammlung diesen Mittwoch ab 14 Uhr im Hörsaal II (1. Bauabschnitt) soll über die Entwicklungen am UKGM informiert werden.

von Till Conrad

Anteile bei Rhön sind neu verteilt – aber wie?

Das Rhön-Klinikum, 90-Prozent-Eigner des UKGM, hat den Aktienrückkauf abgeschlossen. Insgesamt seien bis zum Ablauf der Annahmefrist gut 64,75 Millionen Rhön-Aktien (47 Prozent) von den Anteilseignern zum Rückkauf angeboten worden, teilte die Rhön-AG gestern mit. Mit dem Rückkauf werden nun etwa 1,63 Milliarden Euro aus dem Verkauf von 40 Rhön-Krankenhäusern ausgeschüttet. Rhön wollte über den Aktienrückkauf und den Einzug der Titel eine Kapitalherabsetzung erreichen, um die neue und kleinere Rhön nach dem Klinikverkauf entsprechend anzupassen.
Für Marburg und das UKGM ist die spannende Frage, ob durch die Aktienbewegungen neue Mehrheitsverhältnisse entstanden sind. Hat etwa ein Anteilseigner mehr als 30 Prozent der Aktien in seiner Hand, müsste er ein Übernahmeangebot an die anderen Eigner machen. Rhön-Sprecher Achim Struchholz ­sagte, die neuen Kräfteverhältnisse werde frühestens ­Ende der Woche bekannt, wenn die Eigner Pflichtmitteilungen an der Börse machen müssen.

von unserer Agentur und Till Conrad

Mehr zum Thema

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Stellenabbau am Uniklinikum
 Aufhebungsverträge statt Stellenabbau: Das UKGM lockt Mitarbeiter mit Abfindungen. Foto: Thorsten Richter

Das UKGM bietet jetzt allen Mitarbeitern an, sich über die Möglichkeit eines Aufhebungsvertrags zu informieren und bietet Abfindungen an. Der Betriebsrat ist empört, fürchtet, dass ein Personalabbau droht.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr