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Trotz extremer Zinssituation solides Wachstum

Volksbank Mittelhessen Trotz extremer Zinssituation solides Wachstum

Deutschlands drittgrößte Volksbank ist zufrieden mit ihrer Bilanz. Die Mitglieder werden erneut mit sieben Prozent Rendite profitieren. In Zukunft könnte aufgrund anhaltend niedriger Zinsen aber alles schwieriger werden.

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Vorstandssprecher Dr. Peter Hanker blickt auf ein gutes Geschäftsjahr zurück.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. „Die Bank wächst, trotz der extrem niedrigen Zinsen“, sagt Dr. Peter Hanker, Vorstandssprecher der Volksbank Mittelhessen. Die Bilanzsumme wurde das fünfte Mal in Folge gesteigert: um 156 Millionen Euro oder 2,4 Prozent auf rund 6,7 Milliarden Euro. Mit diesem neuen Rekord bleibt die mittelhessische Bank im bundesweiten Vergleich die drittgrößte Volksbank. Derzeit haben die Mittelhessen 190185 Mitglieder. Ob die Volksbank weiter aufgrund von Fusionen wächst? Zunächst sei nichts in Aussicht, so Hanker. Die Sondierungsverhandlungen mit der VR Bank HessenLand sind offenbar gescheitert.

Hanker sagt, die Verhandlungen wurden „auf unbestimmte Zeit zurückgestellt.“ Die Volksbank Mittelhessen wollte die Fusion, respektiere aber den Willen des kleineren Partners, heißt es. Grundsätzlich werden bundesweit bei den Genossenschaftsbanken weitere Fusionen anstehen. Denn kleinere Banken werden es zunehmend schwerer haben, mit eigenem Personalbestand die bürokratischen Vorgaben der EU zu erfüllen, so Hanker. In der Region sei derzeit aber keine Fusion geplant. Fest steht, dass die Mitglieder der Volksbank Mittelhessen auch in diesem Jahr wieder eine Rendite von sieben Prozent zu erwarten haben.

Rendite auch als Symbolik

„Das wollen wir auch als sichtbares Zeichen halten“, sagt Hanker. Laut dem vorläufigen Geschäftsbericht beträgt das Jahresergebnis nach Bewertung 64 Millionen Euro. Das sind 15 Millionen Euro weniger als im Vorjahr. Der Rückgang sei auf die niedrigen Zinsen zurückzuführen, erklärt Hanker im Gespräch mit der OP. Von den 64 Millionen Euro werden neben der Ausschüttung an die Mitglieder weitere 25 Millionen Euro an Ertragssteuern abfließen.

Der Rest wird den Rücklagen zugefügt. Die Summe der Ertragssteuer beinhalte zwölf Millionen Euro Gewerbesteuer. Rund 1,5 Millionen Euro zahle die mittelhessische Volksbank an Gewerbesteuer im Landkreis Marburg-Biedenkopf, so Hanker. Die anhaltend niedrige Zinssituation hat die Banker nicht überrascht, aber sie wird in Zukunft mehr Sorgen als bisher bereiten. „Der Druck wächst.“ Umso mehr freut sich Hanker, dass die Volksbank ihren Erfolgskurs fortschreiben konnte. Das Kreditvolumen wuchs um fast 1,5 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Etwas mehr als die Hälfte der Volksbank-Kredite gehen an Firmen. Daher bekomme die Bank viele Tilgungen zurück: Den 737 Millionen Euro, die an neuen Darlehen gewährt wurden, stehen 647 Millionen Euro Tilgungsleistungen gegenüber.

Die Sparer haben wie schon im Vorjahr ihr Geld nicht langfristig angelegt, sondern Depots wie Tagesgeld gewählt, auf die sie kurzfristig zugreifen können.

Das Kundendepotvolumen sank von 832 Millionen Euro im Vorjahr auf 791 Millionen Euro.

Gesamteinlagen stiegen

Das niedrige Zinsniveau wird anhalten, aber nicht mehr so stark Anlass für Immobilienkäufe sein wie in den Jahren zuvor, so Hanker. „Die Nachfrage ist da, aber es gibt eine gewisse Beruhigung“, so der Vorstandschef. Das hänge in der Stadt Marburg aber auch damit zusammen, dass das Angebot an preiswerten Immobilien knapper sei als in der Region.

Wachstum gab es auch auf der Passivseite der Bilanz: Die Gesamteinlagen stiegen um 2,1 Prozent auf fast 5,6 Milliarden Euro.

Das Zinsergebnis lag mit 156 Millionen Euro rund 6 Millionen Euro über dem Vorjahreswert.

Das Bewertungsergebnis liegt bei minus 11 Millionen Euro, zuvor waren es minus 2,6 Millionen Euro. Im Vergleich zu anderen Vorjahren sei dies aber kein Ausreißer, heißt es. „Alle erkennbaren Forderungen wurden vorsichtig bewertet und sämtliche erkennbaren Risiken durch Wertberichtigungen und Rückstellungen abgedeckt“, sagt Hanker.

Konkrete Angaben über Wertberichtigungen und offene Verbindlichkeiten gibt die Bank nicht, auf Nachfrage bestätigte Hanker, dass alle Immobilien der Firma Wagner & Co Solartechnik GmbH nach ihrer Insolvenz verkauft wurden. Das neue Unternehmen Wagner Solar konnte allerdings weiterhin in der Industriestraße in Cölbe sowie in Kirchhain ansässig bleiben (die OP berichtete).

Neben der Stärkung der heimischen Wirtschaft - etwa durch Kreditförderung - legt das Genossenschaftsinstitut Wert auf Spenden an soziale und gemeinnützige Institutionen. Im vergangenen Jahr waren dies 1,2 Millionen Euro, die an Vereine und Organisationen gingen.

von Anna Ntemiris

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