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Transplantation ausgeschlossen

Muhammet Eren Transplantation ausgeschlossen

Alle Hoffnungen scheinen zerschlagen: Der 21 Monate alte Muhammet Eren wird nicht in Gießen operiert. Das UKGM prüft eine Verlegung in eine andere Klinik.

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Die Facebookseite, über die die Eltern von Muhammet Eren rund 400000 Euro für eine Herztransplantation sammelten.

Quelle: Screenshot: OP

Gießen. „Wir hatten uns für Muhammet Eren eine andere Lösung erhofft, müssen aber jetzt akzeptieren, dass die zwischenzeitliche Entwicklung in diesem Fall und die gültige Gesetzeslage keine andere Entscheidung zulassen. Das UKGM kann, darf und wird den Jungen nicht auf die Warteliste zur Herztransplantation setzen lassen“, teilte der Ärztliche Geschäftsführer des UKGM am Standort Gießen, Dr. Werner Seeger, gestern mit. Vielmehr werde derzeit eine Verlegung in eine andere Klinik geprüft.

Die langfristigen Aussichten waren entscheidend

Damit erlischt die Hoffnung der Familie Dönmez fast gänzlich, in Deutschland ein Spenderorgan für ihr seit der Geburt herzkrankes Kind zu erhalten. 400000 Euro hatte die Familie dafür in ihrem Heimatland Türkei an Spenden gesammelt. Ende März - kurz vor dem geplanten Transport nach Gießen - blieb das Herz des Jungen für 30 Minuten stehen. Die Folge war eine Gehirnschädigung. Nach dem Flug nach Deutschland musste Muhammet Eren an ein Kunstherz angeschlossen werden.

Die Ärzte am Kinderherzzentrum des UKGM lehnen eine Transplantation seit dem ab und stützen ihre Entscheidung dabei auf mehrere Expertisen. Es sei die „einhellige Meinung aller Experten, dass bei Muhammet Eren nach deutschem Recht keine Herztransplantation vorgenommen werden darf“, so das UKGM in einer Stellungnahme gestern. Dabei gehe es nicht um die Frage, ob das Kind durch den Sauerstoffmangel, der die Gehirnschädigung verursachte, behindert sei oder nicht, wie einige überregionale Medien berichteten und in sozialen Netzwerken diskutiert wurde. „Der langfristige Erfolg muss bewertet werden. Deshalb konnte Muhammet Eren nicht auf die Warteliste für ein Spenderorgan gesetzt werden“ sagte ein Sprecher des UKGM. Zu kritisch sei der derzeitige Zustand und zu schwerwiegend die Folgen der Operation, bei der beispielsweise das Immunsystem extrem herabgesetzt werden müsse. Nicht nur das Gießener, sondern „alle großen Transplantationszentren in Deutschland und jene in Wien und Rotterdam haben jedoch bereits abgelehnt, Muhammet Eren aufzunehmen und weiter zu behandeln“, so das UKGM.

In dem Fall geht es auch um viel Geld. 400000 Euro haben die Eltern dem UKGM für die ursprünglich vereinbarte Operation gezahlt. Inzwischen belaufen sich die Behandlungskosten bereits auf mehr als 550000 Euro - und steigen mit jedem Tag weiter an.

Das Vertrauensverhältnis zu den Eltern sei durch verschiedene Vorkommnisse inzwischen massiv beschädigt, argumentiert das UKGM. „Alternative Lösungsvorschläge des UKGM-Ärzteteams in dieser schwierigen Situation wurden und werden von den Eltern abgelehnt. Eine nachhaltige, tragfähige Grundlage für die weitere Behandlung des kleinen Muhammet Eren besteht somit nicht“, so das UKGM. Zudem sei es zu Drohungen gegenüber des Klinikpersonals und anderen Patienten und deren Angehörigen gekommen.

UKGM kritisiert Halb- und Unwahrheiten

„Klinikmitarbeiter werden verbal und körperlich bedrängt und bedroht, sodass das UKGM Rat und Unterstützung bei der örtlichen Polizeibehörde eingeholt hat und im Ernstfall auch Strafanzeige stellen wird. „Auf einem eigens eingerichteten Facebook-Forum werden Halb- und Unwahrheiten verbreitet und völlig inakzeptable Vorwürfe gegen das Klinikum geäußert, wie zum Beispiel dieser, einen ‚ethischen Mord‘ zu begehen“, kritisiert das UKGM. Dieses habe eine Fürsorgepflicht gegenüber den anderen schwerkranken Kindern, deren Angehörigen, dem medizinischen und pflegerischem Personal. „Für uns heißt das nun, das Kind in ein anderes Transplantationszentrum oder nach Istanbul zurück zu verlegen“, sagte Prof. Seeger.

Eine Verlegung in die türkische Metropole lehnen die Eltern aber strikt ab. „Es ist eine Entscheidung gefallen“, kommentierte Rechtsanwalt Jens Wiegand, der die Familie rechtlich vertritt, die Entscheidung des UKGM. Es gebe nun kaum noch Optionen, definitiv nicht in Europa und die Hoffnung in einem anderen Land sei verschwindend gering. „Es ist jetzt auch ein zeitliches Problem, um das Kind überhaupt noch retten zu können“, sagte Wiegand. Die Eltern versuchten weltweit, ein Transplantationszentrum zu finden und hofften gerade auf eine positive Antwort aus der Schweiz, wo ein Klinikum prüfe, ob es helfen kann.

von Andreas Arlt

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