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Tränen ersticken das Schlusswort

Aus dem Landgericht Tränen ersticken das Schlusswort

Bewegt war der ehemalige Geschäftsführer der MRV bei seinem Schlusswort: Er entschuldige sich „bei allen, die ich in 
Verlegenheit gebracht 
habe“, sagte er, bevor die Tränen seine Ausführungen erstickten.

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Der ehemalige Geschäftsführer der Marburger Rohstoffverwertung wurde am Freitag zu einer 
Bewährungsstrafe verurteilt.

Quelle: Archiv

Marburg. Am zweiten Verhandlungstag gegen den 56-Jährigen war zunächst noch das Prinzip der „Doppelverwiegungen“, bei dem ein mit Schrott beladener LKW zweimal gewogen wurde, um zusätzlichen Umsatz zu generieren, offen.Tags zuvor hatte der Angeklagte noch bestritten, an den fünf angeklagten Fällen beteiligt zu sein.

Doch am Freitag legte er auch in diesen Punkten ein Geständnis ab: Durch seinen Anwalt ließ er einräumen, dass er die Anweisung an die Zeugin gegeben hatte, Lastwagen zweimal zu wiegen. Dies sei jedoch vor seiner Abberufung als Geschäftsführer der Marburger Rohstoffverwertung (MRV) gewesen – allerdings habe er die Anweisung auch nicht widerrufen.

Dass so zusätzliches Geld auf das Konto seiner neu gegründeten Firma MRH geflossen sei, habe er nicht gemerkt – denn für die Buchhaltung sei er nicht zuständig gewesen. Zuvor hatte noch ein Zeuge ausgesagt, der als Insolvenzverwalter des Unternehmens HTL Transport GmbH eingesetzt war.

Insolvenz nach nur neun Monaten

Bei HTL war der Angeklagte ebenfalls Geschäftsführer – und die Insolvenzanmeldung wurde ebenso, wie bei seiner Firma MRH Metallverarbeitung nicht von ihm, sondern der Krankenkasse AOK wegen Nichtzahlung von Sozialabgaben vorgenommen.

Der Zeuge sagte aus, dass die Buchhaltung zwar nicht besonders sorgfältig, aber auch nicht sehr chaotisch gewesen sei. „Letztendlich war das aber bei so einer jungen GmbH nicht außergewöhnlich“, sagte der Zeuge. Denn nur neun Monate nach Gründung erfolgte die Insolvenz.

Der Vorsitzende Richter Dr. Carsten Paul verurteilte den 56-Jährigen schließlich zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Außerdem muss der Angeklagte während des dreijährigen Bewährungszeitraums 100 Euro monatlich an die Eingliederungshilfe Marburg zahlen. Zudem erhielt der Angeklagte ebenso lange ein Berufsverbot als Geschäftsführer.

Damit blieb der Richter leicht unter der Forderung von Oberstaatsanwalt Holger Willanzheimer: Der hatte zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert – auch vor dem Hintergrund, dass der Angeklagte zunächst behauptet hatte, mit den „Doppelverwiegungen“ nichts zu tun gehabt zu haben.

Bewährungsstrafe nur 
„mit zugedrücktem Auge“

„Erst als sich der Nebel durch die Aussage der Zeugin gelichtet hatte, hat er erkannt, dass er aus dieser Nummer nicht herauskommt – dadurch kam es heute zum Geständnis. Und das entwertet auch das vorherige Geständnis der anderen Taten ein bisschen“, so Willanzheimer in seinem Plädoyer. Er forderte eine zweijährige Haftstrafe. „Ich tue mich schwer damit, aber wenn wir ein Auge zudrücken, können wir sie mit Mühe zur Bewährung aussetzen.“

Das Gericht sah es – auch durch das frühe Geständnis – als erwiesen an, dass sich der Angeklagte in sechs Fällen der veruntreuenden Unterschlagung schuldig gemacht habe. Außerdem habe er wegen falscher Angaben und Verletzung der Antragspflicht in zwölf Fällen sowie der Anstiftung zum Betrug schuldhaft gehandelt.

„Die Hauptverhandlung hat ergeben, dass vier Sachverhalte übriggeblieben sind“, sagte Paul. Und davon seien drei von vorneherein eingeräumt worden – alle außer der Doppelverwiegung. „Diese haben Sie aber heute auch noch eingeräumt“, so der Richter. Die überprüfende Beweisaufnahme habe 
ergeben, „dass das von Ihnen abgelegte Geständnis zutreffend ist“.

von Andreas Schmidt

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