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Traditions-Möbelhaus Hinkel schließt

Finaler Räumungsverkauf Traditions-Möbelhaus Hinkel schließt

Nach 30 Jahren endet eine Ära im Landkreis: Das 
Möbelhaus Hinkel schließt, weil Inhaber Friedhelm Hinkel keinen Nachfolger gefunden hat.

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Der 79-jährige Friedhelm Hinkel sitzt auf einer Ledercouch im Möbelhaus Hinkel: Das Traditionsunternehmen in Simtshausen schließt nach 30 Jahren, derzeit findet ein Räumungsverkauf statt.

Quelle: Andreas Schmidt

Simtshausen. „Die Schließung tut mir sehr weh. Es ist mein Lebenswerk“, sagt Friedrich Hinkel. Er ist mit seinen 79 Jahren ein „alter Hase“ im Möbel-Geschäft, bewegt sich seit Jahrzehnten in der Branche – und eröffnete vor 30 Jahren das Möbelhaus Hinkel in Simtshausen.

Doch Hinkel will nicht mehr: Die Branche habe sich stark verändert, kleine und mittelständische Häuser hätten mit der aktuellen Marktsituation zu kämpfen. „Es kann sein, dass die großen Häuser noch ein Plus einfahren“, sagt Hinkel. Die kleinen aber nicht mehr. Der gesamte Möbelhandel sei abhängig „vom Standort, vom Konsumklima – und vom Personal. Ich hatte zum Glück sehr gutes – aber in der Branche ist Fachpersonal rar“, sagt Hinkel.

„Ich will einfach nicht mehr“

Zu Umsatz-Rückgängen sei es in den vergangenen Jahren gekommen – „auch wegen der Lichterkette an der Bundesstraße“, sagt Hinkel und meint damit die fest installierten Blitzer. „Viele Kunden haben gesagt, dass sie deswegen nicht mehr kommen.“

Die Rückgänge seien aber nicht der alleinige Grund gewesen, das Haus zu schließen. „Ich will einfach nicht mehr.“ Der Entschluss sei über Jahre gereift. „Das Haus würde weiter bestehen, wenn ich einen Nachfolger gefunden hätte“, ist er sich sicher.

Weder seine Tochter Sylvia, die in Marburg ihr Geschäft „Ketzerbach 12“ betreibt, noch deren Lebensgefährte Michael Seibert, der in Marburg den „Güterbahnhof 12“ führt, hätten Interesse an der Übernahme des Möbelhauses in Simtshausen gehabt. „Und auch mein langjähriger Mitarbeiter Klaus Bier, dem ich das Geschäft angeboten habe, hat lange mit der Entscheidung gerungen – aber letztendlich abgesagt“, sagt Hinkel. Dabei habe das Möbelhaus Hinkel „bei der Kundschaft einen guten Namen“, weiß Friedhelm Hinkel.

Folglich habe sich Hinkel entschlossen, das Haus zu schließen und die Immobilien zu verkaufen. „Ich bin froh, dass ich es getan habe“, sagt Friedhelm Hinkel – auch, wenn das durchaus eine „sehr emotionale Situation“ sei. Übernommen hat das Möbelhaus die MHZ-Gruppe aus Berlin – das Unternehmen ist laut eigenen Angaben bundesweit spezialisiert auf Räumungsverkäufe bei Geschäftsaufgabe in der Möbelbranche.

1998 stand das Möbelhaus komplett unter Wasser

„Das Unternehmen wird die Gebäude vielleicht als Lager, vielleicht aber auch wieder als kleineres Möbelhaus eröffnen“, erläutert Hinkel. Bei MHZ sei auch ein Teil des Personals untergekommen, was Hinkel sehr freut.

Viel hat er in den vergangenen Jahrzehnten erlebt. Beispielsweise hatte Hinkel Lena Valaitis ebenfalls zu einem Auftritt im Möbelhaus verpflichtet, wie Gotthilf Fischer mitsamt Chor. „Am 1. Mai 1998 stand das gesamte Möbelhaus fast einen halben Meter hoch unter Wasser, das vom Hang hinter dem Möbelhaus herunterkam“, erinnert sich Hinkel. Er sei auf einem Geburtstag gewesen und habe dann den Anruf über das Unglück bekommen. Zum Glück habe er damals bereits eine Katastrophenversicherung abgeschlossen, die es vorher nur in der DDR gab.

Auch habe er einmal 1400 Klappstühle in Russland bestellt. „Als ich die beim Zoll abholen wollte, waren aber nur noch 1000 Stühle da.“ Der Grund: Die Stühle sollten per Bahn kommen. In Russland gab es eine andere Schienenbreite als in Polen. Die Ware wurde also umgeladen – „und dabei wurden 400 Stück geklaut“.

Und was nun? „So ganz ohne Arbeit zu leben, das kann ich mir kaum vorstellen“, sagt Friedhelm Hinkel. Nun habe er zwar mehr Zeit, um sein Golfspiel zu verbessern oder viel schwimmen zu gehen. „Außerdem habe ich mir vorgenommen, mein Spanisch zu perfektionieren“, verrät Hinkel.

„Ich könnte mir auch vorstellen, in beratender Funktion weiterhin tätig zu sein. Denn im Möbelhandel kennt man mich – und ich kenne mich aus“, sagt er. Eine weitere Überlegung sei, für Kunden als ganz individueller Einrichtungsberater tätig zu sein. Denn: „So ganz von der Möbelbranche lassen – das kann ich nicht.“

von Andreas Schmidt

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