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Tischler überzeugt mit Designer-Urnen

Handwerk Tischler überzeugt mit Designer-Urnen

Mit Liebe zur Ästhetik und klaren Formen überzeugten sowohl das Ehepaar Sabine Weitzel und Matthias Eidam wie auch deren Geselle Matthias Schlosser bei verschiedenen Wettbewerben.

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Matthias Eidam und Sabine Weitzel mit einigen ihrer „Möbel für die letzte Reise“.

Quelle: Gerstenmaier

Lohra. „Wir sind eine bodenständige, ländliche Tischlerei, keine Luxusfirma. Aber wir möchten unseren Kunden zeigen, was Handwerk ist und wie breit gefächert unsere Produktpalette“, sagt Tischlerei- und Bestattungsmeister MatthiasEidam. Zu der Produktpalette der Tischlerei Eidam in Lohra gehören nämlich neben Türrahmen und Wohnmöbeln auch ausgezeichnete Designerstücke. Sowohl Matthias Eidam und seine Frau Sabine Weitzel wie auch deren Geselle Matthias Schlosser konnten eine Jury von ihren Produkten überzeugen.

Mit einer Reihe von zwölf fassartigen, jeweils individuell gestalteten Holzgefäßen zählt das Ehepaar zu den ausgezeichneten Teilnehmern des 13. Hessischen Gestaltungswettbewerbs. Die Gefäße heißen „Peterchens Mondfahrt“, „Gesammelte Schätze“ oder „Treibgut“, und erst bei der Bezeichnung „Möbel für die letzte Reise“ erahnt der Betrachter, welchem Zwecke sie dienen.

Die Idee kam ihm bei der Bestatter-Fortbildung

Zwar kamen die Designer-Urnen nicht unter die sechs Preisträger, aber unter 81 eingereichten Arbeiten wurden sie ausgewählt, in den Katalog des Gestaltwettbewerbs aufgenommen zu werden. Dort stehen sie Seite an Seite mit Textilien, Schmuck und Metallarbeiten. Mit ihrer klassischen Form, klaren Linien, ausgesuchten Materialien, der stimmigen Farbgebung und der durchdachten Funktionalität überzeugten die mit Metall, Leder oder Filz besetzten Urnen die unabhängige Fachjury. „Mir hat es großen Spaß gemacht, in einem so bunten Spektrum mit dabei zu sein“, sagt Matthias Eidam, der seine Arbeiten zunächst bei der „Artinea“ in Rauischholzhausen ausgestellt hatte.

Die Idee zu dieser Urnenserie kam dem Tischlermeister bei einer Fortbildung zum Bestattungsmeister. Auf dem Land sei es Tradition, dass die Tischler auch Bestattungen vornehmen. Sein Großvater habe das so gemacht, sein Vater, von dem er 1997 den Betrieb übernommen hatte, und so entschloss auch er sich mit Anfang 50 zu dieser beruflichen Weiterbildung. Dort hatte sich Eidam mit einem Kollegen angefreundet, der noch während der Ausbildung infolge eines Unfalls starb und ihn dazu brachte, sich hautnah mit der Thematik des Todes auseinandersetzen zu müssen.

"Möbel für die letzte Reise"

„In europäischen Ländern beschäftigt man sich nicht so gern mit dem Thema Tod“, sagt Sabine Weitzel und erzählt von den interessierten Blicken der Besucher, die zunächst „Treibgut“ und „Peterchens Mondfahrt“ lasen, um dann bei den „Möbeln für die letzte Reise“ befremdet zurückzuschrecken. „Wir wollten auch einfach das Thema Tod mit in den Alltag bringen und dazu anregen, sich damit auseinanderzusetzen“, sagt sie.

Erste Bestellungen gebe es schon, von Firmen und Privatpersonen. Doch Kunst, Ästhetik und Design, vereint mit Alltagstauglichkeit, stehen klar im Gegensatz zu den maschinell angefertigten Friedhofsmöbeln, die üblicherweise verwendet werden, wie der Tischlermeister klarstellt. Er werde ihnen keine Konkurrenz machen, zumal es in Deutschland verboten ist, sich eine Urne mit den Überresten von Angehörigen auf den Kamin zu stellen.

Dass in der Tischlerei Eidam neben allem Alltagsgeschäft die Kunstfertigkeit einen hohen Stellenwert hat, bewies auch Geselle Matthias Schlosser. Beim hessischen Landeswettbewerb für Gesellen, „Die gute Form“, holte er mit einem aufklappbaren Schreibpult den dritten Preis.

von Kristina Gerstenmaier

Hintergrund: Der Hessische Gestaltungswettbewerb
Alle zwei Jahre veranstaltet das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern (ARGE) den Hessischen Gestaltungswettbewerb. 81 Handwerksmeister unter anderem aus Schneiderei, Feinmechanik, Friseur, Metallbau oder Weberei nahmen daran teil, davon waren sechs Gesellen. Von den 81 zugelassenen Wettbewerbsarbeiten wurden 21 in den Katalog aufgenommen. 15 dieser 21 Arbeiten, auch die „Möbel für die letzte Reise“ sind noch bis zum 15. März bei der „Handwerkform“ in der Handwerkskammer Kassel ausgestellt.
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