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Thomas Huber: Ein Grenzgänger, der fasziniert

Sparkassen-Forum Thomas Huber: Ein Grenzgänger, der fasziniert

Extrembergsteiger Thomas Huber hat die ganze Welt bereist, war ganz oben und das ganz schnell. Am Ende seiner Expedition erkannte er: Die Heimat, die Familie ist für ihn das Wichtigste. Das berichtete er 1500 Zuhörern in Marburg.

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Schon als Kind bestieg er mit seinem Vater und seinem Bruder Viertausender. Nach dem Sport- und BWL-Studium machte er sein Hobby zum Beruf: Thomas Huber (47) ist Bergsteiger, Speedkletterer, Werbeikone und mittlerweile gefragter Referent und Talkshowgast.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Er ist schon ein echter Kerl, der Huberbua. Stimmgewaltig, muskulös, schnell: Während er von seinen atemberaubenden Abenteuern - natürlich auf Bayrisch - berichtet, gestikuliert er mit den Armen und geht schnellen Schrittes entlang der Zuhörerreihen. Die Zuhörer folgen dem 47-jährigen Berchtesgadener mit der langen Mähne in eine andere Welt.

Thomas Huber, der am Dienstagabend beim Sparkassen-Forum in der Sporthalle des Georg-Gaßmann-Stadions vor rund 1500 Bankkunden sprach, ist Extrembergsteiger, Speedkletterer und einer der beiden Huberbuam. Er und sein jüngerer Bruder Alexander sind das „perfekte Team“, erklärt der Ältere. Unter dem Titel „Analogie von Berg und Beruf“ berichtet Thomas Huber über seine Leidenschaft - den Bergsport. Seit ihrer Kindheit im Allgäu besteigen die Huber-Brüder Berge, ihr Vater nahm sie mit.

Spätestens seit dem Kinofilm „Am Limit“ sind die Huber­buam auch der breiten Öffentlichkeit ein Begriff. Grenzerfahrungen machte das Duo damals bei dem Versuch, den Rekord im Speed-Klettern an der tausend Meter hohen Granitwand des „El Capitan“ im Yosemite Nationalpark in den USA zu brechen. „Neugier, Leidenschaft und eine gehörige Portion Frechheit“ trieben die Brüder an, berichtet Thomas Huber dem Marburger Publikum. Das hört sich noch harmlos an. Aber er hat faszinierende Bilder und Videosequenzen mitgebracht, die zeigen: Die Brüder waren auf der Suche nach „der absoluten Grenze, zwischen Leben und Tod“. Wer an Granitwänden bis zur Erschöpfung in atemberaubender Schnelligkeit klettert, in Felsenschluchten übernachtet, sich tagelang mit Astronautennahrung ernährt, der ist mehr als frech und neugierig. Taktik, Ehrgeiz, Selbstvertrauen und vor allem akribische Vorbereitung, Disziplin und hartes Training sind weitere Begleiter der Expedition.

Mit dem Bild vom blauen Hintern sagt er Danke

Thomas Huber provoziert. Mit seinen extremen Beispielen, mit seinem Dialekt, dass er so selbstbewusst spricht. Die Zuhörer sind fasziniert. Und amüsiert. Und dann kommt die Wende: Sie sind ergriffen. Thomas Huber berichtet nicht nur von seinen Erfolgen in der Höhe, sondern auch von seinem tiefsten Moment beim Klettern. Er war absolut im Flow und dann kam der plötzliche Energieabfall. Ein Gefühl von Angst packte ihn, er konnte nicht weiter.

Der Kameramann jedoch ermutigte ihn, weiterzugehen. Ein Fehler, wie sich später herausstellte. Er stürzte. Die Angst war sein natürlicher Schutz, er hätte auf sie hören sollen, sagt er heute. Für einen kurzen Moment zeigt er auf der Leinwand eine Nahaufnahme seines Hintern: Ein riesiger blauen Fleck auf der rechten Pobacke ist zu sehen. „Mit diesem Bild möchte ich Danke sagen. Es hätte schlimmer ausgehen können. Und ich konnte von dieser Geschichte lernen“, so Huber. Heute würde er „Nein“ sagen, wenn die Angst käme.

Auch in der Kletterhalle ist er nie ungesichert

„Oft ist ein Nein der erste Schritt zum großen Ja. Das hat man in der heutigen Zeit oft vergessen“, sagt er und erntet großen Beifall dafür. Seine Botschaft: Es ist nicht wichtig, ob man schneller oder besser sei, sondern, das zu machen, wo man seinen Frieden habe oder etwas machen könne, das Menschen etwas bringe. Es sei „grotesk“, dass er erst die ganze Welt habe bereisen müssen, um zu erkennen, „das Wichtigste ist deine Heimat, deine Familie, deine eigene Haustür. Das ist das Ziel“, so der Familienvater.

Im Anschluss an seinen Vortrag beantwortete Huber Fragen der Zuhörer. Sparkassen-Vorstandschef Andreas Bartsch, der zuvor den Abend eröffnet hatte, moderierte.

Wie er sich fit halte, was er esse, ob er sich in einer Kletterhalle anseile, wollten Zuhörer zum Beispiel wissen. Huber, der in einem TV-Spot für die „Milchschnitte“, wirbt, sagte lachend: „Ich esse keine Milchschnitte." Ergänzte dann aber ein "selten" und "als Nachtisch". Kritikern von Umwelt- und Verbraucherorganisationen, die ihm vorwerfen, für Süßigkeiten Werbung zu machen entgegne er aber: „Was Süßes ist doch nicht schlecht. Es kommt auf die Masse an. Wir essen im Alltag das, was uns schmeckt“.

Er trainiere ganz einfach: durch Bergsteigen. Und klettert gern auch mit seinen drei Kindern in der Kletterhalle. „Gesichert. Ich bin doch ein Vorbild“.

von Anna Ntemiris

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