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Teldafax-Insolvenz hat ein juristisches Nachspiel

Gläubigerversammlung Teldafax-Insolvenz hat ein juristisches Nachspiel

Um zweistellige Millionensummen ging es gestern am Amtsgericht. Hinter verschlossenen Türen tagte eine Gläubigerversammlung der vor zwölf Jahren pleite gegangenen Teldafax AG.

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Das Teldafax-Firmenschild steht vor dem Sitz des Unternehmens in Troisdorf bei Bonn.

Quelle: Oliver Berg, dpa

Marburg. Von den rund 500 Gläubigern des insolventen Telekommunikationsunternehmens waren nur etwa zwei Dutzend im Amtsgericht vertreten. Vor allem große Unternehmen hatten ihre Anwälte geschickt, daneben nahmen auch einzelne ehemalige Teldafax-Mitarbeiter an der nichtöffentlichen Gläubigerversammlung teil. Eine offizielle Mitteilung über das Ergebnis gab es anschließend nicht - Insolvenzverwalter Dr. Jan Markus Plathner lehnte auf Anfrage eine Stellungnahme ab. Von Teilnehmern erfuhr die OP jedoch, dass die Gläubigerversammlung dafür votiert hat, gegen Mitglieder des Gläubigerausschusses vor Gericht Ansprüche geltend zu machen. Dabei geht es um 15,75 Millionen Euro, die der frühere Insolvenzverwalter entnommen haben soll. Inklusive Zinsen ergibt sich ein Streitwert von mindestens 18 Millionen Euro.

Der Gläubigerausschuss hat die Aufgabe, den Insolvenzverwalter zu überwachen. Dies soll das von den Gläubigern gewählte Gremium offenbar nicht sorgfältig genug gemacht haben, hieß es. „Die Intervalle waren nicht kurz genug, und eigentlich hätte man mit der Prüfung eine Kanzlei beauftragen müssen“, berichtete ein Gläubiger.

Juristischer Streit um Stimmrecht

Der neue Insolvenzverwalter will nun dem Vernehmen nach bis Jahresende vor Gericht Ansprüche gegen Mitglieder des Gläubigerausschusses geltend machen, weil diese ihre Überwachungs- und Aufsichtspflichten verletzt hätten. Über dieses Vorgehen gab es in der Versammlung offenbar heftige Diskussionen. Dabei ging es auch um die Frage, wer überhaupt abstimmen darf. Die Mitglieder des Gläubigerausschusses wehrten sich dagegen, dass sie von der Abstimmung ausgeschlossen werden sollten. Sie vertreten zum Teil große Unternehmen und hätten dadurch großen Einfluss auf das Ergebnis der Abstimmung nehmen können. Denn in Gläubigerversammlungen werden Stimmen entsprechend der Höhe der Forderungen gewichtet.

Nach einer am Abend getroffenen richterlichen Entscheidung durften die Mitglieder des Aufsichtsgremiums jedoch nicht abstimmen, da es um mögliche rechtliche Ansprüche gegen sie selbst geht. Die nach dieser Entscheidung stimmberechtigten Gläubiger votierten dafür, diese Ansprüche vor Gericht geltend zu machen.

Hintergrund:

Das Unternehmen Teldafax wurde 1995 in Wetter gegründet. Nach der Liberalisierung des deutschen Telefonmarktes war es einer der größten Anbieter unter anderem von Call-by-Call-Gesprächen und Servicerufnummern. 2001 musste die Teldafax AG jedoch Insolvenz anmelden. Seither warten die rund 500 Gläubiger auf ihr Geld. Der erste Insolvenzverwalter des Unternehmens ging im Jahr 2011 selbst pleite. Daraufhin wurde der Frankfurter Anwalt Dr. Jan Markus Plathner (Sozietät Brinkmann und Partner) zum neuen Insolvenzverwalter bestellt. Den Namen Teldafax übernahm unterdessen ein Unternehmen mit Sitz in Troisdorf, das unter anderem als Stromversorger bekannt wurde. Der neue Teldafax-Konzern ist jedoch nicht der Rechtsnachfolger des Marburger Unternehmens. Dieses wird zur Unterscheidung auch als „Teldafax AG (alt)“ bezeichnet. Das jüngere Troisdorfer Unternehmen ist seit 2011 ebenfalls zahlungsunfähig.

von Stefan Dietrich

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