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Teka ist für das Jubiläum gerüstet

125 Jahre Teka ist für das Jubiläum gerüstet

Als „Aussteuerhaus C. A. Hartmann“ begann 1889 die wechselhafte Geschichte des heutigen Kaufhauses Teka in der Marburger Nordstadt.

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Nach „Bausünden“ in den 1950er Jahren wurde die Fassade des Kaufhauses Teka modernisiert – preisgekrönt und angelehnt an das ursprüngliche Erscheinungsbild.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Als Carl Hartmann in dem Haus in der Elisabethstraße sein Aussteuer-, Leinen- und Wäschegeschäft öffnete, hatte er im Vorfeld kräftig die Werbetrommel gerührt. Das ist zwar heute auch so üblich - doch wählte Hartmann damals einen wesentlich persönlicheren Weg: In einem Brief wandte er sich an seine potenziellen Kundinnen, in dem er „Eure Hochwohlgeboren“ darauf hinwies, dass er sein Geschäft eröffnen werde.

„Langjährige Tätigkeit und Bekanntschaft erster Bezugsquellen setzen mich in den Stand, Sie bestens und billigst bedienen zu können, auch hoffe ich, durch reichhaltige Auswahl selbst Ihren weitgehendsten Anforderungen gerecht zu werden“, heißt es in dem Schreiben.

Wenn Bernd Brinkmann, heute Inhaber des Kaufhauses Teka, in den alten Katalogen aus der Eröffnungszeit blättert, dann leuchten seine Augen. „Die Kleider waren gezeichnet, Fotografien waren eine Seltenheit“, erläutert er. Um die Anschaulichkeit der beschriebenen Waren zu verdeutlichen, sind hier und da Stoffmuster in die Kataloge eingeklebt - aus heutiger Sicht unvorstellbar

Brinkmann übernahm mit seiner Familie 1998 das Warenhaus. Dies hatte die Weka-Gruppe am 6. Oktober 1951 gekauft, aus dem Geschäft C. A. Hartmann wurde das Kaufhaus „Teka“, die Abkürzung stand damals für „Textil-Kaufstätte“. Am 20. Juni 1983 übernahm W. Vöge, Enkel von Firmengründer Hartmann, die Teka-Filiale von der Weka-Gruppe. Doch schon acht Jahre später geht Teka an den Filial-Unternehmer Kischnick - bevor Vöge das Kaufhaus in 1996 erneut übernimmt.

Stammkundschaft war „ihre Teka“ gewöhnt

Seit dem 15. August 1998 ist Bernd Brinkmann Chef des Kaufhauses. „Nach langem Zögern haben wir die Teka 1998 übernommen“, sagt er. Denn das Konzept und die Philosophie des Kaufhauses „mussten wir erst lernen“, so Brinkmann.

Veränderungen mussten immer recht zaghaft vorgenommen werden - denn die Stammkundschaft war „ihre“ Teka gewöhnt. „Doch irgendwann war klar: Wenn wir eine Zukunft haben wollen, dann müssen wir grundlegend etwas ändern“, erläutert Brinkmann. Also habe er sich mit der Historie des Hauses beschäftigt. Heraus kam die neue Teka - mit einer an die Historie angelehnten Fassade, „die den ursprünglichen Charakter des Hauses aufgreift“, so Brinkmann. Ende 2006 war der Umbau beendet - als es zur Katastrophe kam: Ein Brandstifter legte in der Nikolausnacht Feuer - durch den großen Schaden stand die Teka beinahe vor dem Aus.

„Wir haben uns die Grundsatzfrage gestellt, ob wir weitermachen wollen“, sagt Brinkmann. Das sei jedoch nicht nur nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten entschieden worden - sondern auch durch das viele Herzblut, das von allen, auch vom Personal, in das Projekt geflossen sei. „Soll das alles umsonst gewesen sein? Das hat uns motiviert, weiterzumachen“, sagt Brinkmann. Also wurde die Teka wieder aufgebaut - und die Fassade wurde 2007 für die Wiederherstellung ausgezeichnet.

„Mir hat einmal ein Kunde gesagt, dass der Umbau zwar sehr schön geworden sei - aber vorher habe er sich immer in seine Kindheit zurückversetzt gefühlt“, sagt Brinkmann. Er könne das nachvollziehen, „denn die Nostalgie ist immer bei den Menschen vorhanden“.

Erneute Modernisierung gerade abgeschlossen

Doch ohne Veränderungen geht es nicht - zu vielfältig sind die Anforderungen, die der Markt an das Überleben eines Kaufhauses stellt. „Manche Dinge müssen wir einfach den Spezialisten überlassen, die es besser können“, sagt Brinkmann. So sei beispielsweise die Parfüm-Abteilung geschlossen worden, „das war ein schwieriger, aber richtiger Schritt“.

Auch jüngst wurde die Teka umfassend modernisiert, ganze Abteilungen des 2000 Quadratmeter umfassenden Kaufhauses wurden verlegt, die Mode wurde weiter ausgebaut. So ist „unser kleines Haus“, wie Brinkmann die Teka liebevoll bezeichnet, für das Jubiläum gerüstet. Das Haus wolle auch zukünftig „mit Verlässlichkeit, einem guten Service und dem familiären Verhältnis“ punkten.

von Andreas Schmidt

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