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Studieren ganz ohne Abitur

Technische Hochschule Mittelhessen Studieren ganz ohne Abitur

Özcan Öcalan ist ehrgeizig. Das und seine guten Leistungen in der Ausbildung zum Werkzeugmechaniker haben dazu geführt, dass der Gladenbacher ohne Abitur ein duales Studium absolvieren kann.

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Mittendrin in der Druckgussform: Professor Gerd Manthei (links) und Gernot Wagner (rechts) mit Neu-Student Özcan Öcalan.

Quelle: Technische Hochschule Mittelhessen

Biedenkopf. Der 22-Jährige studiert bei StudiumPlus am Campus Biedenkopf der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) Formgebung. Sein Partnerunternehmen ist das, bei dem er auch seine Lehre absolviert hat: der Formenbauer Heck und Becker in Dautphe. Das Unternehmen hat aktuell 174 Mitarbeiter, stellt Druckgussformen für die Automobilindustrie her und ist an deren Entwicklung beteiligt.

„Ich will immer der Beste sein“, sagt Öcalan. Nach dem Realschulabschluss wollte er eigentlich auf die Fachoberschule gehen. Um Geld zu verdienen, begann er dann aber doch seine Ausbildung. Die beendete der junge Mann mit Bestnoten und bekam das Angebot, dual im Unternehmen zu studieren. „Das habe ich natürlich angenommen“, sagt er.

„Wusste, dass er es packen wird“

Im Dezember 2015 ist in Hessen ein Modellversuch gestartet, der es Menschen mit Berufsausbildung und gutem Abschluss dieser Ausbildung auch ohne­ die bisher nötigen drei Jahre ­Berufserfahrung ermöglicht, ein Studium an einer Fachhochschule zu beginnen. Der 22-jährige Gladenbacher ist einer der ersten Studierenden von StudiumPlus, der diesen Weg geht.

Eigentlich legt Martin Baumann, Geschäftsführer von Heck und Becker, großen Wert auf eine breite Grundlagenausbildung und ist der Ansicht, dass ein Fachabitur für das Studium nötig ist. Im Fall von Öcalan war Gernot Wagner, Technischer Leiter des Formenbauers, aber überzeugt, dass er es schaffen kann: „Man muss sich die Person genau ansehen – und bei Herrn Öcalan wusste ich, dass er es packen wird“, betont Wagner.

Davon, dass der frischgebackene Student es auch ohne Abitur schafft, ist auch Professor Gerd Manthei von StudiumPlus überzeugt. Er betreut ihn in den Praxisphasen im Unternehmen, in denen er sich mit neuen Wegen befasst, um die Qualität von Druckgussformen zu verbessern. In der ersten Praxisphase geht es um die theoretischen Grundlagen, in der nächsten wird er eine Versuchsreihe starten.

Wochenlang von morgens bis abends am Schreibtisch

Vier Tage nach seiner Abschlussprüfung durfte Öcalan­ sogar für zwei Wochen mit zu einem Kunden in China. Er weiß, dass er später gerne in der ­Anwendungstechnik arbeiten möchte. Druckgussformen bei­ 
Kunden einzurichten ist also ­genau das Richtige für ihn.

Nach der Chinareise ging es sofort los mit den Vorbereitungskursen. „Das ist nicht ­ohne“, sagt er. Wochenlang ­habe er ­täglich von morgens bis abends nur am Schreibtisch gesessen, Mathe, Chemie und Physik müsse er permanent aufarbeiten. „Soviel wie ich für die ersten Klausuren gelernt habe, habe ich in zehn Jahren Schule nicht gelernt“, verrät der Gladenbacher. Aber er will es nicht nur schaffen, er will auch richtig gut sein, am liebsten der Beste.

Andre Weißbenner, Öcalans Betreuer im Unternehmen, hat selbst dual studiert und macht gerade seinen dualen Master. „Özcan kennt das Unternehmen schon und wir kennen ihn“, sagt er. Der „Quereinsteiger“ zeige großes Engagement.

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