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Technik mit Tiefgang an gigantischen Maschinen

OP-Ausbildungsserie, Teil 3 Technik mit Tiefgang an gigantischen Maschinen

PS-starke Schlepper und riesige Mähdrescher – das Technologiezeitalter ist längst in der Landwirtschaft angekommen. Um die Technik kümmern sich Land- und Baumaschinenmechatroniker.

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Die Auszubildenden Matthis Ammenhäuser (links) und Christoph Eidam erlernen nicht nur das hochtechnische Innenleben, sondern auch den Umgang mit den riesigen Maschinen.

Quelle: Ina Tannert

Niederwalgern. Der kleine Traktor als einfaches Transportfahrzeug auf dem Feld ist längst in den Hintergrund getreten – heute bestimmen weit mehr selbstständige, hoch technische Maschinen mit Bordcomputer den landwirtschaftlichen Alltag.

Die beeindruckenden, meterhohen Kolosse allzeit einsatzbereit und auf Kurs zu halten – dafür sorgt der Land- und Baumaschinenmechatroniker.

Erst vor etwa zwei Jahren kristallisierte sich dieser hochtechnische Beruf aus dem des Bau-Landmaschinenmechanikers heraus. Ihn zu erlernen dauert in der Regel dreieinhalb Jahre. Im Landmaschinenfachbetrieb Justus Becker in Niederwalgern lernen derzeit sieben Lehrlinge, darunter die beiden Auszubildenden Christoph Eidam und Matthis Ammenhäuser.

Auch Handarbeit 
ist noch gefragt

Während Christoph im kaufmännischen Bereich tätig ist, geht es für den Azubi-Kollegen als angehenden Land- und Baumaschinenmechatroniker tagtäglich ans Eingemachte der riesigen Maschinen. Vertreter dieses Berufes warten und reparieren Fahrzeuge, Maschinen, Anlagen und Geräte, die in der Land- und Bauwirtschaft eingesetzt werden.

Der 19-Jährige wollte schon immer mit Nutzfahrzeugen arbeiten, dabei nicht nur oberflächlich, sondern tief in die technologische Materie eintauchen – die idealen Voraussetzungen für einen Beruf in der Agrartechnik, die trotz aller Modernisierung noch Wert auf Tiefgang legt. „Ich bekomme Einblicke in alle Bereiche, vom Schweißen und Löten bis zur Ernte-, Motoren- und Kleintechnik“, erzählt Matthis. Der Lehrling beschäftigt sich viel mit Fachtheorie, mit Hydraulik, Pneumatik oder Elektronik.

In seiner Branche setzt man noch auf umfangreiche technische Fähigkeiten und jede Menge Handarbeit. Wo in anderen Technikberufen einzelne Maschinenteile nicht mehr komplett auseinandergebaut, sondern einfach ganz ausgetauscht werden, sieht das in der Agrartechnik anders aus: „Es gibt mehr Einblicke in die eigentliche Materie, bei uns wird ein Getriebe noch demontiert“, sagt Geschäftsführer Reiner Becker.

Dabei bieten die riesigen Maschinen heutzutage weit mehr als reine Arbeitskraft, sind mit einem Haufen Elektronik, Computertechnik und GPS ausgestattet. Dank der ausgeklügelten Technik kann der moderne Traktor etwa so programmiert werden, dass er den Großteil der Arbeit selbstständig leistet, etwa eigenständig per Autopilot das vorher berechnete Feld abfährt. Über die dafür notwendige Technik muss der Spezialist genau Bescheid wissen, auch dies macht diesen Berufszweig deutlich aufwendiger als noch vor Jahren.

Technisierung erfordert ein umfangreiches Wissen

Ein gut ausgebildeter Land- und Baumaschinenmechatroniker ist daher auch in anderen Berufszweigen heiß begehrt, etwa als Wartungsmonteur. „Man wird weit mehr gefordert als etwa im Kfz-Bereich, vor allem was die Elektronik angeht“, erklärt Arbeitsvermittler Friedrich Fey.

In seinem zweiten Lehrjahr weiß Matthis bereits so einiges über den Aufbau der schweren, teuren Geräte. Die Arbeit etwa an einem 25 Tonnen schweren Mähdrescher beeindruckt ihn nach wie vor. „An so großen Maschinen zu schrauben – das hat schon was und macht Spaß“, erzählt der Azubi. Die wachsende Technisierung erfordert ein umfangreiches Wissen über das komplette Innenleben der auf Effizienz getrimmten Maschinen. Und das muss jederzeit, auch im Notfall, abrufbar und anwendbar sein.

So etwa wenn ein Landwirt noch vom Feld einen Fehler meldet: Das Unternehmen hat einen 24-Stunden-Service, jederzeit kann ein Kunde anrufen – dann muss Matthis in Zukunft in der Lage sein, schnell und direkt vor Ort Abhilfe zu schaffen.

Die große Maschine mitten in der Erntezeit vom Feld zu holen und etwa wochenlang in die Werkstatt zu stellen – dafür reicht die Zeit nicht. „Für diesen Beruf muss man technisches Verständnis mitbringen, man sollte wissen, wie die Maschine aufgebaut ist und auch bedient wird“, weiß Matthis.

Weiterbildung 
ist ein Muss

Auch Azubi-Kollege Christoph durchläuft im Betrieb sämtliche Stationen, vom Lager bis zur Buchhaltung. Er möchte später studieren, entschied sich im Vorfeld jedoch gezielt für eine Ausbildung, um erst einmal „etwas Vorzeigbares“ in der Tasche zu haben.

„Was man dann hat kann einem keiner mehr nehmen“, sagt der 20-Jährige. Jede Weiterbildung seines Nachwuchses befürwortet auch der Chef, und die ist gerade aufgrund der zunehmenden Technisierung ein Muss. Durch die wachsende Vielfalt spezialisieren sich auch Landmaschinenmechatroniker später in der Regel auf bestimmte Bereiche, wie die Erntetechnik, Schlepper oder Traktoren.

Und das macht Sinn, „man muss sich spezialisieren, dort ist heutzutage eine wahnsinnige Technik drin, die Maschinen machen so viel eigenständig“, sagt Becker. Trotz allem hat die Branche wie die Landwirtschaft nach wie vor „ein schlechtes Image – die Leute denken nur an eine dreckige, stinkende Arbeit, dabei hat sich viel geändert, der Bereich ist heute hoch technisch“, erklärt der Chef.

Trotzdem sei der Beruf noch allgemein wenig bekannt. Dabei mache gerade diese Vielfalt einen großen Reiz aus, findet Matthis. „Für mich war es die richtige Berufswahl, die würde ich jederzeit wieder treffen“, ist sich der Azubi sicher.

Informationen zu freien Ausbildungsstellen im Landkreis gibt es bei der Arbeitsagentur: Kontakt unter 06421/606212 oder per E-Mail unter marburg.arbeitgeber@arbeitsagentur.de.

von Ina Tannert

 
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Anlagenmechaniker SHK (14)
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Maler/Lackierer (12)
übrige Berufe: 386
Stand: 31. Mai, Quelle: Agentur für Arbeit Marburg
 
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