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Tauziehen um Tarifvertrag beginnt

UKGM Tauziehen um Tarifvertrag beginnt

Noch laufen Sondierungsgespräche zwischen der Gewerkschaft und Geschäftsführung am Uni-Klinikum. Das Ziel von Verdi ist ein Gesundheitsarifvertrag für das nicht-ärztliche Personal.

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Das Tauziehen um eine Krankenhausreform geht weiter, das Ringen um Verbesserungen für Mitarbeiter am UKGM auch.

Quelle: Patrick Seeger

Marburg. „Gemeinsam bauen wir die Zukunft auf“: Unter diesem Titel hat der Betriebsrat am UKGM in Marburg ein Informationsheft für die Beschäftigten herausgebracht. In der nahen Zukunft stehen viele Themen an, die zum Teil zusammenhängen, zum Teil aber losgelöst voneinander zu betrachten sind. Nachdem die Geschäftsführung in Marburg erklärt hat, dass aufgrund der wirtschaftlichen Lage­ durch „natürliche Fluktuation“ 44 Stellen wegfallen sollen, ist der Betriebsrat in Aufruhr.

Nun hat sich auch der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Hanschur öffentlich zu Wort gemeldet. Jetzt Personal abzubauen hieße, den Marburger Standort „wohl endgültig gegen die Wand zu fahren“, empört sich der Gesamtbetriebsratsvorsitzende. Er stellt die Frage, wer die Aufgaben dann erledigen soll, denn schon jetzt arbeiten die Beschäftigten am Limit oder sogar darüber hinaus, sagt er.

Doch nicht nur die Themen Personalmindeststandards und Stellenabbau beschäftigen derzeit die Vertreter der Arbeitgeber und Geschäftsleitung. Der Tarifvertrag für die rund 6500 nicht-ärztlichen Beschäftigten am UKGM läuft noch bis Ende des Jahres, die nächsten Verhandlungsrunden stehen also bald vor der Tür.

Gewerkschaft will Schichtdienstarbeiter entlasten

Zunächst aber geht es nicht ums Geld, sondern um die Gesundheit der Mitarbeiter. Nachdem die Gewerkschaft Verdi für die nicht-ärztlichen Beschäftigten der Berliner Charité nach tariflichen Auseinandersetzungen dem bundesweit ersten Gesundheitsschutz-Tarifvertrag abgeschlossen hat, soll dies nun auch in Marburg und Gießen durchgefochten werden. Soll ein Exempel statuiert werden?

Offiziell bestätigen Geschäftsführung und Verdi, dass Sondierungsgespräche geführt worden sind. Am nächsten Donnerstag ist ein Treffen geplant. Verdi wird wohl die Geschäftsführung zu Verhandlungen auffordern, auch Streiks seien nicht auszuschließen. Bei den Forderungen geht es um bessere Bedingungen für Mitarbeiter im Schichtdienst, zum Beispiel längere Regenerationsphasen nach einer Nachtschicht oder Entlastungen für ältere Arbeitnehmer.

Nächste Woche tagt auch der Konzernbetriebsrat der Rhön-Klinikum AG in Bad Neustadt an der Saale. Der Konzernbetriebsrat, dem auch der Marburger Betriebsrat Björn Borgmann angehört, fordert von der so genannten Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Krankenhausreform die Einführung eines Personalbemessungsgesetzes. Bislang gibt es hier keine politische Einigung.

Marburg behandelt weniger schwere Fälle als Gießen

„Ungeachtet vom Stellenabbau nimmt die Überlastung in der Pflege stetig zu“, sagt Borgmann. Daher müsse es bundesweit klare Vorgaben geben, sagt er. Das Tauziehen um eine Gesetzesvorlage, das Ringen um Stellen am UKGM und neuerdings die öffentliche Debatte um den Gesundheitsschutz: All diese Themen werden bis Ende des Jahres deutlich an Schärfe zunehmen. Mal hinter, mal vor verschlossenen Türen.

Zum Hintergrund: Vergangene Woche war bekannt geworden, dass das UKGM am Standort Marburg allein von Januar bis September insgesamt 1,9 Millionen Euro Verlust gemacht hat. Im gleichen Zeitraum fuhr das Uniklinikum Gießen ein Plus von fünf Millionen Euro ein. Die Unterschiede an den beiden Standorten erklärt die Marburger Geschäftsführung unter anderem damit, dass in Marburg Patienten mit durchschnittlich weniger schweren Krankheiten behandelt wurden und deshalb weniger Geld von den Krankenkassen reinkommt.

Die Behandlungszahlen von rund 3600 Patienten im Jahr sind dagegen gestiegen. „Die Patienten kommen zu uns, die Arbeit der Mitarbeiter ist sehr gut, sie geben alles“, so Borgmann. Er wird für Verdi in Marburg über den möglichen Gesundheitsschutz-Vertrag verhandeln, und in Bad Neustadt darauf pochen, dass bei der Entwicklung „der neuen Rhön“ die Mitarbeiter Mitsprache bekommen.

von Anna Ntemiris

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