Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Tarifparteien halten an Forderungen fest

Verdi vs. UKGM Tarifparteien halten an Forderungen fest

Am Dienstag nahmen Verdi-
Verhandlungskommission und UKGM-Geschäftsführung ihre Tarifverhandlungen auf. Bereits im Vorfeld widersprach das Klinikum der Zahl der von der Gewerkschaft kommunizierten Überstunden.

Voriger Artikel
Goßfeldener Tüftler entwickeln Paketkasten
Nächster Artikel
40 Jahre im Dienst der Sauberkeit unterwegs

Zum Auftakt der Verhandlungen vereinbarten Verdi und Klinikum das Erstellen eines Zehn-Punkte-Plans.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „In den vergangenen zwei Jahren wurden nachweislich rund 24.000 Überstunden im nicht-ärztlichen Dienst aufgebaut und nicht 155.000 wie behauptet. Daher ist aus unserer Sicht die Zahl von 400 fehlenden Stellen in Gießen unsachlich und irreführend“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr. Gunther K. Weiß.

Er appellierte an Verdi, den seit Sommer 2014 bestehenden Dialog zu Gesundheitsschutz und Arbeitsbedingungen fortzusetzen. Weiß versicherte, die Themen genössen hohe Priorität, seien aber „im direkten Dialog mit den Beschäftigten am besten und sinnvollsten zu regeln“.

Vor zwei Jahren hatten sich Gewerkschaft und Klinikum auf eine Mitarbeiterbefragung zu psychischen und physischen Belastungen am Arbeitsplatz geeinigt, die im vergangenen Jahr stattfand. Man habe nach der Auswertung mit ersten Veränderungsschritten begonnen und bereits einige Initiativen zum Erhalt und zur Förderung der Mitarbeitergesundheit gestartet und umgesetzt. „Auf dieser Grundlage wollen und werden wir auch weiterhin gemeinsam nach Lösungen und Umsetzungsmöglichkeiten suchen“, so Weiß. Die Befragung habe ergeben, dass die Belastungssituation mit der an anderen Kliniken vergleichbar sei.

UKGM will Einigung mit Beschäftigten suchen

Zudem teilte die Geschäftsleitung mit, dass an beiden Standorten des UKGM – also in Marburg und Gießen – zusammen seit 2006 in Summe über alle Berufsgruppen 5500 Überstunden pro Jahr aufgebaut worden seien. Das entspräche 3,5 Vollkräften pro Jahr bei insgesamt rund 7000 Vollkräften im UKGM – und weniger als eine Überstunde pro Jahr und Mitarbeiter. Dem kontinuierlichen Zuwachs an Patienten habe man mit einer „adäquaten Personalanpassung“ Rechnung getragen.

Zudem sei am UKGM schon vor drei Jahren an beiden Standorten ein umfassendes betriebliches Gesundheitsmanagement eingeführt worden. Weiß sagte: „Wir sind dran am Thema und suchen nach Lösungen – zusammen mit den Beschäftigten und dem Betriebsrat.“

Verdi möchte erreichen, dass an den Standorten des UKGM ein Gesundheitstarifvertrag nach dem Vorbild der Berliner Charité umgesetzt wird. In ihm sind unter anderem verbindliche Personal-Mindeststandards festgelegt.

Weiß hatte bisher immer ­betont, dass er einen solchen ­Gesundheitstarifvertrag für das Klinikum ausschließe. Denn der Rhön-Konzern wolle für das UKGM keine Sonderrolle. Außerdem müsse sich die Politik an einem solchen Vertrag beteiligen – die Kliniken könnten die Kosten nicht alleine schultern.

Vor zwei Wochen hatte er aber dann doch Verhandlungen zugestimmt – wohl nicht zuletzt, weil Verdi mit anhaltenden und tiefgreifenden Streiks gedroht hatte. Am Dienstag nun teilte das UKGM nach Abschluss des Auftakts der Verhandlungen mit, dass man gemeinsam mit Verdi „den produktiven Dialog zur Förderung der Mitarbeitergesundheit fortgesetzt“ habe.

Verdi fordert: Schluss mit Unterbesetzung und Überlastung

Ziel sei es, Kernpunkte für ­eine zusätzliche Entlastung von Mitarbeitern zu finden und umzusetzen. Dazu solle ein Zehn-Punkte-Katalog entwickelt werden, unter anderem zu den Themen Schutz vor Überlastung, Umgang mit Überlastungsanzeigen, Entlastung der Mitarbeiter und betrieblicher Gesundheitsschutz. Ein nächster Gesprächstermin sei für Mitte Januar vereinbart.

Das UKGM teilte mit: „Während Verdi darauf abzielt, dass der Gesundheitsdialog am Ende in einen Tarifvertrag mündet, erachtet dies die Geschäftsführung des UKGM nicht für notwendig, um gute Lösungen für die Beschäftigten zum Erhalt und zur Förderung ihrer Gesundheit zu finden.“ An der ursprünglichen Haltung will die Geschäftsleitung also nicht rütteln.

Auch bei dem Zehn-Punkte-Plan steht für Verdi die verbindliche Regelung zu Personalmindeststandards für alle Bereiche im Krankenhaus im Vordergrund. „Es muss Schluss mit Unterbesetzung und Überlastung sein. Die Beschäftigten leiden unter der Arbeitssituation“, erklärte Verdi-Verhandlungsführer Stefan Röhrhoff.

Auch zukünftig benötige man „mehr Personal für eine gute Versorgung. Hierzu gehören auch Konsequenzen für den Fall von Unterbesetzung und Überlastung“, so Röhrhoff – das könne auch bedeuten, dass im Falle des Unterschreitens von vereinbarten Personalmindeststandards etwa eine Schließung von Betten oder Stationen erfolgen müsse.

Am 20. Januar wird die Verdi-Tarifkommission eine Bewertung des Gesprächsstands und der erzielten Vereinbarungen vornehmen. „Für uns ist klar, dass der gemeinsam zu vereinbarende Zehn-Punkte-Plan rechtsverbindlich, also per Tarif­vertrag, vereinbart werden muss“, erklärte Fabian Rehm, der für das UKGM zuständige Gewerkschaftssekretär. „Wir bereiten uns nach wie vor auf alle denkbaren Szenarien vor. Wenn wir für unsere Forderungen streiken müssten, dann werden wir streiken“, so Rehm weiter.

von Andreas Schmidt

 
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr