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Studierende „beschatten“ Unternehmer

„Job Shadowing“ für Ausländer Studierende „beschatten“ Unternehmer

Ausländischen Studierenden einen Einblick in die deutsche Arbeitswelt zu bieten – das möchte das Projekt „Job Shadowing“ der Philipps-Universität leisten.

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Christina Bohle (von links), Teilnehmer Ramez Muhjeh und Mitarbeiterin Saruul Batbaatar suchen für das Projekt „Job Shadowing“ noch Unternehmen, die teilnehmen.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. Der englische Begriff Shadowing bedeutet „beschatten“. Und genau dies sollen die Studierenden bei dem Projekt tun: Sie beobachten andere bei der Arbeit, um den jeweiligen Beruf kennenzulernen.

Im Gegensatz zum – meist langfristig angelegten – Praktikum ist das Job Shadowing auf kurze Zeiträume konzipiert, „damit die Studierenden es ohne Probleme auch in ihren Studienalltag einbinden können“, erläutert Christina Bohle, Referatsleiterin im „International Office“ der Philipps-Uni.

In persönlicher Beratung gibt es zunächst Informationen zum Arbeitsmarkt, der Jobsuche und zu Bewerbungsverfahren. „Das schafft die Voraussetzungen“, weiß Bohle – das Projekt als solches solle dann der erste Schritt in den Arbeitsmarkt sein.

Dabei gebe es „klassische Barrieren“, die man im Vorfeld abbauen müsse – so etwa die der Sprache. „Aber wir beraten auch, wohin das Studium, das jemand absolviert, im Endeffekt führen kann, wir zeigen Arbeitsplatzperspektiven auf“, sagt Bohle. Das Job Shadowing könne Kontakte zum regionalen Arbeitsmarkt aufbauen – Netzwerken sei hier das Stichwort. „Und das alles studiengeeignet und gut integrierbar in den Alltag – daher die kurzen Zeiträume“, erläutert Christina Bohle.

Kontakt zu den „Fachkräften von morgen“

Die „Zukunftsmusik und unsere Zielsetzung ist, dass sich aus dem Shadowing vielleicht ein Praktikum oder gar ein Werksvertrag entwickelt“, beschreibt sie. Derzeit mangelt es aber noch an Unternehmen, die für das Projekt zur Verfügung stehen. So hätten sich bisher nur zum Regionalmanagement Mittelhessen und zu Hessenmetall in Wetzlar Kontakte ergeben. „Dabei bieten wir den Unternehmen die Verbindung zu den Fachkräften von morgen. Wir geben ihnen die Chance, potenzielle Kandidaten kennenzulernen und sich einen ersten Eindruck zu verschaffen“, beschreibt Bohle.

Dass die Unternehmen bisher noch so zurückhaltend sind, könnte daran liegen, dass das Projekt erst wenige Wochen alt ist. „Wir hoffen natürlich, die Zahl noch zu steigern und sind derzeit dabei, weitere Firmen zu kontaktieren“, sagt Mitarbeiterin Saruul Batbaatar. Bei den Studierenden stoße die Idee auf jeden Fall auf großes Interesse, wie sie weiß: „Wir haben bereits rund 25 Bewerbungen vorliegen, außerdem gibt es zahlreiche Nachfragen“, erläutert sie.

Erfolgreich mit seiner Bewerbung war indes Ramez Muhjeh. Der 31-jährige Syrer hat seinen Master in Wirtschaftswissenschaften in Marburg erworben, kann bereits auf langjährige Berufserfahrung in Syrien zurückblicken.

„Netzwerken“ soll den Einstieg vereinfachen

Er war „Job Shadow“ beim Regionalmanagement Mittelhessen und hat dabei sowohl Regionalmanager Christian Piterek als auch Geschäftsführer Jens Ihle an vier Tagen „beschattet“.  Dabei war er unter anderem auf der Ausbildungsmesse „Ansage Zukunft“ aktiv. Dort erläuterte er den Besuchern beispielsweise die Arbeitsmarkt-Plattform „Mittelhessen Connect“. „Ich habe viele Arbeitserfahrungen gesammelt, die ich an der Universität nicht hätte machen können“, ist sich Muhjeh sicher.

Zudem habe er einen Einblick erhalten, wie die Arbeit in Deutschland ablaufe, wie sich das Geschäftsumfeld darstelle oder auch, wie man sich seinen Kollegen und seinem Chef gegenüber verhalten solle. Auch wenn es ihm zu Beginn unglaublich schwergefallen sei, seinen „Chef“ Jens Ihle zu duzen, als dieser ihm das Du angeboten habe, „da hatte ich zunächst eine Hemmschwelle“, gibt Muhjeh zu.

„Ich bin mir sicher, dass die gesammelten Erfahrungen mir mit dem Berufseinstieg hier in Deutschland helfen wird“, ist sich der Syrer sicher. Auch deshalb, weil er durch seine Tätigkeit auch direkt Kontakte zu weiteren Unternehmen knüpfen konnte. „Das ist auch ein Ziel des Job Shadowing: netzwerken“, verdeutlicht Christina Bohle.

von Andreas Schmidt

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