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Studienabbruch als Karrierechance

Neues Netzwerk Studienabbruch als Karrierechance

Wer sein Studium schmeißt, ist kein Versager. Im Gegenteil: Der Studienabbruch kann ein erster Schritt für den Erfolg im Handel oder Handwerk sein. Das sagen Spitzenvertreter aus Uni, Politik, Wirtschaft und Arbeitsagentur.

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Wer an der Wahl seines Studienfachs zweifelt, keine Freude mehr an der Uni hat und sich mit dem Gedanken trägt, das Handtuch zu werfen, hat mehrere Anlaufstellen, um in der Wirtschaft einen Neuanfang zu starten.

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. „Studienabbrecher würde ich einstellen, wenn ich sie denn hätte“, sagt Elke Sälzer von der Marburger Firma Sälzer, die zu den Weltmarktführern in der Gebäudesicherung zählt. Die Lehrlingswartin in der Schlosser-Innung sucht händeringend Fachkräfte. So wie Sälzer geht es vielen Betrieben im Handwerk, Handel oder in der Gastronomie.

Daher suchen sie nun verstärkt auch junge Menschen, die ursprünglich eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen wollten: Studierende, die ihr Studium vorzeitig abbrechen. „Meister statt Master“, heiße die Kampagne im Handwerk, erklärt Kreishandwerksmeister Rolph Limbacher.

„Hochschüler, die erkennen, dass ein Studium nichts für sie ist, sind keine Versager. Für diese Botschaft stehen wir“, sagt Landrätin Kirsten Fründt (SPD). Mit „wir“ meint sie viele Institutionen und Menschen aus Politik, Wirtschaft und Universität, die sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen haben, um sowohl Studienzweiflern als auch Arbeitgebern zu helfen.

„Die Lebensbiografien waren früher auch nicht gerade“, sagt Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD). „Der Oberbürgermeister begann seine Laufbahn mit dem Verkauf von Geleebananen und Autos“, fügte Vaupel hinzu. Vor seinem Wechsel in die Politik war er Finanzbeamter. Er wolle junge Menschen dazu ermuntern, andere Wege einzuschlagen.

Abiturienten erklären, was sie erwartet

Doch ist ein junger Mensch, der mit Mitte oder Ende 20 sein Studium abbricht, nicht zu alt, um eine Ausbildung anzufangen? Nein, sagen die Experten der Industrie- und Handelskammer und die Menschen aus der Praxis wie Elke Sälzer oder Meinhard Moog von der Kreishandwerkerschaft. „Ihnen sollte nur bewusst sein, dass sie mit 16- oder 17-Jährigen in einer Berufsschulklasse gemeinsam unterrichtet werden“, so Walter Ruß von der IHK.

Die IHK biete Studierenden eine intensive Beratung inklusive Neigungstests an und führe Kleingruppen auch in die Unternehmen, um erste Kontakte herzustellen, so Oskar Edelmann von der IHK. Der Vize-Uni-Präsident Professor Harald Lachnit stellte allerdings klar: „Wir haben nicht das Ziel, Abbrecher für Sie zu produzieren.“ Die Uni wolle vielmehr Abiturienten bereits im Vorfeld erklären, was in den jeweiligen Fächern verlangt werde.

Die Kooperation mit der Arbeitsagentur sei zudem bereits intensiv und erfolgreich. Arbeitsagentur, IHK Kassel-Marburg, IHK Lahn-Dill, Kreishandwerkerschaften Biedenkopf und Marburg, Technische Hochschule Mittelhessen, Philipps-Universität Marburg sowie die Wirtschaftsförderung von Stadt Marburg und Kreis bieten Anlaufstellen für Studierende.

von Anna Ntemiris

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